Sonntag, 16. September 2012

Oranke Open – Triathlon Integrale

Mein erster und einziger Triathlon 2012, und dann gleich auf Platz 11....bei einem Fun-Triathlon, Platzierungen sind Schall und Rauch, es gibt noch andere Werte. Am Oranke See versammeln sich an diesem kühlen aber trockenen 15. September Familien mit Kindern, behinderte Menschen und einige wenige ambitionierte Sportler um gemeinsam einen Triathlon zu bestreiten die Oranke Open. Zwei Distanzen sind im Angebot, jeweils als Einzelstarter oder Staffel zu absolvieren, Open Competition (100m – 3km – 1 km) und Open Race (250m – 4,5km – 1km).

Ich gebe mir die „Langdistanz“. Start ist vom Strand und eigentlich war das Rennen für mich schon nach 50m rum – ich stecke im Stau. Hier geht es nicht um Platzierungen, hier geht es um gemeinsam Sport treiben und in das Abenteuer Triathlon reinschnuppern. Aus dem Stau gibt es kein Entrinnen, zumal kurz vor der ersten Boje noch Wasserpflanzen die Schwimmer ärgern und das Fortkommen erschweren – hier muss mal gründlich gemäht werden. So entschwindet die Spitze des Feldes während ich dem Wasser entsteige. Auf dem Rad kann ich dann aber doch Boden gutmachen, auch wenn die Strecke nicht gerade zum Rasen einlädt: über Kopfsteinpflaster geht es in einen Park mit Schotterwegen und einem Hügel, überall Straßenbaustellen und natürlich jede Menge Kinder, die bei den Staffeln die Radstrecke übernehmen. Ein Idiot will es trotzdem wissen, und schreit die Kids im Park zusammen, damit er Platz hat zum Rasen – da will wohl doch jemand gewinnen. Die verschreckten Kids müssen sich dann im Ziel trösten lassen, weil sie gar nicht verstehen, was der Kerl da wollte.

Die Laufstrecke führt dann einmal um den Oranksee. Schon nach 200m gehen die Schnürsenkel meiner neuen Schuhe auf, erst der eine, dann zubinden, dann der der andere und wieder der eine. Nass halten die also gar nicht gut, muss ich feststellen. Ich habe heute mal etwas ausprobiert, und mich kaum abgetrocknet und die Füße barfuß in die Schuhe gesteckt – wechseln will beim Triathlon ja auch geübt sein. So laufe ich 800m mit offenen Schuhen um den See, ständig darauf bedacht nicht auf die Schnürsenkel zu treten und der Länge nach in den Park zu klatschen. Wirklich schnell laufen kann man so nicht. Egal, Spaß hats trotzdem gemacht, und ein guter Materialtest war es noch dazu.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass man den Veranstalter nur beglückwünschen kann, einen Fun-Triathlon für wirklich Alle ohne Teilnahmebeitrag anbieten zu können, ganz ganz toll. Wer hier seinen Spaß hatte, macht dann vielleicht auch mal einen richtigen Triathlon. Ich hoffe, dass die Sponsoren und die vielen vielen Helfer auch in Zukunft ihre Unterstützung geben, damit die Oranke Open bestehen können.

Montag, 10. September 2012

Mit Semper ins Urstromtal


Für das Wochenende 8./9. September hat der BRC Semper nach Marzahn geladen, 2 RTF Veranstaltungen, inkl. Radmarathon. Der war mir allerdings doch zu lang, sodass ich mich für die Tour zum Urstromtal am Sonntag entschieden habe, eine hervorragende Wahl. Das fing schon mit dem Wetter an, phantastisch, angenehm warm, sonnig, toll. Los gings kurz vor neun Uhr und ich war gleich in einer schnellen Gruppe die ordentlich Tempo machten, und sich in Buch prompt verfahren hatte. Nach einer kleinen Extraschleife hatten wir das Feld wieder vor uns. Auf winkeligem und schönen Kurs ging es Richtung Wandlitz, muss ich mir merken, schöne Strecke, die ich so noch nicht kannte.

Dann ging es allerdings auf den Radweg nach Uetzdorf, vorbei am Liebnitzsee. Mutige Entscheidung, die große Gruppe über den Radweg zu schicken, zumal wir gerade dabei waren, die anderen wieder zu überholen. Mitten durch den Wald musste man höllisch aufpassen, dass nix passiert. Nach Uetzdorf begann sich alles neu zu formieren, und ich landete in einer Gruppe Trimmfahrer, was nicht immer eine glückliche Fügung ist. Heute war es das aber, die Gruppe ergänzte sich prima, harmonierte gut, sammelte hin und wieder neue Fahrer ein oder velor ein paar, aber im Wesentlichen arbeitete sie gut zusammen, bis zum Ende. Das ist nicht selbstverständlich, zumal die Streckenführung nicht einfach war. Nach der Passage des Werbellinsees ging es nach Eberswalde und von dort über die Berge nach Hohenfinow.

Das Stück nach Dannenberg war eklig wie immer, aber in der Gruppe trotzdem erstaunlich gut zu fahren. Nach Kruge begannen die Organisatoren, immer mal wieder einige Nebenstrecken, Rad- und Feldwege einzubauen. Genau so mag ich das ja, es gibt ja mehr und mehr gute asphaltierte Wege, die man nur finden muss. Und da waren wirklich ein paar nette Abschnitte dabei, die sich mein GPS gemerkt hat, für zukünftige Unternehmungen in dieser Region. Nach 5:20 Stunden waren die 166 km schließlich absolviert. Schöne Strecke, tolles Wetter, gute Gruppe. Man musste allerdings sehr aufpassen, keinen der kleinen Wegweiser zu verpassen. Letztendlich war es ein toller Tag, dank Semper.

Montag, 20. August 2012

Jedermannrennen für Jedermann? – Lessons learned….

Eigentlich wollte ich heute ja den Triathlon in Kallinchen mitmachen. Nur habe ich den Teilnehmeransturm unterschätzt und dann war es zu spät. Auf eine Nachmeldung spekulierend hatte ich mich mit Familie am schönen Motzener See einquartiert, und dann war doch keine Nachmeldung mehr möglich. Schade, muss ich wohl zuschauen….aber Moment mal, da gibt’s ja noch ein Radrennen des Lausitz Cup in Lübben, ein sogennantes Jedermannrennen, wo eigentlich nur Radsportler ohne Rennlizenz mal Rennerfahrung und Rennatmosphäre schnuppern können. Eine tolle Erfindung, eigentlich…. 

Lübben ist von Kallinchen nur ne halbe Stunde entfernt, und Start ist erst am frühen Nachmittag. Das ist prima, ausgiebig frühstücken, gemütlich nach Lübben, nachmelden und auf den Start vorbereiten. Wo man auch hinschaut lauter blank rasierte Beine, und Vereinstrikots, geht ziemlich professionell zu. Naja, an dem ursprünglichen Plan ändert sich erstmal nix: so lange wie möglich am Feld dranbleiben und dann mal schaun was geht. Wenn ich es schaffe, 5 der 8 Runden über je 9,5 km im Feld zu bleiben kann ich nicht mehr überrundet werden. Los geht’s 13:30 bei sengender Hitze, 36°C. Bis Lubolz geht es flott aber sehr erträglich. Wenn das so weitergeht, kann ich meinen Plan umsetzen. Dann eine scharfe Rechtskurve und dann gings ab, Attacke an der Spitze und ab in den roten Bereich. Und als ich dachte, jetzt isses aber schnell, packen die vorne nochmal was drauf – das wars, statt 5 Runden halte ich nur 5 km durch und dann platze ich. Nur 2 sind noch hinter mir, na immerhin bin ich nicht alleine. 

Mit den beiden können wir uns ganz gut behaupten. Die fünfte Runde nehme ich dann aber alleine in Angriff, die anderen haben das Handtuch geworfen. Ich will mich aber nicht überrunden lassen, und muss es dann wenig später doch geschehen lassen. So muss ich am Ende der 5. Runde das Rennen beenden, nach 47 km und mit 32 km/h im Schnitt. Sehr krass, wenn ich mit einer kleinen Gruppe dieses Tempo konstant fahre, kann ich 150 km oder mehr zurücklegen. Wenn man aber früh in den roten Bereich geht, kann man sich nicht mehr so erholen, dass man hier noch was reißen kann, zumindest nicht bei der lausigen Vorbereitung in diesem Jahr. Später lerne ich dann noch, dass hier durchaus auch Lizenzfahrer dabei sind. Der professionelle Eindruck hat also nicht getäuscht: das ist hier offensichtlich eine sehr anspruchsvolle Rennserie, schnelle und spannende Rennen  mit richtig tollen Rennfahrern. Nur der Jedermanngedanke bleibt dabei auf der Strecke. Wenn sich hier noch mehr Hobbyradfahrer anmelden, erleben die noch viel früher ihr blaues Wunder als mir das passiert ist. Keine wirkliche Werbung für den Radsport. Dabei wären Jedermannrennen eine schöne Brücke zwischen den RTF-Veranstaltungen und den Lizenzrennen. 

Zurück nach Kallinchen: dort wird der Jedermanngedanke noch gelebt. Ich habe ein bisschen an der Radstrecke gestanden, und den Hobbytriathleten zugeschaut. Da waren Mountainbikes und Touringräder, professionelle Zeitfahrmaschinen und in die Tage gekommene Rennräder; Sportler in Tria-Einteilern und solche mit Laufshirts auf dem Rad; Sportler mit Clickpedalen und Radschuhen und solche mit Laufschuhen auf Bärentatzenpedalen – und das obwohl die Ausrüstungsregeln beim Triathlon sehr streng sind. Aber es ist sehr sympathisch zu sehen, dass hier jeder der eine funktionsfähige Ausrüstung besitzt einmal probieren kann, wie ein Triathlon sich anfühlt. Und dabei werden auch die Cracks nicht gestört, die hier auf der Jagd nach Topzeiten sind. Sehr sympathisch das Ganze. In der Laufszene funktioniert das auch, Straßenläufe über diverse Distanzen, durch Städte, z.T. mit Topläufern am Start, und jeder kann mitmachen der sich dazu in der Lage fühlt. 

Doch wie schafft man das beim Radfahren, wie sollen wir unsere Kinder davon überzeugen, mit dem Radsport anzufangen, wenn die Kluft zwischen Hobberad sportlern und einer hochtrainierten Elite zu groß ist. Klar, man kann sicher nicht immer Jedermann-Radrennen mit verschiedensten Startgruppen etablieren, so wie es beim Velothon oder den Cyclassics angeboten wird. Ein zusätzliches Rennen beim Lausitz Cup könnte hier aber schon für Abhilfe sorgen. Ein Rennen, das man in der Region bei den Hobbyathleten bewirbt, wo jeder einmal die Chance hat, unter Polizeischutz schnell Rad zu fahren – und schnell muss hier nicht heißen, mit 45 Sachen über die Straßen zu knallen. Für so Fahrer wie mich wäre es schön wenn es neben RTF und Radmarathons und solchen Jedermannserien wie dem Lausitz Cup noch was anderes gibt, was es Jedermännern wie es sie beim Laufen und Triathlon gibt eine Bühne bietet um sich mit anderen aus Spaß zu messen. Ich habe nie den Anspruch ein Rennen zu gewinnen, aber mal wieder so richtig alles aus sich rauszuholen klappt am Besten in einer Form von Wettstreit, der am Besten organisiert abläuft um genügend weitere Wettstreiter zur gleichen Zeit am gleichen Ort zu haben. Das macht einfach unglaublich viel Laune, auch ohne Pokals und Ruhm und Ehre. Hier sehe ich im Radsport einen Nachholebedarf, der es auch leichter möglich macht, den Nachwuchs an den Leistungssport heranzuführen. Vielleicht hat habe ich hier irgendwas was verpasst oder missverstanden – dann bitte ich um Aufkärung. 

P.S. Weil ich nicht aufgegeben habe, bin ich als 156. von 271 Sportlern in der Gesamtwertung des Lausitz Cup geführt – yippieh…

Sonntag, 12. Februar 2012

Sauna und Eisbaden in Finnland

BHL-Europe Arbeitstreffen in Helsinki, im Februar. Väterchen Frost hält Europa in den Armen. In Helsinki ist es in diesen Tagen auch nicht kälter als in Deutschland. Aber Winter in Finnland ist dann doch anders als Winter in Zentraleuropa: der Mensch hat ein sehr entspanntes Verhältnis zu den tiefen Temperaturen und der weißen und eisigen Pracht. Und es gibt Erlebnisse, die man hierzulande vergeblich sucht.

Irgendjemand kam in den Tagen von Helsinki auf die schwachsinnige Idee, im eisigkalten Wasser zu baden. Am 10.2. wurde diese Idee dann realisiert. Auf den Besuch einer fininnischen Rauchsauna folgte eine Abkühlung im eisigen Kuusijärvi in Vantaa, 20 km nördlich von Helsinki. Hier ist der Winter noch winterlicher als in Helsinki selbst. Für 10 Euro darf man seine sieben Sachen in einem warmen Holzhaus verstauhen und dann auf geliehenen Badelatschen und mit Badehose bekleidet wieder ins Freie treten. Die Sonne geht gerade über dem See unter, während man zügig in die Sauna geht. Nach knapp 10 Minuten tritt man gut durchgewärmt und triefend vor Schweiß wieder ins Freie und sucht den 200 m entfernten See für eine kurze Abkühlung auf. Das fühlt sich an wie ein Ganzkörpernagelkissen, und wenn man danach zu lange an einem Ort verweilt, wird man gleich wieder festfrieren. Also zügig zurück in die warme und rauchige Sauna. Dieses Spiel wiederholt sich einige Male, bis man vollkommen entspannt und voller Energie zurück in die Stadt fährt.

Das Verhältnis von warm und kalt verliert an so einem Abend jegliche Bedeutung. Absolout irre Temperaturerfahrungen zwischen heiß und klirrend kalt. Und danach fühlt man sich belebt wie lange nicht mehr: statt müde und geschafft ein Meeting zu beenden ist man voller neuer Energie und Tatendrang. So irre die Idee am Anfang angemutet hat, so froh bin ich mich davon nicht habe schocken zu lassen. Wer immer die Chance hat an einem klaren und kalten Winterabend ein finnisches Saunabad outdoors in the middle of nowhere genießen zu dürfen - nicht entgehen lassen.






Für mehr Infos und Bilder:

Montag, 2. Januar 2012

Silvesterlauf 2011


Wie kann man das Jahr besser ausklingen lassen als mit einem schönen Silvesterlauf. Das denken sich auch diverse Veranstalter von offiziellen Silvesterläufen. Ich habe meine eigene Variante gefunden. Auf der Flucht vor dem Silvesterbürgerkrieg in Berlin waren wir am Stechlinsee gelandet. Erster Blick auf die Karte, die Runde um den See scheint machbar, aber gibt’s da auch nen Weg? Im Internet fand ich einen GPS Track mit super detaillierten Karten und Beschreibungen der Runde um den Stechlinsee. Prima, dann kann es ja losgehen.

In Neuglobsow angekommen fallen mir als Erstes die Schilder vom Laufpark Stechlin auf. Die haben hier ein riesiges Gebiet für Läufer ausgeschildert. Warum habe ich das nicht gleich im Netz gefunden? Egal, 13 km sollen es sein, einmal rund um den See. Die Beschilderung schickt einen gegen den Uhrzeigersinn, aber sie ist toll, an jeder Kreuzung ein Schild, und auf den ersten Kilometern sogar mit „Kilometersteinen“, toll, da braucht man gar keine Karte und kein GPS. An manchen Stellen gibt es zwar ein paar unverständliche Extraschleifen, aber im Sommer bei weniger Matsch, spricht ja nichts dagegen. Letztendlich eine tolle Überraschung: in der brandenburgischen „Einöde“ perfekt ausgeschilderte Laufrunden. Allerdings ist das nichts für Anfänger: Runden unter 10 km Länge sucht man vergebens. Stattdessen kann man durch Kombination mehrerer Touren leicht 100 km Läufe durch die brandenburgischen Wälder arrangieren. Und die Wege sind auch gut zu laufen, Wurzeln und Steine, klar, aber selbst im Dezember gut zu laufen. Ein schöner Ausklang des Sportjahres 2011.

Mittwoch, 3. August 2011

Großglocknerhochalpenstraße im August 2011

Nach dem Leistungstest vor einer Woche in der Schweiz kommen heute die Stunden der Wahrheit am Großglockner. Auch wenn man meint ihn zu kennen, sollte man ihn nicht unterschätzen, zu steil sind die Rampen, zu lang ist die Strecke. Zumal heute die Franz Josefs Höhe auf dem Programm steht. Und dazu gab es absolutes Kaiserwetter, klare Luft, Sonne satt, blauer Himmel – besser kann ein Tag in den Bergen nicht sein. Nach knapp 40 Minuten einrollen von Thumersbach über Bruck und Fusch beginnt die typische Beschilderung, weiße Schrift auf großem blauen Blechschild verkünden die Lokalität und die Höhe über dem Meer. Auf Bärenwirt folgt Bärenwerk folgt Embachkapelle. Hier ein letztes Stoßgebet, denn die ersten Rampen liegen direkt voraus. Auf 3 km überwindet man die ersten 300 Hm bevor es dann nochmal flach wird, bis zur Mautstelle. Die 3 km sollte man also ruhig angehen lassen, will man seine Körner nicht gleich zu Beginn verschießen.
Hinter der Mautstelle geht es in die erste richtige Rampe, und die ist lang und heftig. Die 12% Angabe am Straßenrand kommt nicht von ungefähr. Erholung gibt es erst wieder auf der Piffalpe, in den ersten 3 Kehren, aber auch nur in den Kehren, denn die Abschnitte dazwischen sind wieder richtig steil. Man kann das auch immer schön an den Höhenangaben mitlesen, wie steil es ist: 10 noch zu fahrenden Kilometern stehen etwa 1000 Hm gegenüber, also kein Grund sich zu entspannen. Nur am Parkplatz Piffkar wird es für wenige 100 m mal etwas flacher.

In der Hexdenküche wird so langsam klar, dass dieses perfekte Wetter nicht nur mich in die Berge getrieben hat, zu bescheiden war der Sommer bisher. Ein Auto nach dem anderen  schnauft den Berg hoch. Wenn man einen ruhigen autoarmen Pass möchte, dann sollte man den Großglockner meiden, oder ihn bei Regen fahren. So langsam kommt das erste Teilziel in den Blick, das Fuscher Törl. Hoch oben trohnt der Törlkopf und es ist noch ein gutes Stück Arbeit, bis man endlich das Ziel erreicht hat – das Zeil der offiziellen Glocknerzeitmessung. Wenn man sich unten ein Ticket gezogen hat, kann man sich hier oben in die Highgscore Liste eintragen lassen. Aber ich muss noch weiter, an Rekordfahrt ist nicht zu denken. Trotzdem: genau 100 min hat der Auftsieg von der Maustelle gedauert. Die 17,5 km von der Embachkapelle bis hier hoch habe ich in exakt 2 Stunden absolviert. In der ersten Stunde habe ich noch 10 km geschafft, dank Flachstpck vor Ferleiten. In der zweiten Stunde waren es dann nur 7,5 km kraftbetontes Fahren.

Man muss dazusagen, dass ich heute in der glücklichen Lage war, ein Begleitfahrzeug zu haben. Anne und Julia sind mit dem Auto am Glockner unterwegs und können so ein paar Wechselklamotten und v.a. Getränke transportieren. Die Wechselklamotten musste ich nicht in Anspruch nehmen. Das Wetter war so überragend, dass meine Minimalausrüstung (Windweste, Windjacke, Armlinge, Kopftuch) voll ausgereicht hat. Am Törlkopf wollte ich Anne das erste Mal treffen, aber sie kam nicht. Also geht’s weiter, obwohl meine Getränkevorräte langsam zur Neige gehen. Die Abfahrt zur Fuscher Lake ist steil, zwar nur 2 km, aber das wird auf der Rückfart kein Zuckerschlecken. Unten suche ich das WC auf, um eine Notration Wasser zu tanken. Dann geht’s 4 km zum Hochtor, dem eigentlichen Passübergang. Am Mittertörtunnel wird es nochmal flach und dann steigt die Straße wieder an. Kurz vor dem Hochtor kommen noch ein paar steile Serpentinen und dann ist auch der Teil geschafft. Aber er ist anspruchsvoller als gedacht, 25 min für 6 km.



Kurz vor dem Hochtor überholt mich Anne, endlich Nachschub tanken. Dann geht es durch den schwach beleuchteten Tunnel auf die andere Seite, und 6,5 km steil nach unten. Nach etwa 4 km kommt zum ersten Mal der Großglockner ins Bild, und die Straße dorthin. Tief unten im Tal ist sie zu sehen. Hätten die Straßenbauer den Einstieg nicht etwas weiter nach oben legen können? Wieder auf unter 1.900 m über Meer angekommen, geht es rechts ab zur Franz Josefs Höhe. Nach dem bisher geleisteten tun die ersten Rampen richtig weh. Der Blick auf den näherkommenden Glockner entschädigt. Auch gibt es ein paar Flachstücke, sogar eine kurze Miniabfahrt am Glocknerhaus, 3 km vor dem Ziel. Hier stapeln sich die Autos, im wahrsten Sinn des Wortes. Wegen Überfüllung der Parkplätze an der FJH wird hier vorsortiert. Viele müssen warten, andere dürfen ihr Auto abstellen und mit dem Shuttle Bus nach oben fahren. Einfach irre dieser Andrang. Dann folgen die letzten Kilometer, die nochmal richtig steil sind. Am Ausgang der Galerie ist der Aufstieg dann geschafft. Dann geht es flach bis zur Aussichtsterrasse. Wie gut, dass ich ein Fahrrad habe und die Strecke nicht laufen muss. 49 min habe ich für die 8 km gebraucht, das war ja fast schon schnell. Hier oben muss ich länger warten bis Anne kommt. Aufgehalten am Glocknerhaus, trudelt sie erst nach mir ein. Da hier oben aber toll die Sonne scheint und kein Wind geht, ist es kein Problem, und das auf fast 2.500 m über Meer.



Nach 4 Stunden Fahrzeit sind die ersten 55 km geschafft, nun geht’s den gleichen Weg zurück. Gegen 14 Uhr verlasse ich die FJH. Am Glocknerhaus ist der Stau noch länger geworden, irre was da los ist. Aber das muss wohl der Höhepunkt gewesen sein, denn als Anne 2 Stunden später hier passiert, ist kein Auto mehr da. Wieder zurück an der Kreuzung nehme ich das schwerste Stück des Tages in Angriff, den Anstieg zum Hochtor. Was sich auf der Abfahrt angedeutet hat bewahrheitet sich leider: das Ding ist mächtig steil und kaum Gelegenheit zur Erholung. Selbst einige der wenigen Serpentinen sind so weit gebaut, dass man die Steigung nicht merklich reduzieren muss. 57 min brauche ich für den Aufstieg, zu Fuß ist man kaum langsamer.

Auch an den letzten 2 km zum Fuscher Törl zeigt sich, dass man nach 5,5 Stunden Fahrzeit diesen letzten steilen Hügel nicht unterschätzen sollte. Oben stehen dann 38 km Bergfahrt und etwa 3200 Hm zu Buche. Nach einer letzten Verschnaufpause folgt dann die rauschende Abfahrt ins Tal, zu schnell ist man wieder unten, kaum wahrnehmend, wie man sich hier Stunden zuvor hochgeschraubt hat. Je näher man Ferleiten kommt, desto schlimmer stinken die Autos, die einen überholen – Bremsen. Eine knappe Stunde sinds vom Törl zurück nach Thumersdorf. 6,5 Stunden Fahrzeit stehen am Ende auf der Uhr, und 110 km. Landschaftlich ein absoluter Hochgenuss, auch wenn einem die Strecke alles abverlangt. Durchgehend sehr steile Anstiege und ebenso steile Abfahrten. Die breite und gute Straße machen die Abfahrten allerdings zu einem Vergnügen.

Mittwoch, 27. Juli 2011

Klausenpass und Pragelpass im Juli 2011

10 Jahren ohne Alpen, und dann gleich eine 2-Pass-Runde: Klausenpass und Pragelpass standen auf dem Plan. Ich wurde kurz vor Linthal aus dem Auto geschmissen, um zu testen, ob man Passfahren verlernen kann. Am Ortsausgang von Linthal steht der letzte Hinweis, dass der Pass offen ist und man sieht die erste Kehre des Passes – Kilometer 0. Sehr ungewohnt, mal wieder an nem Pass zu sein, aber auch sehr schön. Schnell finde ich meinen Rhythmus und komme gut voran. Die Serpentinen machen einem das Leben leicht. Der Klausen fährt sich sehr angenehm im unteren Teil. Kilometer 7 ist dann etwas steiler. Die nächste Galerie bietet kurz Erholung bevor dann der letztere steilere Abschnitt vor dem Urner Boden kommt. Dann folgen 5 flache Kilometer zum erholen und zum genießen: das ist eine atemberaubende Kulisse, phantastisch, spektakulär.
Am Ortsauagang steigt die Straße dann wieder an und führt in einen Serpentinenabschnitt, der einem alles abverlangt: phyisch anspruchsvoll und auch optisch. Immer wieder atemberaubende Blicke zurück ins Tal und hinauf auf die Felswände. Zum Glück fahr ich hier hoch und nicht runter, weil man auf der Abfahrt kaum diese Landschaft genießen kann. Nach 4 km dann ein kurzes Flachstück, dann ein weiteres Steilstück bevor man dann annimmt es geschafft zu haben – weit gefehlt. Auch wenn der Ausstieg aus dem Urner Boden beendet ist, muss man noch 2 weitere Kilometer klettern, bevor die Passhöhe erreicht ist. Alles in allem ein toller Pass: viele Serpentinen, angenehme Steigungen, tolle Landschaft.

Die Abfahrt vom Klausen nach Westen ist im ersten Teil etwas wellig, besser nicht zu schnell fahren, obwohl die wenigen Kurven einen verleiten könnten. Ein zweiter Grund kommt wenig später hinzu, es mit dem Gasgeben bergab nicht zu übertreiben: der Steilhang links neben der Straße ist gewaltig. Ein paar Blümchen an einer Stelle geben zu verstehen, man kann auch über die Begrenzung hinweg ins Tal gelangen. Immerhin hat man auf dem kostenlosen Freiflug noch genug Zeit, sein Verhalten zu überdenken, bevor man unten aufschlägt – schon eine sehr krasse Trassenführung. In Unterschächen freut man sich auf die Gegensteigung, die müden Hände können sich vom Bremsen erholen. Allerdings sollte man nicht mit Krawall in die Steigung gehen. Es sind immerhin 600 m berghoch, die mit Windjacke und Co ordentlich schweißtreibend sind. Der folgende zweite Teil der Abfahrt ist ein Genuss, breite und gute Straße, mäßig steil, wenige Kurven – da kann man es richtig laufen lassen. Hoch möchte ich hier aber nicht fahren, weil man auch sehr viel in städtischem Bereich unterwegs ist.

In Altdorf heisst es umziehen und dann etwa 20 km nach Schwyz. Der Radweg ist leicht gefunden und dann geht es am Vierwaldtstädter See nach Norden, an der Tellplatte vorbei, immer am Ufer. Sehr schön, hoch über dem milchigweißen See, tolle Ausblicke, einzig die Beschilderung könnte besser sein. Schwyz ist ja eigentlich nicht klein aber ausgeschildert ist es nicht. Irgendwann hat man die Wahl zwischen Autobahn und Brunnen, und erst in Brunnen ist ein Wegweiser nach Schwyz. In Schwyz geht’s dann gleich mal berghoch in Richtung Muotathal. Wer denkt hier beginnt der Pragelpass – falsch. Immerhin gibt es einen Hinweis, der einem sagt, man ist auf dem richtigen Weg – ob man wirklich auf dem richtigen Weg ist, wenn man den Pragelpass von Westen anfährt möchte ich leise bestreiten, aber dazu später mehr.

Es geht dann mehr oder weniger flach etwa 10 km weiter bis Muotathal. Am Ortsausgang hat man das Gefühl, jetzt beginnt der Pass, bevor es abermals kurz bergab geht. Aber immerhin gibt es jetzt erste Hinweisschilder nach Pragel. Und dann der direkte Hinweis zum Pragelpass. Den braucht man aber auch, weil was man da sieht muss man gesehen haben um es zu glauben. Ich hatte ja schon davon gelesen, aber der Feldweg der sich rechts in den Wald schlägt, himmelwärts strebend, treibt den Angstschweiß auf die Stirn – das ist jetzt nicht wahr…das soll jetzt 6 km so weitergehen, nicht zu glauben. Nach der ersten Rampe geht es etwa flacher über eine kleine Almwiese, bevor es dann endgültig Schluss mit lustig ist. Zum ersten Mal muss ich vom Rad, irgendwas mach ich falsch. 500 m weiter, in der 2. Kehre steht ein kleines Häuschen am Straßenrand mit Sitzbank, in dem ich zum 2. Mal absteige, um mein weiteres Vorgehen zu Überdenken. Da sitze ich nun, starre immer wieder ungläubig in die Kehre und auf die Autos, die sich hoch und runter quälen – wer denkt sich sowas aus, wer baut sowas, und welcher Idiot fährt hier mit dem Rad hoch, sehr abgefahren.

Mittlerweile hat es auch angefangen zu regnen, egal, ich muss hier irgendwie hoch. Eigentlich fahr ich ja Berge mit hoher Frequenz, doch am Pragel stelle ich auf Kraft um, und es funktioniert: der Puls bleibt im Rahmen und ich zwinge mich dazu sitzenzubleiben, kein Wiegetritt. Es geht zwar langsam und ist weiterhin mühsam, aber ich komme gut voran. Doch irgendwann muss das ein Ende haben, hoffentlich stimmt das mit den 6 km, aber viel mehr kann es nicht sein, weil es ja insgesamt keine 1.000 Höhenmeter sind. Die Landschaft ist schon urig hier oben, schmale Straßen, enge Almwiesen, dichter Wald, manchmal sogar Ausblicke ins Muotathal. Es fällt nur schwer zur Flasche zu greifen und was zu trinken, weil man dann aus dem Tritt kommt, dazu also doch besser kurz anhalten. Und es ist ordentlich Verkehr, sogar LKW, obwohl die doch angeblich nicht erlaubt sind, und das auf der schmalen Straße. Nach etwa 6 km kommen die offiziellen Hinweisschilder auf den Wald, ein Parkplatz, und es wird humaner, uff, was nicht heisst dass es flach wird. Immer wieder kommen giftige Rampen. Doch in der Summe werden es mehr und mehr Flachstücke, bevor 11 km nach dem Einstieg in den Feldweg mit Namen Pragelpass das Ziel erreicht ist. Ein kleines Passschild gibt die Bestätigung, was durchaus hilfreich ist, weil es nicht so eindeutig hoch oder runter geht, dass man weiß, es ist geschafft.

Die Abfahrt nach Glarus ist recht anspruchsvoll, es ist feucht, es ist steil und kurvig und die Straße ist eng. Und der Weg bis ins Klöntal ist weit, 10 km geht es runter bevor man endlich am See ist. Dann geht es gut bewaldet am See entlang, bevor die Straße an der Staumauer nach unten abknickt. Es wird jetzt ein paar Mal richtig steil. Mittlerweile ist die Straße aber breit genug, dass man gut fahren kann, auch wenn der Postbus entgegen kommt. Leider ist die Abfahrt anspruchsvoll genug, dass man wenig genießen kann. Muss ich wohl nochmal hochfahren, irgendwann. Nur die andere Richtung ist tabu, den Pragelpass aus Westen fahr ich nicht mehr, aber man muss das mal gesehen haben. Ich kennen den Mortirolo nicht, aber wenn der vergleichbar ist, dann herzlichen Dank. Die Runde als Ganzes ist aber schon super, alles was man kriegen kann: der Klausen macht richtig Spaß, die Passage am Viewaldtstädter See ist auch sehr sehenswert und den Pragel von Westen muss man mal gesehen haben, um es zu glauben.