Montag, 16. Mai 2016

Bimbach 400 - 416 km, 6800 Höhenmeter, zwei Tage

Schon seit Jahren ist der Rhön-Radmarathon eine 2-Tagesveranstaltung, Samstag RTF und Familientour, Pfingstsonntag dann der Radmarathon. Schon öfter habe ich daran gedacht wie es wohl sei an beiden Tagen die Langdistanz zu fahren. Dieses Jahr haben die Organisatoren 'Bimbach 400' aus dem Hut gezaubert und damit das 2-Tage Vollprogramm formalisiert: all denen die an beiden Tagen die Langdistanz fahren winkt die Bimbach 400 Medaille. Na dann machen wir das doch mal, 156 km mit 2100 Höhenmetern am Samstag und dann der Radmarathon extrem mit 258 km und sage und schreibe 4700 Höhenmetern am Sonntag.

Das Wetter meint es dieses Jahr aber nicht so gut mit den Rhönradlern, Schafskälte sei Dank. Wobei der Samstag noch ganz passabel ist. Bei 6 Grad geht es um halb acht auf die Reise. Und es ist kaum jemand unterwegs, v.a. niemand der von hinten kommt und schon gar keine Gruppen. Schon früh ist also klar, dass das ein eher einsamer Tag werden wird. Nach einer Dreiviertelstunde ist die erste Kontrolle erreicht, dann gehts weiter nach Poppenhausen wo der erste richtige Anstieg des Tages wartet. Es geht hoch nach Steinwand, und gleich danach folgt der Anstieg zur Milseburg. Das war es aber erstmal mit großen Bergen. Es geht zwar immer auf und ab, aber der nächste richtig fette Berg ist der Anstieg zum Theobaldshof. Auf schmaler Straße geht es vom Kohlbachtal durch den Wald steil nach oben Richtung Andenhausen. Nach kurzer Zwischenabfahrt folgt das letzte Stück hoch zum Theobaldshof. Und dann stehen auch schon die letzten 50 km an. Die beiden letzten Berge nach Ketten und Morlos tun nochmal weh. Aber ich versuche locker zu bleiben und nicht zu überziehen. Das gilt auch für das letzte Stück, um Fulda, durch Fulda, nach Bimbach. Verlockend hier nochmal Gas zu geben. Aber das hebe ich mir für den Sonntag auf, wenn ich dann noch Gas geben kann. Nach gut sechs Stunden rolle ich durchs Ziel, 25,6 km/h im Schnitt, nicht doll, aber es kommt ja noch ein Tag.

Der Sonntag verspricht frostig zu werden, und nass. Auf der Radmesse rund um den Radmarathon schieße ich mir für 8 Euro noch ein paar lange Radhandschuhe, zwei Nummern zu groß, aber als Überhandschuhe gut geeignet - es sollten die seit langem bestangelegten 8 Euro sein...

Mein Wunsch ist es, trocken bis Bischofsheim zu kommen, die ersten drei großen Berge ohne Regen. Bei 3°C und trocken gehts es los in Bimbach, als einer von 1883 Startern auf den Marathonstrecken. Nach einer halben Stunde entledige ich mich der Regenjacke, die ersten drei Anstiege kommen, da wirds auch ohne Jacke warm genug werden. 

Nach 50 km ist der Fuß der Ebersburg erreicht, sausteil, der erste große Berg des Tages (Osthessen News hat berichtet und fotografiert). An der Stelle sind auch 50% des Bimbach 400 absolviert, aber nur in puncto Streckenlänge, nicht jedoch mit Blick auf die Höhenmeter. Bei der Anfahrt auf die Wasserkuppe kann man die Polarluft fast schon riechen. Eisig weht der Wind um die Berge und die Temperatur fällt weiter nach unten. Auf der Wasserkuppe steht ein Servicefahrzeug und verteilt Zeitungen als Windschutz, toll. Ich stürze mich ohne nach unten, ich sehe blauen Himmel und Sonne. Unten in Wüstensachsen angekommen gehts gleich wieder hoch, bei 10°C (laut Radcomputer) mit Sonne und Rückenwind Richtung Hochröhn. Es wird immer wahrscheinlicher dass mein Wunsch in Erfüllung geht. Und tatsächlich, die ersten drei großen Berge bleibt es trocken und bei schönstem Sonnenschein rolle ich auf den Hof der Feuerwehr in Bischofsheim, zweite Kontrolle. Und trotzdem ist mir kalt, vielleicht sind Kontrollstellen am Fuß einer langen Abfahrt nicht ideal, aber oben auf dem Berg ist es sicher nicht besser. Vielleicht sollte ich mir also besser eine Jacke für die Abfahrt anziehen, was ich in der Folge auch mache.

Schnell aufs Rad und weiter, wieder warm werden. Bei Rückenwind lassen sich die 20 Übergangskilometer bis zur erneuten Besteigung der Hochrhön gut und flott abreißen. Hier vermeide ich den ersten Schauer des Tages, weil die Streckenführung eine scharfe Linkskurve vorsieht, weg vom Schauer. Der Berg zieht sich, schön zu fahren, aber es dauert eine gefühlte Ewigkeit bis die Hochrhön erreicht ist. Und wieder habe ich die Hoffnung trocken auch wieder runter zu kommen, doch zu früh gefreut. Ein Hagelschauer überfällt mich, Regenjacke an und weiter, schnell runter vom Berg. Tausend Nadelstiche später bin ich raus aus dem Schauer, und kann bei strahlendem Sonnenschein in Fladungen meine Nudeln mit Gulasch genießen, lecker, gutes Fleisch, alle Achtung.

Ich verlasse Fladungen und gleich fängt es an zu regnen. Von nun an bleibt das Muster bestehen für den Rest des Tages: große schwarze Wolke, Schauer, 15-20 Minuten später wieder Sonnenschein, 30-60 Minuten trocken und dann der nächste Schauer. Ich bin jetzt auf der neuen Schleife durch Thüringen, Premiere für alle, gespickt mit einigen netten und einigen fiesen Anstiegen. 300 wunderschöne Höhenmeter sind nach Geba zu überwinden, begleitet vom nächsten Hagelschauer - weniger schön. Die letzten 10 km vor der nächsten Kontrolle gehts voll gegen den Wind, ich komme kaum vorwärts, keinen Bock mehr - aber das ist nur eine Momentaufnahme. 

Und dann beginnt das Rechnen. Ich bin echt langsam, 23er Schnitt, das Stück in Thüringen hat ordentlich reingehauen. Und ich habe jetzt nur noch 1,5 Stunden für 28 km bis zum Kontrollschluss in Hilders. Schaff ich das nicht, ist Bimbach 400 Makulatur. Lasst das Rennen beginnen. Auf dem Flachstück bis Reichenhausen gebe ich Gas, bekomme ausnahmsweise mal Unterstützung von drei Radlern, prima. Dann folgen die nächsten 300 Höhenmeter hoch zum Ellenbogen. Und die nächste schwarze Wolke zieht auf, und die hat es richtig in sich. Fünf Millimeter große Hagelkörner prasseln auf mich ein. Anhalten ist nicht drin. Erstens friert man dann schnell und zweitens schaff ich dann den Kontrollschluss nicht. Also Kopf runter, damit die Hagelkörner nicht das Gesicht zerschießen, und weitertreten. Für die Abfahrt wurde die große Straße von der Hochröhn gewählt, da kann man es richtig laufenlassen. Und dann mit Vollgas nach Hilders. Zehn vor halb vier biege ich rechts ab Richtung Simmershausen, geschafft, zehn Minuten vor Kontrollschluss. Drei neu im Profil stehende Berge später ist Theobaldshof erreicht, und damit die großen Schwierigkeiten des Tages geschafft. Die rasende Abfahrt nach Günthers kann ich heute genießen. Am Samstag war hier Verkehr und ich konnte nicht voll fahren. Heute bin ich alleine, und es ist ausnahmsweise mal trocken. Doch die nächste schwarze Wolke zieht heran.

So ungefähr sah es am Anstieg zum Ellenbogen aus, fast schon romantisch...


Den Schauer warte ich an der Kontrolle in Günthers ab, bei Wiener Würstchen, warmem Tee und Heizung. Dann fällt mir auf, es ist kurz vor fünf, und um sieben ist Kontrollschluss im Ziel. Oh Mann, das nächste Rennen beginnt...jetzt. Noch 50 km warten, mit zwei Bergen und einigen 'Bodenwellen' - und zwei fetten Hagelschauern. Kurz vor Margretenhaun haut es so dermaßen runter das ich jetzt endgültig nass bin, einmal Vollwaschgang bitte. Die Ausläufer von Fulda sind erreicht und die Straße ist furztrocken, aber nicht mehr lange, die Schleusen des Himmels öffnen sich erneut. Zum Glück habe ich jetzt einen Leidensgenossen. Gemeinsam schimpft es sich besser aufs Wetter. Gemeinsam fahren sich die letzten 20 km aber auch deutlich leichter. Mal kann der eine noch 'ne Schippe draufpacken, mal der andere. Kneippkur inklusive (20 km Wassertreten) erreichen wir Bimbach, runter in den Ort und hoch zum Ziel. Es ist 18:57 und ich passiere das Ziel, puh, das war knapp. Nach 11:22:33 (kein Witz!) reiner Fahrzeit, für 258 km Rhöner Achterbahn. Das macht einen Schnitt von 22,8 km/h, aber mehr war nicht drin. Nach dem RTF am Samstag und bei dem Wetter ging es für mich nicht schneller. Aber es ging ja nicht um die Zeit, sondern um Bimbach 400, und das ist mir gelungen - einer von 312 Radlern an diesem Wochenende.


Urkunde und Medaille zwischen den Startnummern und Kontrollkarten vom Wochenende.

Einige Worte zur Organisation: eigentlich muss man sagen 'wie immer', aber das wird der Qualität der Veranstaltung nicht gerecht. Mein Heimrennen ist auch das für mich am besten organisierte seiner Art. Super Streckenwahl, mit regelmäßigen Neuerungen für 'alte Hasen'. Phantastische Beschilderung wo selbst jede noch so popelige Kreuzung markiert ist und auch ansonsten regelmäßig die leuchtend pinken Schilder zu sehen sind, verfahren praktisch unmöglich. Die Verpflegung ist großartig, der Blechkuchen ist berühmt, dazu zwei Warmverpflegungen und das volle Sortiment von Rhön Sprudel. Ein Detail kam in diesem Jahr noch dazu: am Samstag bin ich ohne Voranmeldung gefahren, habe mich Samstag Morgen angemeldet. Normalerweise heisst das Formular ausfüllen, zahlen, Startnummer bekommen. In Bimbach wird mein Name aus der Datenbank gezogen, mit einem Mausklick die Reservierung getätigt und einen Mausklick später landet meine personalisierte Startnummer im bereitstehenden Drucker, Klasse. Man kann das Organisationsteam also nur beglückwünschen, sowas Jahr für Jahr auf dem Niveau auf die Beine zu stellen und auch mit der Zeit zu gehen ist großartig. Ich ziehe meinen Hut.

PS - zur Organisation: Samstag, 2. Juli 2016, ein Päckchen vom RSC'77 Bimbach in meinem Briefkasten, was kann das sein, das kann eigentlich nur - ja genau, das Giant Alpecin Trikot. Das gibts ja nicht, im Ziel am Pfingstsonntag gabs nicht mehr genug in kleinen Größen, das wurde notiert, aber auch nichts versprochen, ob das wirklich klappt und nachgeschickt werden kann. Ich habe nicht wirlich damit gerechnet, zumal es nach Holland zu schicken mit zusätzlichen Kosten verbunden ist. Doch der RSC'77 Bimbach scheut offensichtlich weder Kosten noch Mühen, und so habe ich ein neues gut passendes Trikot in meinem Schrank liegen, und summasummarum für die Startgebühr in Bimbach mehr an Gegenwert rausbekommen als ich investiert habe. Wie machen die das...einfach großartig!!!

Sonntag, 24. April 2016

Amstel Gold Race 2016 - zweimal Valkenburg und zurück

Wie jedes Jahr ist es nicht einfach, das Losverfahren beim Amstel Gold Race zu überstehen, doch es gelingt mir, und so bin ich dabei, beim größten Frühjahrsklassiker in den Niederlanden. Nur leider macht der Frühling genau an dem Wochenende Pause. Freitagabend sitzen wir noch bei milden Temperaturen und Sonnenschein in einer Valkenburger Pizzeria. Am Samstag Morgen breche ich dann meinen Kurzhosentest ziemlich schnell wieder ab, zu kalt. Regnen soll es auch und so gehts fast schon winterlich gekleidet um 6:30 von unserem B&B in Nuth zum Start nach Valkenburg, 8km einrollen.

Kurz nach sieben mache ich mich dann auf die Reise, 240km rund um Valkenburg, immer zickzack und kreuz und quer. Mir scheint, dass es beim AGR einzig und allein darum geht so viele Berge wie möglich in eine sinnhafte Runde zu packen ohne weit weg von Valkenburg zu müssen. Dabei gestaltet sich der Anfang noch höchst moderat. Zügig komme ich voran, auf der nördlichen Schleife der Strecke. Mit Ausnahme des kopfsteingepflasterten Maasbergs machen die Hügel keine Probleme. In den richtigen Gruppen unterwegs kann man es auch mal richtig krachen lassen. Und so erreiche ich die erste Verpflegung nach nem Viertel der Strecke mit nem 31er Schnitt, Wahnsinn, wenn das so weitergeht.



Kurs der Langstrecke des Amstel Gold Race für Jedermann (Google Maps Screenshot).



Nur wird es jetzt schwerer, die Berge länger oder steiler oder beides. Zum ersten Mal gehts über den Fromberg, den mag ich, nicht zu steil, und schöne Sicht von oben. Wie es mir hier wohl in ein paar Stunden gehen wird? Dann steht der Fromberg ein zweites Mal im Programm.

Zurück in Valkenburg ist verpflegen angesagt, und dann gehts auf die Südschleife, nochmal 150km. Geulhemmerberg zum Zweiten und dann die Anfahrt zum Bemelerberg. Danach folgen laut Roadbook etwa 40km ohne Berge, zumindest keine klassifizierten, und genau da liegt das Problem. Sicher 6-7 mal geht es auf dem Stück nochmal bergauf, und die Anstiege haben zwar keine Namen, können mit den namhaften aber durchaus mithalten. So langsam geht mir die Achterbahnfahrt auf den Zeiger, Krise im Anmarsch, im Kopf und in den Beinen. Die nächste Verpflegungsstelle kommt genau richtig. Nur ärgerlich, dass man diese mitten auf die Wiese gesetzt hat. Wenn Tausende Radler durchs Gras stapfen wird daraus schnell Matsch, tolle Schlammschlacht. 

Bei einsetzendem Regen geht es danach einen kleinen steilen Berg hoch, das ist nicht der Loorberg, und offensichtlich auch eine Sackgasse. Oben angekommen kommen mir alle wieder entgegen. Keine Ahnung was los ist, Straße blockiert, was weiß ich, aber ich folge der Masse und fahre wieder auf die Hauptstraße. Der Loorberg ist dann schön zu fahren, was man vom danach im Profil stehenden Berg nicht sagen kann. Camerig heisst er, und geht in mehreren Stufen nach oben, unangenehm zu fahren. Mittlerweile sind wir auch im äußersten Südost-Zipfel der Strecke, regelmäßig kommen uns nun Radler entgegen, die schon wieder auf dem Rückweg sind.

Der Anstieg zum Dreiländereck ist mal wieder ein Genuss, sehr schöner Berg. Die Abfahrt macht Spaß, auch wenn die Nässe zur Vorsicht zwingt. Dann beginnt ein richtig kräftiger Schauer, was solls, wir sind auf dem Rückweg. Die letzte Verpflegung ist wieder in einem Schlammloch. Immerhin muss man nicht so weit durch den Schlamm waten.

Ja und dann, stehen noch 45 Kilometer mit den sechs steilsten Anstiegen des Tages im Programm, yippieh, das Beste zum Schluss. Kruisberg und Eyserbosweg kommen kurz hintereinander, dann Huls und dann wieder Fromberg. Der läuft richtig gut, ich fühle mich prima, besser als beim ersten Mal. Mittlerweile bin ich im Langstreckenmodus angekommen, kann v.a. im Flachen noch richtig Druck machen, während um mich herum alles langsamer wird. Nur die steilen Rampen bremsen meinen Tatendrang, und zu diesem Thema gibts dann zum Schluss noch ein besonderes Schmankerl.

Vom Keutenberg habe ich schon gehört, aber wenn man dann unten reinfährt und das 22% Schild sieht und unvermittelt vor einer Wand steht ist das schon ein kleiner Schock. Ich bin aus dem Sattel gegangen und habe Mühe genug Druck aufs Hinterrad zu bringen um ein Durchrutschen des Rades bei nasser Straße zu verhindern und gleichzeitig auch Druck aufs Vorderrad zu bringen um nicht hinten überzurollen. So ein Fiesling, echt, eine ganze Reihe Sportsfreunde schieben hier hoch, oder tragen das Rad. Und oben stehen einige pumpend und keuchend über den Lenker gebeugt am Straßenrand.

Ich erhole mich schnell und gebe nochmal Gas, macht Spaß hier nochmal richtig draufzutreten. Später kommen drei Sportsfreunde von hinten mit denen ich bis Valkenburg fahre. Und dann kommt die berühmte Linkskurve und ab in den Cauberg. Blick auf die Uhr, noch unter 9 Stunden reine Fahrzeit, das ist gut. Und dann erwacht der Ehrgeiz, unter 9 Stunden zu bleiben. Nochmal alles in die Waagschale werfen, und dann oben am Cauberg angekommen voll durchziehen. Das letzte Stück zum Ziel, Teufelslappen, Zielgerade mit Zielsprint und die Uhr bleibt bei 9:01 stehen, knapp drüber, aber was solls.


Hochbetrieb im Zielbereich des AGR: Räder parken und ab ins Festzelt. 

Flaschenöffnermedaille abholen, Isostar Paket einsammeln, Foto machen (ist doch deutlich mehr los als vor 3 Jahren, als ich fast alleine im Zielraum stand) und runter nach Valkenburg. War ne tolle Sache, perfekt beschildert, gut organisiert, hat Spaß gemacht. Jetzt wo ich die Südschleife kenne, würde ich die 100km Variante, die ich vor drei Jahren gefahren bin nicht mehr wählen. Die geht über die Nordschleife, ist deutlich einfacher und auch landschaftlich weit weniger reizvoll als der Süden. 



Zurück in Valkenburg, im Bereich der Startnummernausgabe.




Sonntag, 20. März 2016

Mein erstes Mal: ganz viel Gefühl beim Joop Zoetemelk Classic 2016

Alle guten Dinge sind drei, und das in doppelter Hinsicht. Die Joep Zoetemelk Classic (JZC), Hollands Primavera am Tag von Mailand San Remo (19. März 2016), sind das dritte Event in drei Wochen. Nach CPC Loop und Haagse Omloop stand heute eben JZC auf dem Programm. Und nachdem ich schon zuvor zweimal angemeldet war, hat es heuer beim dritten Mal endlich zum ersten Start gereicht. Die Strecke bin ich zwar im letzten Mai schonmal für mich selber gefahren aber das ist natürlich was anderes als im offiziellen Rahmen auf die Strecke zu gehen.

Kurz nach 8 Uhr geht es bei 6°C auf die Reise. Mein Pulsmesser signalisiert mir dass er heute nicht mitspielen möchte, na super, aber was solls. Ich übe mich dann gleich mal im Gruppenspringen, möchte zügig vorankommen. Kurz vor Benthuizen lasse ich mal wieder eine Gruppe hinter mir, nur am dann festzustellen, dass keine weitere Gruppe vor mir zu sehen ist. Und das obwohl es jetzt so langsam gegen den Wind geht. Also lasse ich mich wieder auffahren und bleibe im Schutz der Gruppe. In den letzten Ausläufern von Bodegraven weiche ich meinem Vordermann aus und muss kurz in die Wiese und vom Rad. Beim Weiterfahren merke ich dass mein Computer nix mehr anzeigt. Ich halte an und vermisse den Speichenmagnet. Muss wohl bei der Aktion zuvor in der Wiese geblieben sein. Ich fahre zurück und verwende die nächsten 10 Minuten auf eine leider erfolglose Suche nach dem kleinen Ding, Mist.


Kleines Suchbild, was fehlt hier wohl, richtig, der Speichenmagnet...

Nach 40,74 km bin ich also komplett auf mein Gefühl angewiesen, Puls, Geschwindigkeit, Zeitmessung - alles weg. Einigermaßen verärgert fahre ich mit einer Gruppe mit die einigermaßen zügig Richtung Woerden bläst. Dort wartet die erste Verpflegung des Tages, zum vergessen. Ein Rosinenbrötchen pro Fahrer und Wasser zum nachfüllen der Flaschen aus dem Wasserhahn im Hof. Schnell wieder weg und weiter gehts. 

In kleinen Gruppen gehts durch Harmelen und dann in weitem Bogen um das Schloss Haar. Erinnerungen werden wach an den letzten Sommerurlaub, und an das was ich vom JZC im letzten Jahr gehört habe: „Es war eine Wasserschlacht sondergleichen. Wind, Kälte, Matsch, Stoffwechselprodukte von Pferd und Kuh – Alles. In schönen Momenten, dann wenn die Sonne durchbrach und sich in goldenem Streulicht vor der schwarzen Wolkenwand auf die Felder ergoss, fuhren wir aber auch durch ein Gemälde von Rembrandt.“ Zum Glück war es heute trocken und der Matsch auf den Straßen flog einem nur als Dreckklumpen um die Ohren. Das grüne Herz ist halt von Landwirtschaft geprägt, und Landmaschinen aller Art fahren hier die Straßen rauf und runter und lassen ihren Dreck dort zurück.

Apropos grünes Herz, das hat heute ganz schön gestunken. Nach Tagen ohne Regen sind die auf die Felder ausgebrachten natürlichen Dünger (=Gülle) noch nicht weggespült sondern müffeln fröhlich vor sich hin, bäh... Der zweite Versorgungspunkt nach etwa 90 km kann die Erfahrung von Woerden prima wieder wettmachen. Bananen und Isogetränke sind reichlich vorhanden. Danach wirds so langsam zäh, alleine bin ich unterwegs, bei Gegen- oder Seitenweind, mühsam. 

Kurz vor Vrouwenacker gesellen sich die 100er zu uns, immerhin mal wieder etwas Gesellschaft. Stellenweise zu viel Gesellschaft, wird manchmal ganz schön eng und stressig. Nach Ter Aar ist das allerdings vorbei. Die Organisatoren trennen die Strecken wieder und sorgen für etwas mehr Einsamkeit. Den Gegenwind habe ich damit auch exklusiv für mich alleine, zum Glück nicht lange, links weg und erst Seitenwind und später mehr und mehr Rückenwind. Gegen Ende kriege ich nochmal eine gute Gruppe, mit der ich an Alphen vorbei und dann die N11 entlang zurück nach Leiden fahre.

Mit einem richtig guten Gefühl biege ich auf die Radrennbahn des Radclub Swift. Tolle Sache, dass die hier die Rennbahn für den letzten Kilometer zur Verfügung stellen. Sogar einen richtigen Anstieg hat die Bahn zu bieten, den Col du Bourg à la Crème. Und dann ab auf die Zielgerade und rein in die Steilkurve der Bahn. Mein Name wird verkündet als ich über die Ziellinie fahre und dann sind meine ersten JZC Geschichte. Schöne Geschichte, schöne Tour. Wenn auch eine verlustreiche Schlacht. Nicht nur mein Speichenmagnet ist irgendwo bei Bodegraven zurückgeblieben. Auch Teile meines Hinterreifens sind irgendwo auf der Straße geblieben, der macht es jetzt nicht mehr lange.



Screenshot der Kamera bei Zieldurchfahrt auf der Radrennbahn in Leiden.

Apropos lange, wie lange ich gebraucht ab für die 142,37 km (laut jüngstem Eintrag bei gpsies.com) kann ich nicht wirklich sagen. Was ich weiß ist dass ich um 8:05 gestartet bin und nach 5:16:36 inkl aller Zwischenstops die Zielflagge gesehen habe. Etwa 10-15 Minuten haben die beiden offiziellen Zwischenstops insgesamt gedauert, genauso lang meine Speichenmagnetsuchaktion. Reine Fahrzeit sollte also ein bisserl unter 5 Stunden gewesen sein. Aber das ist natürlich nur so ein Gefühl...

Sonntag, 13. März 2016

Ab ins Blaue und alles wie gehabt beim Frühlingsklassiker in Den Haag

Omloop Tom Schouten Wielersport die Dritte, so langsam wird das zur Tradition, zwei Heimrennen zum Saisonauftakt. Nach dem CPC Loop am letzten Wochenende, nun heute auch der Auftakt der Radsaison in heimischen Gefilden. Es ist schon ne tolle Sache, wenn man fast jede Kurve kennt, die Engstellen, die Kreuzungen, Schlaglöcher, etc. Unwägbarkeiten, Ungewisses und Überraschungen gibt es sonst noch genug in der Saison. Und auch das Wetter spielte heute hervorragend mit, einfach grandios, strahlend blauer Himmel, wenig Wind, und der auch noch aus östlichen Richtungen, was für den Omloop ideal ist. Man hat Gegenwind zum Auftakt, wo man sich noch gut in Gruppen verstecken kann. Und das klappt auch ganz gut. Bei frischen 4°C finde ich gleich eine gute Gruppe. An der Vliet rollen wir eine weitere Gruppe auf, das machts jetzt etwas hektischer. Und dann kommt doch mal eine Streckenvariation. Ein Stück an der A12 entlang und dann den kompletten Veenweg durch Leidschenveen. 

Auf der Straße nach Zoetermeer seh ich dann weiter vorne eine größere Gruppe. Na hoffentlich kriegen wir die bald, sonst wirds stressig, aber Pustekuchen. Wir erreichen die Gruppe erst kurz bevor es links weg geht, am Buytenpark entlang. Auf den engen Wegen rollen jetzt massiv viele Rennradler, zu viele, an den Engstellen kommts zum Stau. Erst auf der Straße Richtung Zoetermerse Plas entzerrt sich das Ganze wieder. Ich überhole und mach mich auf den Weg nach vorne, mal ein bisschen freifahren. Andere haben den gleichen Gedanken, jetzt wirds zügig, und ähnlich wie im letzten Jahr an der gleichen Stelle muss ich heute zum ersten Mal knautschen. Aber die Gruppen sind heute kleiner und unterschiedlich schnell, und so kann ich mich in Gesellschaft bis an die Rotte manövrieren. 

Dort dann der ersehnte Rückenwind, wie letztes Jahr, genug um auch ohne Mitfahrer flott voranzukommen. Ich fahre mich wieder ein bisschen frei, damit ich freie Bahn fürs Zeitfahren habe. Das findet heuer bei Streckenhalbzeit statt, und ist nur einen Kilometer lang. Schnurgerade Strecke, guter Asphalt, Rückenwind, gib ihm. Mein Tacho zeigt konstant deutlich über 40km/h. Der Blick in die Ergebnisliste ist etwas verwirrend, 38,37 km/h. Das geht nur wenn die Strecke eigentlich länger war als die angegebenen 1000 Meter, egal, an Platz 276 von 881 in der Wertung ändert das nix.


Pause beim RWC Ahoy


Am Flughafen Den Haag - Rotterdam gibts die gewohnte Pause beim Radclub Ahoy. Kurz nachtanken und was essen und weiter gehts. Richtung De Zweth taucht vor mir eine größere Gruppe auf. Mit der möchte ich nicht durch das Geschlängel südlich von Delft und rüber nach Schipluiden fahren. An der Brücke über die Schie habe ich sie und überhole sie kurz danach. Wieder freie Fahrt auf dem Weg nach Maasluis. Hinter Maasluis dann eine weitere Streckenvariation, wieder was gelernt, schöne Alternative zur Fahrt am Nieuwe Waterweg. Bis hierher lief alles prima, schön Druck auf dem Pedal bei mäßigem Rückenwind. Doch jetzt werden die Beine so langsam schwer. Die letzten 15 km versprechen anstrengend zu werden, v.a. weil es zum Abschluss an der Küste entlang geht, mit dem Wind im Gesicht. Und es ist die Hölle los, den schönen Tag nutzt halb Holland um ans Meer zu gehen, macht es auch nicht gerade einfacher.

Wie im letzten Jahr passiere ich die Ziellinie ganz knapp vor Erreichen der 3:30 Marke, wieder ein Schnitt von knapp über 30 km/h, super, habe ich nicht mit gerechnet, zumal die Vorbereitung ja alles andere als optimal gelaufen ist. War ne tolle Sache, schönes Wetter, viel Sonne, wenig Wind, schöne Strecke, gute Organisation - ich bin sehr zufrieden. Auch der Blick in die Gesamtergebnisse ist nicht schlecht (Fahrzeit plus Pause), auch wenn es kein Ranking gibt kann man sich das doch leicht basteln: Platz 100 von 866 im Ziel gewerteten Kollegen. Da haben manche vielleicht etwas länger Pause gemacht...vielleicht nicht umsonst "de gezelligste toertocht van Nederland".


Start und Ziel beim HSK Trias am Rand von Den Haag



Sonntag, 6. März 2016

CPC Loop 2016: DNF mit voller Absicht

DNF, did not finish - ist mir bisher selten passiert, und ist normalerweise auch nicht erstrebenswert. Aber heute war alles anders, heute war es 'do not finish', oder besser 'will not finish', von Anfang an geplant, und mit voller Absicht durchgezogen. Und das kam so.

Der City-Pier-City Loop (CPC) ist die größte Laufveranstaltung in Den Haag. In den letzten beiden Jahren bin ich jeweils die 5km Version gelaufen. Kurz vor early bird am 4.12.2015 hatte meine liebe Frau die wahnwitzige Idee sich selbst für den 5er anzumelden. Der Weg war damit frei für mich und den Halbmarathon (ich kann ja nicht auch die 5km laufen, wer passt dann auf die Kinder auf...). Endlich, der Lauf durch unsere Nachbarschaft, wo ich jeden Meter kenne, cool. Die Form begann sich auch zu entwickeln und Mitte Januar war ich zuversichtlich, in unter 1:45 zu finishen. Doch dann kam eine fiese Grippe des Wegs, drei Wochen Pause. Nach zwei Wochen Neustart kam die nächste Erkältung, wieder zwei Wochen Pause. Ende Gelände, den Halbmarathon mit Ambitionen zu laufen ist nicht mehr möglich. Und nur antreten um zu finishen kann das Ziel nicht sein, v.a. mit Hinblick auf die bevorstehenden Aufgaben im Fahrradsattel. Also besser Fokus auf ein geordnetes Radtraining und den CPC in den Wind schreiben. Es sei denn...


In den Tagen vor dem Lauf beginnt eine Idee zu reifen. Je nach Wetterlage und je nachdem in welchem Zustand ich bin, kann ich ja antreten und aus dem Halbmarathon einen 10km Lauf machen. Die 10km Marke ist gerade mal 500m von zu Hause weg, das ist ideal: 10km im geplanten Halbmarathontempo laufen, 300m später die Getränkestation mitnehmen, und dann rechts ab die Treppe runter und weg bin ich, ausgestiegen mit Ansage und ab nach Hause.

Und was soll ich sagen, Petrus hat das perfekt eingefädelt. Samstag vor dem CPC Loop war prima Wetter, drei Stunden schön radeln, ein gutes Gefühl für den Haagse Omloop holen. Am Sonntag dann Schauerwetter, bei gefühlten Temperaturen um den Gefrierpunkt. Nicht so wirklich gut zum Radeln, aber zum Laufen gehts allemal. Ob ich jetzt nen 10km Trainingslauf auf eigene Kappe in den Dünen laufe oder aber 10km mit dem Feld im Rahmen des CPC mitschwimme macht ja kaum einen Unterschied. Wo ich schonmal angemeldet bin, kann man auch auf gesperrten Straßen schön durch Den Haag laufen. 

Also stehe ich am 6.3. doch am Start, 14:30 gehts los, der CPC Hauptlauf, weil es hier tatsächlich bis zum Pier geht, nur werde ich den heute nicht sehen. Bei einsetzendem Regen gehts Richtung Scheveningen und dann links weg Richtung Vredespalais. Völlig ungewohnt ist das Anfangstempo, bin halt lange keinen Halbmarathon mehr gelaufen, geruhsames Tempo, kein Stress, sehr schön. Beim 5er hatte ich schon nach 3km keinen Bock mehr, wenn man sich haarscharf im Limit entlangbewegt. Hier kann man noch genießen, sich umschauen, kontrolliert laufen, jeden Kilometer die Zwischenzeiten nehmen. Und die sind prima, die 5km passiere ich nach 25:10, nur wenig langsamer als meine angepeilten 5 min pro Kilometer. Doch ich merke auch das Trainingsdefizit, 21km halte ich das nicht durch. Aber nochmal fünf kriege ich hin.

Weiter gehts Richtung Loosduinen. Aus einem Altenheim an der Strecke kommt Akkordeonmusik. Seemannslieder? Keine Ahnung, da müsste ich stehenbleiben und länger zuhören. An meinem Gamma vorbei und dann rechts, Richtung Küste, und auf meine letzten zwei Kilometer. Ich ziehe das Temo nochmal etwas an, mal schaun ob ich näher an die 5 Minuten Durchschnittszeit komme. Zwischen Kilometer 9 und 10 gehts zickzack durch ein Wohngebiet, schwierig das Tempo hoch zu halten, und dann ab auf meine Zielgerade. Nach der 10km Zeitmessung lasse ich es austrudeln, trabe an der Getränkestation vorbei und sammel Getränke ein. Und dann verabschiede ich mich vom CPC Loop 2016. Schön wars, hat Spaß gemacht, für 10km hats prima gereicht. Auf ein neues im nächsten Jahr, aber dann sehe ich hoffentlich auch mal den Pier und die Zielflagge beim Halbmarathon.

P.S. In den Ergebnislisten tauchen die DNF Kandidaten nicht auf, das ist blöd. Austricksen lässt sich das System auch nicht, zu meiner Startnummer gibts nichts. Das ist nicht fair, was machen die mit den Ergebnissen. Wäre doch auch mal interessant zu sehen, wieviele nicht ins Ziel kommen.

P.P.S. Anders als die Organisatoren hatte meine liebe Tochter eine Medaille für mich, selbst gebastelt, was will man mehr, viel besser als die 08/15 Medaille die man im Ziel bekommt.


Startnummer mit der von Julia gebastelten Medaille. Das Fahrrad war schneller zu malen als ein Läufer...

Kilometer
Zeit pro km
Gesamtzeit
1
5:07
5:07
2
4:44
9:52
3
5:08
14:59
4
5:20
20:20
5
4:51
25:11
6
5:06
30:17
7
5:07
35:24
8
5:06
40:30
9
4:57
45:27
10
5:11
50:38



Montag, 21. September 2015

Triathlon die Zweite und Saisonfinale am Zegerplas in Alphen

Der sechste Start in diesem Jahr ist auch gleichzeitig der letzte in 2015. Zum ersten Mal sind es dieses Jahr zwei Triathlons geworden. Nach dem kurzen Triathlon in Veendendaal stand heute der wiederaufgelegte Zegerplastriathlon in Alphen auf dem Programm. Und zumindest Petrus hatte ein Einsehen mit uns, nach Tagen mit viel Regen war es heute trocken und sonnig. So konnte das Ganze auch gleich mit einem Familienausflug kombiniert werden. Die Familie geht in einen Vogeltierpark (Avifauna) und der Papa macht ein bisschen Sport.



Wechselzone am Zegerplas, der Startbogen und das Wasser im Hintergrund


Vorher: Ordnung muss sein, damit man beim Wechsel seinen Kram findet und sich schnell umziehen kann.

Das bisschen Sport war ein Vierteltriathlon, 1000m planschen, 40km radeln, 10km laufen. Planschen trifft es heute auch ziemlich gut, ich komme wie fast immer kaum in meinen Rhythmus, und Brustschwimmen mit Neoprenanzug ist irgendwie supoptimal, dafür sind die Dinger halt nicht gemacht. Nach der ersten Boje versuche ich verstärkt ins Kraulen zu kommen. Und sobald ich kraule werde ich deutlich schneller und kann mich nach vorne arbeiten. Nur klappt das viel zu selten, und nicht dauerhaft genug um wirklich Boden gut zu machen. Hinzukommt die Orientierungslosigkeit: die gelben schmalen Bojen sind schwer zu sehen, sodass ich allein deswegen schon ins Brustschwimmen wechseln muss. Auf der letzten Bahn habe ich dann den Startbogen als Landmark zum anpeilen. Das funktioniert besser. Am Ufer angekommen drehe ich mich um und schätze dass noch etwa 10 grüne Badekappen im Wasser unterwegs sind, nicht letzter, immerhin, obwohl ich mit mehr als 29 Minuten gestoppt wurde, das war mal nix.

Raus aus dem Anzug und ab aufs Rad. Nach einem knapp 2km langen Anlaufstück heisst es via schmalen Wegen und einem Tunnel eine Nationalstraße zu queren. Das ist ja mal eine komische Idee. Die eigentliche Runde auf dem Rad hat auch so ihre Tücken, sehr eckig, mit einer engen Wende, einer sehr holprigen Holzbrücke und einem Anstieg am Ende. Der Wind steht zum Glück ziemlich gut, das kann man hier auch deutlich schlimmer haben. Bei meiner Testfahrt vor ein paar Wochen war es deutlich unangenehmer. Jede Runde ist etwa 7,4km lang und in rund 13 Minuten bin ich einmal rum, knapp 34km/h, damit bin ich zufrieden. Durch die Anlaufstücke und die Nationalstraßenquerung kriege ich den 34er Schnitt aber nicht ins Ziel, 33km/h sind es am Ende, und 1:14 für die 41km auf dem Rad.


Überquerung der Nationalstraße: kurvig, holprig, eng, hoch und runter...keine ideale Streckenführung.

Dann gehts in die Laufschuhe und es macht Plopp. Hei, ich kann wieder hören. Die ganze Radstrecke war ich mit Wasser in beiden Ohren unterwegs, macht die Welt ziemlich dumpf und leise. Nun höre ich zumindest auf einem Ohr wieder was. Zunächst geht es um den Zegerplas herum, schön zu laufen, und es geht ganz gut. Nach einer Seeumrundung haben die Organisatoren eine winkelige Strecke in dem Park nahe der Wechselzone präpariert. Und dann geht es die Strecke am See wieder zurück, bis zu einer Wende. Dann geht es wieder Richtung Wechselzone und nochmal das Zickezacke in dem Park. Und nirgends irgendwelche Kilometermarkierungen, ich habe überhaupt keine Orientierung wie schnell ich bin. Die konfuse und unsystematische Streckenführung hilft dabei auch kein Stück. Bei der ersten Parkpassage kommen auch noch Seitenstechen dazu, rechte Seite, meine Geburtstagsrippenprellung ist immer noch spürbar. Gelegentliche Gehpausen bringen Linderung. Auf dem Rückweg nach der Wende vertreibe ich mir die Zeit entgegenkommende Läufer zu zählen. Etwa 30 zähle ich bis zum Beginn der finalen Parkpassage. Das kurvige Finale lädt nicht zum Zielsprint ein und nach gut 53 Minuten habe ich die 10km absolviert. Das hätte ich mir besser gewünscht, auch wenn ich nach dem Schwimmen noch etwa 20 Kollegen geschluckt habe.


Nachher: Unordnung darf sein, nach zwei Wechseln versammln sich Schuhe, Neo, und andere Klamotten rund um das Rad.

In der Summe war es eine sehr zähe Angelegenheit. Verglichen mit Veenendaal vor ein paar Wochen war das keine gute Performance. Auch ist es langsamer als vor 2 Jahren bei meinem letzten Vierteltriathlon. Klar, man kann die Strecken nicht wirklich vergleichen, aber trotzdem hätte ich mir mehr erwartet. Mehr erwarten kann man auch von der Organisation. Über die Streckenführung habe ich ja schon gesprochen, v.a. über die Laufstrecke kann man reden. Die Wechselzone könnte auch etwas größzügiger angelegt sein. Vielleicht ist man von Veenendaal verwöhnt, aber das war schon etwas eng hier. Meine Lieblingsveranstaltung wird das so nicht.

Zusammenfassung: 0:29:14 im Wasser (Platz 126), 1:14:13 auf dem Rad (55. beste Radzeit), 1:46:14 nach Schwimmen und Radfahren (Platz 91), 53:31 zu Fuß (101. beste Laufzeit), 2:41:46 gesamt (Platz 100 von 134)

Samstag, 22. August 2015

Ein klein bisschen Triathlon in Veenendaal

Im letzten Jahr haben die Aggregators als Team mit Platz 5 beim 1/4 Triathlon von Veenendaal für mein bis dato bestes Endergebnis bei einem Rennen gesorgt. Grund genug hier nochmal aufzulaufen. Heuer stehen Joris und ich am Start. Allerdings sind wir als Einzelstarter unterwegs, bei der 1/8 Variante: 500m schwimmen, 20km radeln, 5km laufen. Mein kürzester Triathlon ever, und das wo ich doch eigentlich auf längeren Strecken zu Hause bin. Aber im Endeffekt bin ich froh über die Entscheidung, auch weil die Blessuren der Stürze der letzten Wochen noch nicht alle verheilt sind. Guter Test für kommende Aufgaben, sehen wir es als Training unter Wettkampfbedingungen. 

Das Schwimmen ist immer die problematische Disziplin, und das v.a. in diesem Jahr. Dank Umzug und Fingerverletzung hatte ich eine richtig lange Pause vom Schwimmtraining. Und in den letzten Wochen habe ich auch nicht irre viel Zeit im Wasser verbracht. Mal schaun was da geht im Wasser. Pünktlich um 13:00 wird meine Welle der Ü40 Fraktion (etwa 110 Herren) auf die Reise geschickt. Wie nicht anders zu erwarten habe ich die rote Laterne gleich mal an mich genommen. Es kristallisiert sich allerdings gleich eine Schlussgruppe heraus, schnell mal durchgezählt, 7 Mann, prima, ich bin nicht alleine. Als ich mich durch die Gruppe nach vorne gearbeitet habe, ist das Hauptfeld enteilt. Und dann seh ich auf der Gegengeraden die nächste Startgruppe entgegenkommen, Schockschwerenot, die werden mich doch nicht etwa einholen. Als Spitzenreiter der Schlussgruppe gehts in die Wechselzone, gut eine Minute nach dem Hauptfeld, wie mich die Ergebnisliste später wissen lässt. Einmal umschauen, von der nächsten Startgruppe noch nix zu sehen, puh, Glück gehabt.

Ab aufs Rad und volle Kraft voraus, endlich nicht mehr hinterherkriechen, endlich auf der Überholspur. Nach 7,5 Minuten seh ich Joris auf die Strecke biegen, oha, der war aber schnell im Wasser. Er war in der nächsten Startgruppe, die 10 Minuten nach mir ins Wasser ging. Aber zum Glück läufts bei mir auf dem Rad ziemlich gut, der Wind steht etwas komisch, aber er ist nicht stark, ich komme gut voran. Ich nehme Joris pro Runde etwa 1:30 ab, ob das reicht, um mir fürs Laufen einen Vorsprung rauszufahren? Auch im Vergleich zum letzten Jahr bin ich deutlich schneller, 28 Sekunden im Schnitt pro Runde (6,31km). In diesem Jahr komme ich so auf einen Schnitt von 35,5km/h (34km/h im letzten Jahr), je oller je doller...

Der zweite Wechsel geht ziemlich in die Hose. Ich laufe an meinem Platz vorbei und bin fast am Ende der Bahn angekommen, Verwirrung pur, wo bin ich, wo muss ich hin. Ich trotte zurück und finde meinen Platz, das hat Zeit gekostet. Egal, Rad weg, Laufschuhe an und weiter gehts.

Auf der ersten Runde um den See zerfließe ich fast, boah ist das warm. Nach weniger als 12 Minuten bin ich erneut in der Wechselzone, letzter Durchlauf, letzte Runde. Es gibt leider keine Kilometermarkierungen, weswegen es schwierig ist zu beurteilen, wie es läuft. Nach schwimmen und radeln ist das Gefühl für die "richtige" Laufgeschwindigkeit etwas abhanden gekommen. Nach der ersten Runde bin ich aber zufrieden, jetzt nicht langsamer werden. Es läuft gar nicht schlecht, nur machen sich so langsam meine Füße bemerkbar. Ich habe mich entschieden, ohne Socken zu laufen, das hat zwar Zeit in der Wechselzone gespart, aber geht auf Kosten der Fußgesundheit, Blasenbildung inklusive. Ich rette mich ins Ziel und warte auf Joris. Von den 10 Minuten Vorsprung die ich hatte sind am Ende 6 Minuten geblieben, Respekt vor Joris, sehr sehr gute Leistung.

Der Blick in die Ergebnisliste zeigt dann die Details. Im Wasser verbringe ich gut 13 Minuten, Joris ist mehr als 3 Minuten schneller. Auf dem Rad gehen die Uhren wieder auf Null: knapp 33 Minuten brauche ich für die knapp 20 km, Joris ist mehr als 3 Minuten langsamer, fast Gleichstand, virtuell. Für die 5km zu Fuß brauche ich ziemlich exakt 23 Minuten, Joris bleibt knapp unter 20 Minuten. Am Ende bleibt für mich die Uhr bei 1:14:11 stehen, Platz 28 von 69 in meiner Altersgruppe. Damit bin ich sehr zufrieden, habe ich mir doch 1:15 als Ziel ausgegeben. Obwohl Sprints nicht wirklich meine Sache sind, war dieser Triathlonsprint tatsächlich eine Reise wert. Prima Veranstaltung, tolles Wetter und ein schöner Zeitvertreib. Von Packen bis Auspacken kann man kurzweilig 8 Stunden vergeigen, inkl Anfahrt und Vorbereitung und Nachbereitung. Einigermaßen uneffektiv (8h gesamt, 1:14h Sport) aber Spaß hats trotzdem gemacht. Und bis auf ein paar Blasen an den Füßen bin ich auch ohne weitere Blessuren davongekommen. So kann es weitergehen.