Montag, 21. September 2015

Triathlon die Zweite und Saisonfinale am Zegerplas in Alphen

Der sechste Start in diesem Jahr ist auch gleichzeitig der letzte in 2015. Zum ersten Mal sind es dieses Jahr zwei Triathlons geworden. Nach dem kurzen Triathlon in Veendendaal stand heute der wiederaufgelegte Zegerplastriathlon in Alphen auf dem Programm. Und zumindest Petrus hatte ein Einsehen mit uns, nach Tagen mit viel Regen war es heute trocken und sonnig. So konnte das Ganze auch gleich mit einem Familienausflug kombiniert werden. Die Familie geht in einen Vogeltierpark (Avifauna) und der Papa macht ein bisschen Sport.



Wechselzone am Zegerplas, der Startbogen und das Wasser im Hintergrund


Vorher: Ordnung muss sein, damit man beim Wechsel seinen Kram findet und sich schnell umziehen kann.

Das bisschen Sport war ein Vierteltriathlon, 1000m planschen, 40km radeln, 10km laufen. Planschen trifft es heute auch ziemlich gut, ich komme wie fast immer kaum in meinen Rhythmus, und Brustschwimmen mit Neoprenanzug ist irgendwie supoptimal, dafür sind die Dinger halt nicht gemacht. Nach der ersten Boje versuche ich verstärkt ins Kraulen zu kommen. Und sobald ich kraule werde ich deutlich schneller und kann mich nach vorne arbeiten. Nur klappt das viel zu selten, und nicht dauerhaft genug um wirklich Boden gut zu machen. Hinzukommt die Orientierungslosigkeit: die gelben schmalen Bojen sind schwer zu sehen, sodass ich allein deswegen schon ins Brustschwimmen wechseln muss. Auf der letzten Bahn habe ich dann den Startbogen als Landmark zum anpeilen. Das funktioniert besser. Am Ufer angekommen drehe ich mich um und schätze dass noch etwa 10 grüne Badekappen im Wasser unterwegs sind, nicht letzter, immerhin, obwohl ich mit mehr als 29 Minuten gestoppt wurde, das war mal nix.

Raus aus dem Anzug und ab aufs Rad. Nach einem knapp 2km langen Anlaufstück heisst es via schmalen Wegen und einem Tunnel eine Nationalstraße zu queren. Das ist ja mal eine komische Idee. Die eigentliche Runde auf dem Rad hat auch so ihre Tücken, sehr eckig, mit einer engen Wende, einer sehr holprigen Holzbrücke und einem Anstieg am Ende. Der Wind steht zum Glück ziemlich gut, das kann man hier auch deutlich schlimmer haben. Bei meiner Testfahrt vor ein paar Wochen war es deutlich unangenehmer. Jede Runde ist etwa 7,4km lang und in rund 13 Minuten bin ich einmal rum, knapp 34km/h, damit bin ich zufrieden. Durch die Anlaufstücke und die Nationalstraßenquerung kriege ich den 34er Schnitt aber nicht ins Ziel, 33km/h sind es am Ende, und 1:14 für die 41km auf dem Rad.


Überquerung der Nationalstraße: kurvig, holprig, eng, hoch und runter...keine ideale Streckenführung.

Dann gehts in die Laufschuhe und es macht Plopp. Hei, ich kann wieder hören. Die ganze Radstrecke war ich mit Wasser in beiden Ohren unterwegs, macht die Welt ziemlich dumpf und leise. Nun höre ich zumindest auf einem Ohr wieder was. Zunächst geht es um den Zegerplas herum, schön zu laufen, und es geht ganz gut. Nach einer Seeumrundung haben die Organisatoren eine winkelige Strecke in dem Park nahe der Wechselzone präpariert. Und dann geht es die Strecke am See wieder zurück, bis zu einer Wende. Dann geht es wieder Richtung Wechselzone und nochmal das Zickezacke in dem Park. Und nirgends irgendwelche Kilometermarkierungen, ich habe überhaupt keine Orientierung wie schnell ich bin. Die konfuse und unsystematische Streckenführung hilft dabei auch kein Stück. Bei der ersten Parkpassage kommen auch noch Seitenstechen dazu, rechte Seite, meine Geburtstagsrippenprellung ist immer noch spürbar. Gelegentliche Gehpausen bringen Linderung. Auf dem Rückweg nach der Wende vertreibe ich mir die Zeit entgegenkommende Läufer zu zählen. Etwa 30 zähle ich bis zum Beginn der finalen Parkpassage. Das kurvige Finale lädt nicht zum Zielsprint ein und nach gut 53 Minuten habe ich die 10km absolviert. Das hätte ich mir besser gewünscht, auch wenn ich nach dem Schwimmen noch etwa 20 Kollegen geschluckt habe.


Nachher: Unordnung darf sein, nach zwei Wechseln versammln sich Schuhe, Neo, und andere Klamotten rund um das Rad.

In der Summe war es eine sehr zähe Angelegenheit. Verglichen mit Veenendaal vor ein paar Wochen war das keine gute Performance. Auch ist es langsamer als vor 2 Jahren bei meinem letzten Vierteltriathlon. Klar, man kann die Strecken nicht wirklich vergleichen, aber trotzdem hätte ich mir mehr erwartet. Mehr erwarten kann man auch von der Organisation. Über die Streckenführung habe ich ja schon gesprochen, v.a. über die Laufstrecke kann man reden. Die Wechselzone könnte auch etwas größzügiger angelegt sein. Vielleicht ist man von Veenendaal verwöhnt, aber das war schon etwas eng hier. Meine Lieblingsveranstaltung wird das so nicht.

Zusammenfassung: 0:29:14 im Wasser (Platz 126), 1:14:13 auf dem Rad (55. beste Radzeit), 1:46:14 nach Schwimmen und Radfahren (Platz 91), 53:31 zu Fuß (101. beste Laufzeit), 2:41:46 gesamt (Platz 100 von 134)

Samstag, 22. August 2015

Ein klein bisschen Triathlon in Veenendaal

Im letzten Jahr haben die Aggregators als Team mit Platz 5 beim 1/4 Triathlon von Veenendaal für mein bis dato bestes Endergebnis bei einem Rennen gesorgt. Grund genug hier nochmal aufzulaufen. Heuer stehen Joris und ich am Start. Allerdings sind wir als Einzelstarter unterwegs, bei der 1/8 Variante: 500m schwimmen, 20km radeln, 5km laufen. Mein kürzester Triathlon ever, und das wo ich doch eigentlich auf längeren Strecken zu Hause bin. Aber im Endeffekt bin ich froh über die Entscheidung, auch weil die Blessuren der Stürze der letzten Wochen noch nicht alle verheilt sind. Guter Test für kommende Aufgaben, sehen wir es als Training unter Wettkampfbedingungen. 

Das Schwimmen ist immer die problematische Disziplin, und das v.a. in diesem Jahr. Dank Umzug und Fingerverletzung hatte ich eine richtig lange Pause vom Schwimmtraining. Und in den letzten Wochen habe ich auch nicht irre viel Zeit im Wasser verbracht. Mal schaun was da geht im Wasser. Pünktlich um 13:00 wird meine Welle der Ü40 Fraktion (etwa 110 Herren) auf die Reise geschickt. Wie nicht anders zu erwarten habe ich die rote Laterne gleich mal an mich genommen. Es kristallisiert sich allerdings gleich eine Schlussgruppe heraus, schnell mal durchgezählt, 7 Mann, prima, ich bin nicht alleine. Als ich mich durch die Gruppe nach vorne gearbeitet habe, ist das Hauptfeld enteilt. Und dann seh ich auf der Gegengeraden die nächste Startgruppe entgegenkommen, Schockschwerenot, die werden mich doch nicht etwa einholen. Als Spitzenreiter der Schlussgruppe gehts in die Wechselzone, gut eine Minute nach dem Hauptfeld, wie mich die Ergebnisliste später wissen lässt. Einmal umschauen, von der nächsten Startgruppe noch nix zu sehen, puh, Glück gehabt.

Ab aufs Rad und volle Kraft voraus, endlich nicht mehr hinterherkriechen, endlich auf der Überholspur. Nach 7,5 Minuten seh ich Joris auf die Strecke biegen, oha, der war aber schnell im Wasser. Er war in der nächsten Startgruppe, die 10 Minuten nach mir ins Wasser ging. Aber zum Glück läufts bei mir auf dem Rad ziemlich gut, der Wind steht etwas komisch, aber er ist nicht stark, ich komme gut voran. Ich nehme Joris pro Runde etwa 1:30 ab, ob das reicht, um mir fürs Laufen einen Vorsprung rauszufahren? Auch im Vergleich zum letzten Jahr bin ich deutlich schneller, 28 Sekunden im Schnitt pro Runde (6,31km). In diesem Jahr komme ich so auf einen Schnitt von 35,5km/h (34km/h im letzten Jahr), je oller je doller...

Der zweite Wechsel geht ziemlich in die Hose. Ich laufe an meinem Platz vorbei und bin fast am Ende der Bahn angekommen, Verwirrung pur, wo bin ich, wo muss ich hin. Ich trotte zurück und finde meinen Platz, das hat Zeit gekostet. Egal, Rad weg, Laufschuhe an und weiter gehts.

Auf der ersten Runde um den See zerfließe ich fast, boah ist das warm. Nach weniger als 12 Minuten bin ich erneut in der Wechselzone, letzter Durchlauf, letzte Runde. Es gibt leider keine Kilometermarkierungen, weswegen es schwierig ist zu beurteilen, wie es läuft. Nach schwimmen und radeln ist das Gefühl für die "richtige" Laufgeschwindigkeit etwas abhanden gekommen. Nach der ersten Runde bin ich aber zufrieden, jetzt nicht langsamer werden. Es läuft gar nicht schlecht, nur machen sich so langsam meine Füße bemerkbar. Ich habe mich entschieden, ohne Socken zu laufen, das hat zwar Zeit in der Wechselzone gespart, aber geht auf Kosten der Fußgesundheit, Blasenbildung inklusive. Ich rette mich ins Ziel und warte auf Joris. Von den 10 Minuten Vorsprung die ich hatte sind am Ende 6 Minuten geblieben, Respekt vor Joris, sehr sehr gute Leistung.

Der Blick in die Ergebnisliste zeigt dann die Details. Im Wasser verbringe ich gut 13 Minuten, Joris ist mehr als 3 Minuten schneller. Auf dem Rad gehen die Uhren wieder auf Null: knapp 33 Minuten brauche ich für die knapp 20 km, Joris ist mehr als 3 Minuten langsamer, fast Gleichstand, virtuell. Für die 5km zu Fuß brauche ich ziemlich exakt 23 Minuten, Joris bleibt knapp unter 20 Minuten. Am Ende bleibt für mich die Uhr bei 1:14:11 stehen, Platz 28 von 69 in meiner Altersgruppe. Damit bin ich sehr zufrieden, habe ich mir doch 1:15 als Ziel ausgegeben. Obwohl Sprints nicht wirklich meine Sache sind, war dieser Triathlonsprint tatsächlich eine Reise wert. Prima Veranstaltung, tolles Wetter und ein schöner Zeitvertreib. Von Packen bis Auspacken kann man kurzweilig 8 Stunden vergeigen, inkl Anfahrt und Vorbereitung und Nachbereitung. Einigermaßen uneffektiv (8h gesamt, 1:14h Sport) aber Spaß hats trotzdem gemacht. Und bis auf ein paar Blasen an den Füßen bin ich auch ohne weitere Blessuren davongekommen. So kann es weitergehen.


Sonntag, 16. August 2015

Die Randstad auf dem Rad – mit Sack und Pack und Familie

In der nun schon dritten Saison ist die Randstad mein sportliches Zuhause. Etwa 10.000 km habe ich in dem Gebiet zwischen Den Haag, Rotterdam, Utrecht, Amsterdam und Leiden zusammengekurbelt – ohne meine Familie. Dabei gibt es so viele schöne Ecken hier, die man per Auto nur schwer oder gar nicht erreichen kann. Das Fahrrad ist das perfekte Verkehrsmittel, einen guten und umfassenden Eindruck von der Gegend zu bekommen. Also muss die Familie mal mitkommen. Die 240 km lange Strecke durch die „innere Randstad“ (der Raum zwischen den oben genannten großen Städten) ist für mich zwar an guten Tagen nonstop mit dem Rennrad zu fahren, für die Familie kann man da aber einen prima einwöchigen Urlaub draus machen: vier Tage auf dem Rad und Familienprogramm an den Tagen dazwischen. Am 8. August 2015 sollte das kleine Abenteuer beginnen. Noch nie ist Anne soviel Rad gefahren, noch nie haben Julia und Fabian so lange im Hänger gesessen. Mit großer Spannung schauen wir dem Beginn der Reise entgegen. Der Wetterbericht verspricht tolles hochsommerliches Wetter, schonmal eine Sorge weniger.

Etappe 1

Mit Rückenwind fahren wir von Den Haag nach Hoek, ungewöhnlich, und Glück für Anne, entspannendes Einrollen zu Beginn. An Maasluis vorbei geht es Richtung Vlaardingen. Am Krabbeplas nach knapp über der Hälfte der Strecke war eigentlich eine Spiel- und Badepause eingeplant. Doch was ist das, sieht aus wie ein Festival, haben die etwa den Strand mitsamt Strandcafe blockiert? Im Abschätzen des Ausmaßes des Festivals aus der Ferne setze ich mein Rad samt Hänger fast in den Graben. Was für ein Schreck, in ziemlicher Schräglage hänge ich knapp oberhalb der Wasserlinie mit meinem Boliden und zwei schreienden Kindern im Anhänger. Anne hilft uns dreien wieder zurück auf die Straße, es ist zum Glück nix passiert. Baden können wir aber nicht nur wegen dem Festival nicht: Blaualgenalarm. So gibt’s nur eine Spiel- und Esspause, und weiter geht’s. Nach einer weiteren Eis- und Getränkepause am Schieweg nehmen wir das letzte Stück in Angriff. Pünktlich um 17 Uhr erreichen wir unsere Herberge für die nächsten zwei Nächte. Es ist ein Boot, nein, ein toll renoviertes altes Amsterdamer Fährschiff. Was für ein Glück, diesen Pott „geschossen“ zu haben.

Einziehen, einkaufen, und dann erstmal ein Schmutzbier,  in guter alter Hongkong-London Tradition, mit besten Grüßen an Volker Häring und China by Bike. Wenig später genießen wir unser Abendessen auf dem Deck des Schiffes, schauen den Schiffen und Wassertaxen zu, die unsere Unterkunft gut in Bewegung halten, es schwankt doch manchmal ganz ordentlich. Die Nacht wird dann unruhig, viele Mücken, dazu ziemlich laute Nilgänse auf dem Steg gegenüber, und überhaupt muss man sich an das Schlafen auf einem Schiff erstmal gewöhnen.

Den Sonntag verbringen wir im Rotterdamer Zoo, ein sehr schöner und abwechslungsreicher Zoo, mit dem wohl besten Spielplatz ever. Sieben Stunden sind wir dort unterwegs (Julias bester Freund Rolando mit Familie ist auch mit dabei).

Etappe 2

Am nächsten Tag ist die zweite Radetappe vorgesehen. Während die Familie noch ein bisschen Verpflegung für den Tag kauft, schleppe ich das Gepäck vom Schiff nach oben zu den Rädern. Das Beladen verzögert sich dann aber, weil meinem Hinterrad über Nacht die Luft ausgegangen ist. Nach Reifen flicken kommen wir um 12 Uhr los, reichlich spät.

Erst fahren wir an der Rotte entlang, dann ein Stück über Land zur Ijssel, der wir dann bis Gouda folgen. Leider sehen wir von der Ijssel selbst herzlich wenig, denn der Radweg läuft am Fuß des Dammes entlang, mit Blick auf die ausgedehnten Wiesen und Weiden. In Gouda halten wir dann eine späte Mittagsrast. Überraschenderweise will keines der Kinder ein Eis. Ich rufe ein paar Gerichte in den Raum, die sich vermutlich am Marktplatz finden lassen. Als ich das Wort Pizza in den Mund nehme, gibt’s kein Halten mehr. Also beehren wir einen Italiener, und machen uns später mit vollen Bäuchen auf die letzten 30 km nach Harmelen. Richtung Reeuwijkse Plassen fahren wir auf schmaler Straße, links Wasser, rechts Wasser. Ausweichen ist nicht möglich, ziemlich spektakulär. Der Rest nach Harmelen verläuft dafür umso unspektakulärer, nur Weideland entlang der A12, eine klassische Überführungsstrecke.

In Harmelen, unserem heutigen Ziel, haben wir im (soweit ich weiß) einzigen Hotel am Ort (Het Wapen Van Harmelen) ein Zimmer gebucht. Es erwartet uns ein schönes Zimmer, sehr hilfbereites Personal (wir parken die Räder und den Hänger im kleinen Saal des Hotels), gutes Essen, und eine prima Bierauswahl. So kann der Tag gut ausklingen…

Am Tag darauf wird es königlich, denn wir besuchen das Kasteel de Haar. Mit kindertauglicher Schlossführung, Schnitzeljagd durch den Schlossgarten und Essenspause im Café kann man als Familie ziemlich viel Zeit verbringen. Spannend, und noch nicht geklärt: die Bewohner des Schlosses hören auf den gleichen Namen wie mein favorisierter Whiskyladen in Den Haag (van Zuylen) – wo besteht der Zusammenhang?

Etappe 3

Am Mittwoch (12.08.) ist es erstmals auf dieser Tour ziemlich bewölkt, es gibt auch Hinweise auf Gewitter im Tagesverlauf, es wird doch wohl nicht… Wir brechen gegen 11 Uhr auf, fahren nach Maarssen und dann an der Vecht Richtung Amsterdam. Viele Herrenhäuser und große Boote sorgen für Abwechslung. Später geht’s dann Richtung Amstel, durch ein wahres Gewirr von Kanälen. Hier heisst es immer auf der richtigen Seite des Kanals zu sein, sonst radelt man kilometerweise Umwege, da spricht die leidvolle Erfahrung… Es fängt tatsächlich an zu regnen, jedoch nicht doll, es ist kein Gewitter. Und in Uithoorn ist es auch schon wieder vorbei. Das muss gefeiert werden, bei einem verdammt leckeren Eis am Ortseingang, mit Blick auf die Amstel und die Drehbrücke.

Mit Rückenwind geht es die letzten Kilometer an der Amstel entlang zum Sfeerstal, ein Bed & Breakfast Hotel mitten im Grünen, in einem wunderschönen Garten mit Spielplatz. Dass es mitten in der Einflugschneise von Schiphol liegt, macht zuerst skeptisch. Das ist jedoch vollkommen unnötig, weil es nachts herrlich ruhig ist. Und tagsüber stört es auch nicht.

Den letzten Brückentag verbringen wir im nahegelegenen Schwimmbad. Ok, schwimmen funktioniert nicht wirklich, es ist einfach zu voll. Aber zum Plantschen, Rutschen etc. reicht es allemal. Fabian ist gar nicht wieder aus dem Wasser zu kriegen. Auf dem Heimweg schläft er ein und ist dann fast nicht mehr wachzukriegen am Abend, es war wohl doch anstrengend. Nach einem Abendessen auf der Terrasse (wir sind die einzigen Übernachtungsgäste) und einer ausgedehnten Trampolineinheit geht es in eine unruhige Nacht. Heftige Gewitter entladen sich, und der folgende Tag verspricht auch regnerisch zu werden.

Etappe 4

Wir beginnen den Tag mit einem phantastischen Frühstück – ich weiß nicht, ob für Bed & Breakfast auch Sterne vergeben werden, aber Sfeerstal hätte Höchstnoten verdient, toll was hier geboten wird: frischgepresster Orangensaft, selbstgemachte Marmelade, und diverse Brot-, Käse- und Wurstsorten, dazu noch leckerster hausgemachter Kuchen. Mittlerweile hat es auch aufgehört zu regnen, und wir machen uns um 10:30 Uhr auf die Socken, auf nach Hause, mit dem Wind im Gesicht. Der Bauernhof am Zoetermeerseplas markiert etwa Streckenhalbzeit. Genau die richtige Gelegenheit für die Kinder, sich die Beine zu vertreten, Kälbchen zu streicheln, Ziegenbabys zu füttern, und sich selbst zu füttern. Wenig später spürt man so langsam Euphorie aufkommen, denn die Skyline von Den Haag erscheint am Horizont, das Ziel fast zum Greifen nah. Kurz vor 16 Uhr ist es geschafft: Wir sind wieder daheim, die Freude ist groß, und der Stolz auch.


Wir haben eine phantastische Woche in der Randstad gehabt, tolles Wetter, tolle Landschaft, tolles Essen erlebt und viel gesehen. Das erste Mal, dass wir sowas zusammen als Familie gemacht haben, und es hat alles prima geklappt. Julia, die vorher sehr skeptisch war, hat es als den tollsten Urlaub überhaupt bezeichnet. Anne hat sich nicht nur sehr wacker geschlagen, sie hat sehr gut mitgehalten, und ich denke, wir waren relativ zügig unterwegs, mussten immer wieder auch andere Radfahrer überholen, die ohne Gepäck unterwegs waren. Unsere Durchschnittsgeschwindigkeit spiegelt das nicht 1:1 wieder, weil es immer wieder auch Passagen gab, die den Schnitt nach unten gedrückt haben: steile Brücken, Doppelbarrieren inklusive Umtragen, langsame Ortsdurchfahrten, etc. 


Etappe
Kilometer
Fahrzeit
Durchschnitt
Den Haag – Rotterdam
63,1 km
3:45 h
16,8 km/h
Rotterdam – Harmelen
57,9 km
3:39 h
15,9 km/h
Harmelen – Sfeerstal
60,7 km
3:44 h
16,2 km/h
Sfeerstal – Den Haag
57,4 km
3:42 h
15,5 km/h
Gesamt
239,1 km
14:50 h
16,1 km/h



Wer die Tour selber nachfahren möchte, die gpx Datei der vier Etappen zum Download.


Die Anfahrt auf Rotterdam, letzter Navigationsstopp und dann geht’s ab in die Stadt.


Unser Schiff für zwei Nächte, morgens der Blick aufs Deck…


…und die Familie beim Frühstück auf Deck.


Auf der Fahrt zum Zoo passieren wir die Rotterdamer Skyline, mit der Erasmusbrücke.


Schmetterlinge ganz nah, im Schmetterlingshaus des Rotterdamer Zoo.


Abendsonne auf unserem Schiff, so lässt sichs aushalten.


Und auch Fabi hat seinen Spaß, mit ein paar Enten und Plastikschiffen.


Auch unter Deck ist es sehr gemütlich, tolles Schiff.


Späte Mittagspause in einer Pizzeria auf dem Marktplatz in Gouda…


…in Sichtweite des altehrwürdigen Stadhuis.


Hinter Gouda fährt man über viele Kilometer auf schmalen Straßen durch ein Wasserparadies, mit handbetriebenen Klappbrücken.


Wasser gibt es auch danach noch genug, kurze Pause in Driebruggen.


Das Kasteel de Haar bei Utrecht ist sehenswert.


Umgeben von diversen Gärten…
…und natürlich auch wieder nah am Wasser gebaut.





Weiter geht’s durch die Außenbezirke von Utrecht, und auch wir müssen mal vor einer Klappbrücke warten, an der Vecht in Maarssen.


An der Vecht bei Breukelen.


Und noch mehr Wasser, die Oude Waver, ein Nebenfluss der Amstel.


Die Amstelfähre in Nessersluis bei Uithoorn, kurzes aber spannendes Intermezzo für die Kinder.


Der Sfeerstal in einem traumhaften Garten, Blumen ohne Ende.


Für die Kinder war das Trampolin im Garten allerdings wesentlich attraktiver.


Abstecher in den Kerkpad bei Papenveer, 10 m breit Land durch die Langeraarse Plassen.


Fast geschafft, von Stompwijk sind es noch etwa 20 km bis nach Hause.

Dienstag, 16. Juni 2015

Vom Winde gedreht - 24h Radrennen im Circuit Park Zandvoort

Mein erstes 24h-Rennen! Mein erstes Mal auf dem Podium bei einer Sportveranstaltung! Wer hätte es gedacht, dazu mussten wir nur knapp 167 mal im Kreis fahren, auf einer Autorennstrecke mit 4,307 km pro Runde, mitten in den Dünen, gespickt mit 5 Anstiegen und etwa 25 Höhenmetern pro Runde, bei über weite Strecken richtig richtig viel Wind. Soweit die Kurzform.

Aber beginnen wir doch mal im letzten Jahr, als die Easy Riders geboren wurden, ein Team aus vier Radlern die gemeinsam die 24h von Zandvoort absolvieren wollten. Zwei Tage vor dem Rennen sage ich ab, weil meine Frau mit Lungenentzündung im Bett liegt und ich mich um die Kinder kümmern darf. Als Ausgleich habe ich dann zwar schon im letzten Jahr Trondheim-Oslo geschenkt bekommen, aber trotzdem wollte ich Zandvoort unbedingt fahren. Nur dass wir die vier Easy Riders nicht wieder zusammengebracht haben. Norwegen noch im Kopf, sollte es kein Problem sein das Ding auch als Duo zu fahren. Also standen Jörg und ich als eins von insgesamt drei Zweierteams am Start, da werden wir auf jeden Fall Dritter...

Die Tage vor dem Rennen ist der Wetterbericht der wichtigste Teil der täglichen Nachrichten. Es kann sich nicht so ganz entscheiden, aber vermutlich wird es sehr sehr windig. Sollte doch kein Problem sein, rund im Kreis, viele Kurven, viele Fahrer zum verstecken und Windschattenfahren - Pustekuchen, es kam anders.

Zunächst einmal kam Regen. Wir hatten kaum unser Lager errichtet und die Zelte mit ordentlich Gewicht im Inneren stabilisiert, damit der Wind sie nicht fortpustet - Bodenanker geht nicht, weil der Zeltplatz ein asphaltierter Platz ist, zwischen Zielgerade und Tarzankurve. Pünktlich zum Start der Einführungsrunde hörte es dann auf mit regnen, aber die Straße war noch nass und in den Zelten war es nass, durchgedrückt von unten, toll.



Unser Lager in der Tarzankurve. Auto als Windschutz und die Zelte mit allem was geht beschwert.

Und dann ging es los, Le Mans Start, die Räder an der Bande auf der gegenüberliegenden Straßenseite und mit dem Start laufen alle zu den Rädern und fahren los. Dann ging es los wie die Feuerwehr, die Zielgerade runter, Tarzankurve und dann stand das Feld zum ersten Mal im Wind. Laut Wetterbericht waren das etwa 60km/h Windgeschwindigkeit, abgefahren. Und ein jeder entwickelte seine eigene Strategie damit umzugehen. Eigentlich hatte ich gehofft man wird sich zu Gruppen finden können um dem fiesen Wind denselbigen aus den Segeln zu nehmen, aber das klappte nicht. Viele haben die Rückenwindpassagen genutzt, um volle Pulle zu fahren, nur um dann in den Gegenwindpassagen rauszunehmen. Ein paar Solofahrer fahren eher meine Strategie, mit Druck durch den Wind und bei Rückenwind erholen. So finde ich mich für ein paar Runden mit Solofahrern zusammen, klappte ganz gut, zumal die auch nicht den Kurs verlassen um zu wechseln. Die fahren das Ding ja alleine. Die Teams wechseln ja dann doch, mal mehr mal weniger, was Gruppenarbeit auch gerne zum Erliegen bringt.


Das Ende der Zielgerade, Schluss mit Rückenwind. Jörg fährt hier an zweiter Stelle von rechts. Links ist übrigens die Wechselzone zu sehen. Jetzt geht es ab in die Tarzankurve...
...einmal um den Campingplatz und am Verpflegungsposten vorbei. Hier war der Wind besonders heftig, heftig genug um ausgiebig Kontakt mit den wartenden Betreuern oder Teamkollegen am Verpflegungsposten aufzunehmen. Jörg fährt hier an zweiter Stelle von links.

Nach den ersten 1,5 Stunden war ich trotzdem ganz schön fertig, wenn das so weitergeht...und es ging erstmal so weiter. Nach 1,5 Stunden Pause gings das zweite Mal für 1,5 Stunden aufs Rad. Der Wind war gefühlt noch stärker geworden. Bei den Kiesbettpassagen musste man sich vor Sandverwehungen und Dreckfressen schützen. Hübsch anzusehen wie der Wind den Sand über die Strecke pustete. Auch mein dritter Turn war nicht einfacher zu fahren, jetzt zum ersten Mal 2 Stunden im Sattel. Warum erst 1,5 dann 2 Stunden? Unser Programm war so ausgerichtet, dass wir die Belastung vor der Nachtruhe möglichst gleichmäßig verteilen. Über Nacht sind wir dann Dreistunden-Schichten gefahren um mehr zu schlafen und am Sonntagmorgen dann Einstundenschichten, um der zunehmenden Erschöpfung besser Rechnung tragen zu können.

Aber noch waren wir nicht soweit, noch ging es darum, sich beim fleißigen Runden drehen dem Wind zu widersetzen. Während der ersten Zweistundenschicht beginne ich so langsam meinen eigenen Rhythmus zu fahren. Es ist zwar toll in Gruppen unterwegs zu sein, aber wenn die einem ein Tempo und eine Strategie aufzwingen die so gar nicht zu den eigenen Vorstellungen passt macht das nicht richtig Sinn. Konsequenterweise fahre ich dann die letzte Schicht vor der Nachtruhe mein eigenes Ding. Nachdem die Sonne den ganzen Tag nicht zum Vorschein gekommen war, bleibt uns auch ein romantischer Sonnenuntergang erspart, und es wird ganz unromantisch einfach dunkel. 

Und so langsam hatte ich meinen Rhythmus, es ging gut, egal was die anderen machen, ich fahr mein Ding. Um Mitternacht hieß es aber erstmal ab ins Bett und schlafen, jetzt wirds spannend, kann ich schlafen, wie komme ich danach wieder raus. Ungeduscht nach 7 Stunden und etwa 200km im Sattel krieche ich in den Schlafsack und schlafe bald ein. Viertel nach 2 werde ich wieder wach, noch vor dem Wecker. Schnelles Frühstück, rein in frische Radklammotten und ab in die Wechselzone. 

Und dann begann für mich die beste Zeit des Rennens. Bis zum Ende lief es jetzt immer besser, ich befinde mich im Langstreckenmodus, komme sehr gut voran, begünstigt dadurch, dass der Wind eingeschlafen ist. Das hätte ich ja fast vergessen zu erwähnen, vor Mitternacht wurde es schon besser, erst hat er gedreht und lies dann deutlich nach und jetzt war er fast weg. Was für eine Erholung, so macht radeln auf der Rennstrecke richtig Spaß. Aber nicht nur der Wind war eingeschlafen, es schien mit ihm auch die ganzen anderen Radler, gähnende Leere auf der Strecke, wo sind die denn alle, tagsüber viel Betrieb und jetzt nix los. Nur hin und wieder donnern die schnellen Züge an einem vorbei, auf der Jagd nach der Bestzeit, echt krass was die Kollegen auf den Asphalt zaubern.

Die größte Schwierigkeit im Dunkeln war jetzt die Anfahrt auf die Schikane. An deren Ende stand zwar ein Halogenstrahler, aber der Eingang war unbeleuchtet, sodass man im Dunkeln den Einlenkpunkt "ertasten" musste.

So unspektakulär wie das Tageslicht verschwunden war, kam es zurück. Um sechs der Wechsel zu Jörg und nochmal 2 Stunden Pause. Was essen und ab in den Schlafsack, die Erschöpfung wird spürbar, zähneklappernd schlotter ich mich in einem Powernap, bin nach ner Viertelstunde wieder fit und starte in meiner nächsten Schicht nochmal richtig durch. In den Morgenstunden überrunde ich auch unsere Konkurrenz in der Duoklasse ein ums andere Mal, initiiere Gruppen und dominiere sie - meine letzten beiden Runden bin ich komplett von vorne gefahren, und bringe dabei nen 33er Schnitt auf die Piste.

Apropos 33er Schnitt, meinen Respekt vor den Easy Riders 2014, die den 33er Schnitt über 24 Stunden ins Ziel gebracht haben. Daran war dieses Jahr nicht annähernd zu denken. Ok, die waren 3 und wir waren 2, die hatten weit weniger Wind, aber trotzdem. Immerhin konnte ich auf meinen letzten Runden mal das Gefühl genießen, wie sich ein 33er Schnitt anfühlt. Hat richtig Laune gemacht, jetzt hätte man noch ein bisschen weiterfahren können. Aber die Uhr ist erbarmungslos, nach 24 Stunden ist Schicht, Ausführungsrunde mit allen Teams und dann gemeinsam durchs Ziel fahren.

Ja, und dann zur Siegerehrung, aber kriegen wir wirklich was? Kaum zu glauben. Zum Glück kenne ich die Drittplatzierten in der Duowertung, von der Strecke. Als die aufgerufen wurden war klar, wir dürfen auch, aufregend, steile Metalltreppe, Händeschütteln, Gridgirls im engen Outfit küssen, Pokal entgegennehmen, und dann Sektdusche. Gar nicht so einfach, wenn man nicht will dass die Korken fliegen dann klappts bestimmt, aber so auf Ansage, vor Publikum. Geile Sache, zweiter Platz, auch wenn es nur drei Duos gab, aber wen kümmerts, muss man trotzdem erstmal nach Hause fahren.


Gruppenbild der Easy Riders mit Pokal und Sekt, Tarzankurve im Hintergrund.

Nach Hause gings dann auch, nach einem wirklich rundum gelungenen Wochenendausflug der Easy Riders. Auch logistisch extrem gut, sehr diszipliniert an den Plan gehalten und durchgezogen. Und das ohne Begleitpersonal, nur Jörg und ich. Wir haben auch das Onlinetracking des Veranstalters nicht genutzt, uns mit Zeichensprache an der Strecke verständigt, um uns auf die Wechsel vorzubereiten, hat alles perfekt geklappt. Zu Hause habe ich dann noch bis sieben durchgehalten, bevor ich dann aus den Latschen gekippt bin, 11 Stunden Schlaf, und die Welt war wieder in Ordnung. Nächstes Jahr wieder? Muss eigentlich schon sein, damit wir noch nen zweiten Pokal holen und jeder einen zu Hause stehen hat.


Ein paar Zahlen zum Abschluss. Das sind meine (inoffiziellen = eigener Tacho) Rundenzeiten; der grüne Balken der den Wechsel anzeigt ist auch gleichbedeutend mit der Pause bis zum nächsten Wechsel. Die letzte Runde vor jedem Wechsel war in den meisten Fällen die langsamste, begleitet von niedrigen Pulswerten. Offensichtlich sind auch die vergleichsweise niedrigeren Pulswerte in den letzten Runden. Beeindruckt hat mich die Konstanz in der Nacht, wie ein Schweizer Uhrwerk habe ich Runde für Runde abgespult. 


Und noch ein paar Zahlen, dieses Mal die offiziellen Rundenzeiten für Jörg und mich. Die erste Runde jedes Runs ist langsam, weil hier die Boxenzeit mit drin ist. Der massive Peak um Runde 65 bei Jörg ist auf das Entfernen einer Papierluftschlange zurückzuführen, die sich im Schlatwerk verfangen hatte. Die beiden Peaks in meinen Runs (um Runde 75 und 115) sind auf Pinkelpausen zurückzuführen - es war einfach nicht warm genug für mein gewohntes Trinkpensum...




Zusammenfassung:

Henning Jörg
Runden 84 82
Gesamtzeit 12:17:34 11:43:33
Rundenmittel 08:46,8 08:34,8
km 361,79 353,17
km/h 29,43 30,14






Montag, 25. Mai 2015

Extrem hoch zwei in der Rhön - Höhepunkte am laufenden Band

Ich glaube man findet in Deutschland keinen anspruchsvolleren Radmarathon als den Rhön Radmarathon, was die Höhenmeter und die Dichte derselben betrifft: in der Extrem hoch zwei Variante gilt es 4.800 zu klettern, auf 248 km. Da findet man selbst in den Alpen nicht so viel mehr (z.B. der Ötzi hat 5,500 Höhenmeter). In der Rhön verteilen sich die Höhenmeter auf 6 große Berge und etwa 11 'kleinere' Anstiege. Aber auch dazwischen gibts noch den einen oder anderen Hügel, eine wahre Achterbahn (siehe die Übersicht am Ende des Beitrags, und natürlich das Höhenprofil auf der Website des Veranstalters).

Start war am Pfingstsonntag (wie immer) um 6 Uhr in der Früh. Ein paar Minuten vorher finde ich Jörg im Festzelt, gerade noch rechtzeitig um pünktlich aufzubrechen. Hätte ein paar Grad wärmer sein können, aber ansonsten perfektes Radfahrwetter, kein Vergleich zum letzten Jahr, wo sich der Tag zu einem Tag mit Rekordhitze entwickelt hatte. 

Die erste Stunde gehts quasi wieder zurück nach Hause: drei Anstiege auf dem Weg nach Neuhof, nur ein paar Kilometer von meinen Eltern entfernt. Ungewohnt war das, mal wieder auf richtigen Straßen zu fahren, wo man in Holland genügend Radwege und einsame Straßen zur Auswahl hat, über die man die Radfahrer schicken kann. 

Immerhin 638 Höhenmeter sind bis zur ersten Kontrolle nach 42 km schon absolviert, und das mit nur 'kleineren' Anstiegen, z.B. 100 Höhenmeter auf 3 km. Leider ist die Kontrolle nicht mehr in den Rhön-Sprudel Hallen, das war immer ziemlich cool, aber vermutlich nicht genug Platz für die Meute, die sich auf dem Weg durch die Rhön befindet.

Zwischen Kontrolle 1 und 2 warten die ersten drei der großen Bergwertungen, insgesamt 1.171 Höhenmeter sind auf den 47 km bis Bischofsheim zu überwinden. Los gehts mit der Ebersburg: was den Ardennen ihre Redoute ist der Rhön die Ebersburg. Vielleicht nen Tick flacher, aber statt 50 km vor dem Ziel zieht sie einem schon 50 km nach dem Start den Zahn - wenn man darauf nicht vorbereitet ist. Mir ging es heute ziemlich gut dort hoch, Jörg weniger und so verliere ich ihn.

Die Wasserkuppe ist ein schöner Anstieg, lang, aber gleichmäßig und nur mäßig steil, macht Spaß. Genau wie die Abfahrt, auf breiten und guten Straßen kann man es richtig krachen lassen. Dann gehts zum ersten Mal auf die Hochrhön, leider nicht via Schwedenschanze, die mir persönlich sehr gut gefällt. Die Abfahrt nach Bischofsheim ist geblieben, vorbei an alten Erinnerungen aus der Studentenzeit. Kontrolle 2 wartet in Bischofsheim, und ich muss nur 3 Minuten warten bis Jörg wieder aufschließt. Im gehts nicht so gut, aber er will es weiter versuchen.

Bei phantastischer Kuchenauswahl kann man sich gut stärken, dazu das gesamte Angebot an Sportgetränken aus dem Hause Rhön Sprudel, toll. Auf den folgenden 20 km kann man richtig Gas geben. In einer guten Gruppe geht es zügig das Überführungsstück bis zum nächsten großen Berg. Wir sind wieder auf Kurs, d.h. Schnitt über 25 km/h, was uns in weniger als 10h Gesamtfahrzeit zurück nach Bimbach bringen sollte. 

Den zweiten Anstieg zur Hochrhön Richtung Rotes Moor bin ich noch nie gefahren, sehr schöner Berg, mäßig steil, ein paar Serpentinen. Dazu sieht man jetzt immer mehr bekannte Gesichter um sich herum. Beim philosophieren über die letztjährige Hitzeschlacht und weitere mögliche Anstiege, die die Organisatoren in den Kurs hätten einbauen könnten vergeht die Zeit wie im Flug. Auch Jörg kann jetzt gut mithalten am Berg, es geht ihm langsam besser, toll.

In Fladungen wartet dann die Warmverpflegung, Nudeln mit Tomatensoße und/oder Gulaschsoße. Prima Sache, kostet nur leider viel Zeit, aber dazu später mehr. Endlich ist es jetzt auch warm genug, dass Armlinge und Windweste im Trikot verschwinden können. Dann gehts auf zur dritten und letzten Hochrhönbesteigung, auf zum Schwarzen Moor. Schwarz ist aber nicht nur das Moor, sondern auch der Himmel, es wird doch wohl nicht...doch es wird, es fallen die ersten Tropfen während wir uns nach oben arbeiten. Oben wird die Weste wieder ausgepackt, um zumindest oben rum auf der Abfahrt einigermaßen trocken zu bleiben. Für die Füße gibts kein Pardon, Kneippkur inklusive. Im Tal angekommen wird die Straße aber plötzlich von einem Meter zum nächsten furztrocken, kein Regen mehr, na wer sagts denn.

Der letzte große Berg ist der Ellenbogen, durch Frankenheim insgesamt 9 km bergauf. Und ich erinner mich, der ist unangenehm, nur warum. Die Straße ist es, schlecht und rau, rollt nicht gut, was auch bergauf die Sache nicht leichter macht. Und plötzlich ist Jörg vorne und fährt mir weg, ist halt doch ein Langstreckler, nach 150 km hat er sich gefangen. In Kaltensundheim kommt dann die Sonne raus, es wird richtig warm, Thüringen...

Das Stück zwischen der Kontrolle in Kaltensundheim und der in Gotthards wird mir von Jörg als ziemlich hart versprochen, obwohl das Streckenprofil das nicht wirklich hergibt. Aber ich muss ihm Recht geben, 5 mal geht es hoch und runter, zum Teil ziemlich steile Dinger die hier eingestreut sind. Da schmeckt die Bockwurstsemmel in Gotthards gleich nochmal so gut. Nur Jörg drängt etwas, mit Blick auf die Uhr, warum eigentlich. Ok, vom 25er Schnitt sind wir mittlerweile ein ganzes Stück weg, aber so schlecht sind wir nun auch nicht unterwegs. Aber wir haben uns offensichtlich an den Kontrollen zu viel Zeit gelassen, und wir dürfen den Kontrollschluss an der Streckenteilung zur Milseburg nicht verpassen, wollen wir uns als Extrem-Hoch-Zwei-Bezwinger in die Geschichtsbücher schreiben lassen.

Ein giftiger Anstieg steht noch im Weg, dann gehts links weg und Richtung Milseburg. Was einem da ins Auge springt ist wenig ermutigend: die nächsten 1.000 m geht es steil und schnurgerade hoch in den Wald. Hat man sich an den Anblick gewöhnt, steht ein Schild der Organisatoren am Straßenrand: "Viel Spaß :-)" - hahaha. Etwa viertel nach vier sind wir dann oben, letzte Bergwertung, von hier gehts jetzt wirklich (fast) nur noch bergab. Die schnellsten waren etwa 3 Stunden vor uns hier oben, müssen das Ding mit nem Schnitt von >30km/h gefahren sein, irre.


Easy Riders am letzten Gipfel des Tages, die Milseburg im Hintergrund und ab zurück nach Bimbach.


Große Wegweiser in knalligen Farben - keine Chance sich zu verfahren. Selbst oben an der Milseburg sind zwei davon angebunden, obwohl man hier auch ohne Schild wenig verkehrt machen kann, zumal ja auch noch ein Kontrollposten der Organisatoren vor Ort ist.

In Margretenhaun gibts Krombacher alkoholfrei, super, schöne Abwechslung. Nicht dass die Isogetränke schlecht sind, aber die Vielfalt machts. Bei mir läuft es mittlerweile auch wieder richtig gut. Ich habe mal wieder einen Tag mit 'zweiter Luft' erwischt, ein Energieschub am Ende. Mit Druck kann ich die 'Bodenwellen' auf dem Weg nach Fulda nehmen. Im Finale nach Bimbach gebe ich nochmal Gas, versuche mich von der Gruppe abzusetzen. Gelingt nicht wirklich, aber zumindest kann ich die letzten Kilometer mit freiem Blick nach vorne genießen. Und auch den Schnitt haben wir jetzt wieder nach oben gepäppelt, verpassen die 10 Stunden nur um knapp 10 Minuten. Glücklich und zufrieden erreichen Jörg und ich das Ziel dann gemeinsam, wie schon in Oslo. 

Im Ziel gibt es dann reichlich Trophäen, die man alle zusammen eigentlich an die Organisatoren übergeben sollte. Dieser Radmarathon ist großartig, extrem hoch zwei was die Strecke betrifft, extrem hoch zwei aber auch in punkto Organisation: das fängt bei der perfekten Beschilderung an und hört bei der tollen und abwechslungsreichen Verpflegung noch lange nicht auf. Das alles für 45 Euro und dazu noch ein Funktionsshirt als Geschenk ist phantastisch, value for money at its best. Chapeau RSC Bimbach!!!

Trophäensammlung nach einem langen Tag in der Rhön: Startnummer (links), Kontrollkarte (Mitte), Urkunde (rechts), Medaille (das 'X' mit Band) und Funktionsshirt (grüner Hintergrund) - mehr geht nicht.
Zwischenwerte auf dem Weg durch die Rhön: je mehr Höhenmeter desto langsamer, je länger unterwegs desto langsamer, und dann ein schnelles Finale - so kann man das wohl ganz gut zusammenfassen. 

  • Bis Kontrolle 1 (Lütter) - 41,5 km / 1:26:12 / 28,8 km/h / 638 Höhenmeter
  • Bis Kontrolle 2 (Bischofsheim) - 47,4 km / 2:03:03 / 23,1 km/h / 1.171 Höhenmeter
  • Bis Kontrolle 3 (Fladungen) - 43,1 km / 1:39:41 / 25,9 km/h / 751 Höhenmeter
  • Bis Kontrolle 4 (Kaltensundheim) - 35,6 km / 1:40:50 / 21,1 km/h / 832 Höhenmeter
  • Bis Kontrolle 5 (Gotthards) - 28,6 km / 1:16:15 / 22,5 km/h / 605 Höhenmeter
  • Bis Kontrolle 6 (Margretenhaun) - 24,9 km / 1:08:46 / 21,7 km/h / 564 Höhenmeter
  • Bis Ziel (Bimbach) - 27,2 km / 0:54:59 / 29,6 km/h / 281 Höhenmeter