Sonntag, 28. April 2013

Sonne und Meer – mit dem FTC Westland ans Braassemermeer

Na bitte, es geht doch. Am 28.4. um 8:30 herrscht bei strahlendem Sonnenschein (aber kühlen 5°C) Hochbetrieb im Velo Sportcomplex in Wateringen (gehört zu den Haag, südlich des Stadtzentrums gelegen, 8km von unserer Wohnung weg). Kein Vergleich zur Situation beim TV Zoetermeer eine Woche vorher. Zwei Euro in die Kasse, kein Formular ausfüllen, erneut keine Startnummer, aber dann geht’s los. Angeblich gibt es Pfeile, ein Quadrat kennzeichnet den jeweiligen Richtungspfeil. 

Ich schließe mich einer 10er Gruppe an, die zügig Fahrt auf nimmt. Radwege, links, rechts, Bremsen, Kreuzung, Brücke, Unterführung, kurz raus auf die Straße, dann wieder auf den nächsten Radweg….und das ganze bei 30-35 km/h. Von der Umgebung bekomme ich nix mit, volle Konzentration, aber macht Spaß. Rote Ampeln sind übrigens nichts weiter als farbige Lampen am Straßenrand, nicht dazu da die rennradelnde Gruppe zum Halten zu zwingen, sehr ungewohnt, beängstigend.  An der Vliet wird es ruhiger, was die Streckenführung betrifft, für einige Kilometer keine Richtungswechsel. Dafür geht der Speed hoch, konstant 37-40km/h. Mal schaun wie lange ich das mitmache. Nach ner Stunde haben wir nen 33er Schnitt im Kasten, und ich lasse reißen, zu schnell. 

Ich entdecke die ersten Richtungspfeile, es gibt sie, mit Kreide auf die Straße gemalt. Ein Glück regnet es nicht. Eine Kreuzung ist dann aber doch unbeschildert. Während ich mich mit dem kartenlosen Tourenplan versuche zu orientieren, kommt eine weitere Gruppe. Keine Ahnung ob die auf der gleichen Runde sind (Rennradgruppen gibt es alle Nase und keiner hat eine Startnummer), egal, ich fahre hinterher. Aber sie sind auf der für mich richtigen Runde und fahren ein gutes Tempo, 31er Schnitt, nur führen kann ich nicht, weil ich mich sonst verfahren würde. Die Vorwarnzeit bei Kreidepfeilen auf der Straße ist einfach zu kurz.

Die Strecke um das Braassemermeer ist toll, ein großer See, und wir mit dem Rad immer drumherum, schön. Dann gibt’s sogar eine Pause, allerdings nicht mit der gewohnten Verpflegung wie bei deutschen RTF. Man setzt sich in ein Fietscafe, trinkt Kaffee, isst vielleicht nen Kuchen – für ein gemütliches Kaffeekränzchen ists mir doch zu kühl, fahr ich lieber weiter. Und es dauert dann tatsächlich eine knappe Stunde, bis mich meine ersten Weggenossen nach Kaffee und Kuchen wieder eingeholt haben. Ich versuche mitzuspringen, und gebe nach 2km auf, zu schnell. Die nächste Gruppe gefällt mir besser, und zügig geht’s zurück Richtung Den Haag. Auf den letzten Kilometern zerbröselt dann das Feld, anscheind fährt jeder jetzt auf eigene Kappe nach Hause. Das mache ich dann auch, fahre nicht bis zum Ziel sondern durch die großen an Den Haag angrenzenden Parks zurück zur Nordsee und dann nach Hause.

Fazit: Das heute hat doch Mut gemacht, und Lust auf mehr (und Meer, denn von diesen großen Binnenseen gibt es hier ne ganze Menge). Organisiertes Radfahren in größeren Gruppen gibt es tatsächlich auch im regelmäßigen Betrieb. Das ganze zwar ziemlich einfach organisiert und ziemlich formlos, aber wozu braucht es immer den ganzen Papierkram etc. Und die Strecke hat mir auch gefallen. Ich komme wieder, keine Frage…

Samstag, 20. April 2013

Henning allein unterwegs – die erste Toertocht des Jahres

Nach dem Amstel Gold Race musste ja mal irgendwann die erste richtige Toertocht aus dem NTFU Kalender ausprobiert werden. NTFU steht für Nederlandse Toer FietsUnie und eine Toertocht sollte sowas wie die RTF in Deutschland sein, Radtourenfahrten für Rennradler, sportlich schnell absolviert. 

Die Geestgrondentocht des TV Zoetermeer `77 sollte also die Premiere sein. Fünf Strecken stehen zur Wahl, von 40 bis 165 km. Klingt ganz vernünftig. Start ab 8 Uhr am 20. April, ab Clubhaus des TV Zoetermeer. Halbe Stunde Tram bis Zoetermeer, und dann bin ich da, frische 3°C oder so, strahlender Sonnenschein, das wird ein toller Tag. Im Clubhaus kurz vor 8 versammeln sich keine 10 Hanseln, was ist denn das. Nach der Registrierung gibt ne Tasse Tee gratis, man bemüht sich mit mir in Englisch zu kommunizieren. 

Ich fahre dann 20 nach 8 alleine los, angeblich gibt’s Richtungspfeile, um die Strecke zu kennzeichnen. Zum Glück habe ich 2 Tage vorher noch per Zufall die gpx Tracks der Routen gefunden und sie mir am Morgen noch aufs Dakota geladen. Schon nach 500 m schalte ich das Ding ein und sehe den ganzen Tag keine Richtungspfeile. Ich sehe außerdem keine weiteren radelnden kollegen, die die gleiche Strecke fahren. Könnte sie auch gar nicht erkennen, weil Startnummern gabs keine, wir fahren alle inkognito. Ich folge also brav meinem GPS, bis Den Haag und weiter nach Katwijk kenne ich die Strecke. 

In Scheveningen biege ich auf den Dünenradweg ein, und muss leider feststellen, dass der Wind über Nacht wieder gedreht hat, und mir fröhlich ins Gesicht pustet, herrlich, aber egal. In Katwijk, wo die erste Streckenteilung erfolgt, steht auch kein Schild, ja wie soll man sich denn hier zurechtfinden, ohne GPS? Ok, die Organisatoren haben einen sehr detaillierten Streckenplan auf Papier mitgeliefert, aber den beim Fahren zu lesen und umzusetzen, wie soll das gehen? So langsam schwindet auch die Hoffnung, dass es irgendwo eine Verpflegungsstelle gibt, ja wofür habe ich eigentlich die 3 EUR bezahlt? Das heisst dann aber auch, ich muss mir überlegen, wie ich hier über die Runden komme. Gut ich habe 2 volle Flaschen und ein paar Riegel mit, das sollte ne Weile reichen. 

In Nordwijk treffe ich den angekündigten Blumenkorso, da muss man erstmal drumherum und dann mittendurch. Kurz hinter Zandvoort verfahre ich mich kurz, und entscheide mich dann dieses Verfahren konsequent fortzuführen und die Runde abzukürzen. Ich bin ja eh alleine, es gibt keine Beschilderung, keine Verpflegung, das hätte ich auch privat haben können. Und außerdem muss ich ja auch noch wieder zurückkommen. Bis hierher war es verdammt langsam, 24er Schnitt. Soll mal einer kommen und sagen, dass es in Holland doch platt ist und man ordentlich Gas geben kann….Radwege sind toll, aber auch sehr winklig. Außerdem geht es in den Dünen ständig hoch und runter. Wenn man das Ganze noch bei Gegenwind macht, dann fühlt sich das an wie Dauerbergfahren. Dafür geht es zurück zum Teil deutlich schneller, auf freier Strecke bei Rückenwind kann man richtig auf die Tube drücken, 35-40km/h, kein Thema, streckenweise auch mal 50km/h. 

Vorbei an Blumenfeldern geht es zum Keukenhof, Touri-Ansturm hoch drei. Dann das zweite Mal Blumenkorso, das kostet Zeit, warten, Umweg. In Katwijk verlasse ich dann die Toertocht-Route und wende mich gen Heimat. Dann habe ich wenigstens noch was vom Tag. Am Ende stehen 122 km auf der Uhr, und das hat sich sehr gut angefühlt, Form wird besser. Auch die Runde war sehr schön, tolle Strecke, wie immer sehr verkehrsarm, werde ich mir merken. Jetzt muss ich nur noch verstehen, welche Toertocht tatsächlich auch als organisierte Veranstaltung zu verstehen ist und nicht nur eine Art Alibi mit ein paar Hanseln ohne Startnummer. Nächste Woche ist das nächste Mal Gelegenheit dazu.

Sonntag, 14. April 2013

Amstel Gold Race 2013 – Von Saubären und Sauberen

Das war sie nun, meine erste Toertocht in Holland, und dann gleich das Amstel Gold Race, was für ein Start. Als ich mich allerdings für eine Startnummer beworben habe (ja, das muss man, und wenn man Glück hat wird man ausgelost), habe ich gedacht mich für ein Jedermannrennen zu bewerben. Deswegen habe ich mich auch für die 100 km entschieden, ein Rennen im April über die volle Distanz von 250 km ist dann doch etwas viel. Als ich dann die Startunterlagen bekomme, wird mir erklärt dass es kein Rennen ist, man sich an die Straßenregeln halten muss, man bis 19 Uhr Zeit hat ins Ziel zu kommen. Jetzt bin ich verwirrt, was ist denn das jetzt, was habe ich da eigentlich eingekauft für nen knappen Fuffi? Wenn es eher ein Radmarathon ist, hätte ich auch ne längere Strecke buchen können.

Die Anmeldung am Vorabend des „Race“ bringt wenig Klarheit, nur soviel, die Zeit wird wohl gemessen, weil meine Startnummer fürs Rad nen Chip hat. Startzeit ist von 7-11 Uhr. Ich entscheide mich für einen frühen Start, damit ich mit meiner Familie noch Valkenburg unsicher machen kann. 7 Uhr und 100 km – da bleibt der volle Samstag noch für die Familie. Nur die Wettervorhersage spielt nicht wirklich mit: 13.4.2013, 5 Uhr, es regnet, und soll auch den Rest des Tages schauerlich weitergehen, angeblich. Gut das ich mir das nur 100 km antun muss und wir am Nachmittag die Höhlen von Valkenburg erkunden wollen, da kann es regnen wie es will (tut es dann aber nicht…sondern es entwickelt sich der erste Frühlings-Nachmittag des Jahres).

Um 7 Uhr beginne ich so langsam zu verstehen, wie die hier an diesem Tag 12.000 Hobbyradler durchschleusen wollen. Das Startverhalten was ich von deutschen Radtourenfahrten / Radmarathons und auch den Radmarathons in den Alpen kenne findet hier nicht statt. Kleingruppen tröpfeln es dem grauen Himmel gleichtuend auf die nasse Strecke, kein Massenstart eines Riesenfeldes. Eigentlich sehr vernünftig, weil man so zumindest einen einigermaßen geregelten Autoverkehr ermöglichen kann. Am Geulhemmerberg nach knapp 3 km schließe ich mich einer ersten Gruppe an, mit einem Berliner Trio fühlt man sich wie zu Hause. Über schlammige Wirtschaftswege geht es im Zickzackkurs nach Maastricht und wieder hinaus. Schnell fahren kann man so nicht, das ist kein Rennen, das ist eine stinknormale Radtourenfahrt (Tourtocht in Holland), mit Zeitnahme, warum auch immer, Geldschneiderei vielleicht…..egal.

Nach ner halben Stunde kommt ne schnelle Gruppe von hinten, ich eingekeilt am Straßenrand, super. Zum Glück reißen die 3 Berliner eine Lücke und ich kann mitspringen, endlich fühlt sich das an wie Radfahren, cool. Am Maasberg muss ich beißen, Kopfsteinpflaster, bäh, kurz reißen lassen. Am Adsteeg bin ich wieder voll dabei, läuft gut. Mittlerweile seh ich aus wie Sau, mein Rad auch, eher wie ein Crossfahrer. Nach knapp 2 Stunden die erste und einzige Verpflegungskontrolle, leider. Erstens hätte ich keine gebraucht, zweitens war es sehr eng, und drittens war ich danach alleine, was zu befürchten war, keine Gruppen mehr. Dafür merke ich jetzt den Wind, der auf den restlichen knapp 50 km überwiegend von vorne weht. Und ich beginne zu merken, dass ich dank Umzug nach Den Haag kein Wintertraining hatte, und dank neuerlichem Wintereinbruch im März auch ein ziemlich lausiges Frühlingstraining hatte: kommt mal ne Gruppe, kann ich sie nicht halten, meine Form lässt zu wünschen übrig. So sinkt mein Stundenmittel, aber immerhin kann ich jetzt die Landschaft genießen. Der Fromberg ist cool, schöne Steigung, schöne Aussicht, ganz nach meinem Geschmack.

Kurz vor Valkenburg dann die Überraschung: blaue Tour (100 km) links abbiegen, alle anderen geradeaus. Ich mache das, und bin jetzt ganz allein. Während ich zuvor zumindest noch Radler gesehen habe, sind die wohl alle weitergefahren. Aber ich bin richtig, wenig später die Zeitmessung Sibbergrubbe. Versteh ich nicht, egal, so kann ich wenigstens in vollen Zügen die Anfahrt zum Cauberg genießen, und dann auch die Auffahrt. Hier ist keiner, ja was macht denn der Rest? Darüber nachdenken kann ich erstmal nicht, der Cauberg muss bezwungen werden, fieses Ding, steil, und lang, und die Profis müssen hier 4x hoch, uff. Oben dann noch 1,8 km bis in Ziel. Und da steh ich dann, wo muss ich hin? Die Leitgitter werden gerade aufgebaut, auch die Medaillenkisten werden gerade erst hingestellt, wo ich mein Deposit bekomme, kann mir keiner sagen. Ich wäre erst der Zweite der hier oben aufschlägt, so früh hat man nicht mit Finishern gerechnet. Ja was ist denn das für ne Planung: wenn man ab 7 starten darf, darf man ja wohl auch ab 10 wieder im Ziel sein. Verwundert schau ich mir das Treiben ein wenig an, wechsel noch kurz ein paar Worte mit meinem Leidensgenossen, der als Erster hier reingerollt ist, dann wird es kalt und ich fahre runter nach Valkenburg.

Noch ist es lange nicht 11 Uhr, und ich beginne zu verstehen, was hier passiert: die anderen Herrschaften haben alle ausgeschlafen, gemütlich gefrühstückt und sind dann aufs Rad gestiegen, und kommen mir jetzt entgegen, aus dem Startkorridor. Und als ich um 13:00 Uhr mit Familie das nächste Mal am Cauberg bin, um die Grotten zu besichtigen, ist der Cauberg von Radfahrern komplett bedeckt, irre. Und am Abend kann man schön erkennen, wer früh gestartet ist und wer nicht: die Saubären mit den dreckigen Rädern waren schon am frühen Morgen unterwegs, während die Sauberen erst aufs Rad gestiegen sind, als der Regen aufgehört und die Sonne die Straßen getrocknet hat. Letztenlich war es eine tolle Sache, auf dem Profikurs den Hobbyradlern eine offizielle Bühne zu geben, hat großen Spaß gemacht. Nächstes Jahr bewerbe ich mich für ne Langstrecke und fahr dann auch die anderen Hügel, die die Profis unter die Räder genommen haben.

Schlussakkord des Cauberg aus der Froschperspektive, schon steil....


  Am frühen Nachmittag des 13.4. war hier Hochbetrieb, um 10:30 war ich hier noch allein....
 






Und während draußen die Massen den Cauberg hochstampfen, schau ich mir in Stein gemeißelte Urzeitviecher in den Gemeindehöhlen an.

Samstag, 2. März 2013

Holland für Radfahrer – erste Eindrücke

Die Niederlande sind ein Fahrradland, das dürfte nicht überraschen. Was das allerdings im Alltag heisst und bei der sportlichen Betätigung auf dem Rad, war und ist für mich sehr spannend. Seit Mitte Januar durchkreuze ich Den Haag auf dem Weg von Bloemenburt (Wohnung) zur Nationalbibliothek (Arbeit). Der Fahrradverkehr in der Stadt ist beeindruckend, und das in mehrerlei Hinsicht. Erstens, sind verdammt viele Radfahrer unterwegs. Und obwohl sich viele von ihnen ziemlich viele Rechte nehmen und die Verkehrsregeln (z.B. rote Ampeln) ziemlich locker interpretieren, tolerieren zweitens die Autofahrer das große Gewusel. Es gab schon oft Situationen, die in Deutschland ein gnadenloses Hupkonzert und wüstes Geschimpfe auf beiden Seiten provoziert hätten. Und hier, nichts dergleichen, faszinierend. Drittens, sieht man kaum behelmte Radfahrer, was auch für Kinder gilt. Da haben die Firmen Bell, Giro und Co einen echt schlechten Stand, warum auch immer. Viertens, haben Radfahrer praktisch freie Straßenwahl. Radwege gibt es fast überall. Große Straßen haben sogar auf beiden Seiten Radwege die in beide Richtungen benutzt werden dürfen. Und im Innenstadtbereich dürfen Radfahrer die allermeisten Einbahnstraßen auch gegen die Fahrtrichtung nutzen. Was für Autofahrer ein echter Alptraum ist, weil man in dem Straßengewirr kaum einmal der Direttissima folgen kann, klappt für Radfahrer ohne Probleme, echt cool.

Auch der Überlandverkehr mit dem Rad ist faszinierend. Radwege und Fahhradstraßen gibt es fast überall. Das ist zwar zunächst gewöhnungsbedürftig, weil ich in Deutschland um Radwege einen großen Bogen gemacht habe und die Straßen bevorzugt habe. Hier in Holland muss das aber nicht sein. Manchmal ist es zwar sehr winkelig und offensichtlich eher für den Tourenradler als für den sportlich ambitionierten Radler konzipiert, aber die Autofreiheit macht es allemal wett. Es gibt Straßen da trifft man für Kilometer kein Auto. Ganz zu schweigen von den Radautobahnen durch die Dünen: z.T. perfekter Asphalt durch fantastische Landschaft und immer hoch und runter, ziemlich geil – anders kann man das fast nicht beschreiben. Ein kleines Problem auf dem Papier scheint die Orientierung zu sein, weil man sich in dem Gewirr an gut ausgebauten Wegen nicht so ohne Weiteres zurechtfindet. Da bin ich dankbar mein Dakota zu haben, das mir speziell jetzt am Saisonanfang einiges an Umwegen spart, und es mir so erlaubt meine Kräfte sinnvoll einzuteilen. Aber auch wenn man kein GPS hat, kann man sich auch auf die hervorragende Beschilderung verlassen. Außerdem gibt es ein dichtes Netz an nummerierten Radrouten, die auch häufig von fest installierten Karten am Straßenrand begleitet werden. Verfahren wird nicht wirklich leicht gemacht.

Zum Thema Orientierung noch eine Ergänzung: für die Tourenplanung gibt es hier nicht nur Radkarten auf Papier. Auch das Internet bietet erstaunliche Möglichkeiten, die mir aus Deutschland (Berlin) nicht bekannt sind. Unter http://www.fietsersbond.nl/fietsrouteplanner/ kann man sich seine eigenen Routen zusammenbasteln und anschließend aufs GPS Gerät übertragen – kostenlos.

Zusammenfassend muss ich bisher sagen, dass mich Holland überrascht, und ich sicher noch eine Weile brauche, um mich komplett daran zu gewöhnen. Die Rückgewöhnung an deutsche Verhältnisse könnte dagegen weit schwerer werden, wenn das jemals wieder zur Debatte steht. Holland ist tatsächlich ein echtes Fahrradland, wo den nichtmotorisierten Zweirädern nach meinen bisherigen Eindrücken der Respekt entgegengebracht wird, den sie verdienen. Hier können sich v.a. deutsche Autofahrer nicht nur eine Scheibe abschneiden.

Sonntag, 16. September 2012

Oranke Open – Triathlon Integrale

Mein erster und einziger Triathlon 2012, und dann gleich auf Platz 11....bei einem Fun-Triathlon, Platzierungen sind Schall und Rauch, es gibt noch andere Werte. Am Oranke See versammeln sich an diesem kühlen aber trockenen 15. September Familien mit Kindern, behinderte Menschen und einige wenige ambitionierte Sportler um gemeinsam einen Triathlon zu bestreiten die Oranke Open. Zwei Distanzen sind im Angebot, jeweils als Einzelstarter oder Staffel zu absolvieren, Open Competition (100m – 3km – 1 km) und Open Race (250m – 4,5km – 1km).

Ich gebe mir die „Langdistanz“. Start ist vom Strand und eigentlich war das Rennen für mich schon nach 50m rum – ich stecke im Stau. Hier geht es nicht um Platzierungen, hier geht es um gemeinsam Sport treiben und in das Abenteuer Triathlon reinschnuppern. Aus dem Stau gibt es kein Entrinnen, zumal kurz vor der ersten Boje noch Wasserpflanzen die Schwimmer ärgern und das Fortkommen erschweren – hier muss mal gründlich gemäht werden. So entschwindet die Spitze des Feldes während ich dem Wasser entsteige. Auf dem Rad kann ich dann aber doch Boden gutmachen, auch wenn die Strecke nicht gerade zum Rasen einlädt: über Kopfsteinpflaster geht es in einen Park mit Schotterwegen und einem Hügel, überall Straßenbaustellen und natürlich jede Menge Kinder, die bei den Staffeln die Radstrecke übernehmen. Ein Idiot will es trotzdem wissen, und schreit die Kids im Park zusammen, damit er Platz hat zum Rasen – da will wohl doch jemand gewinnen. Die verschreckten Kids müssen sich dann im Ziel trösten lassen, weil sie gar nicht verstehen, was der Kerl da wollte.

Die Laufstrecke führt dann einmal um den Oranksee. Schon nach 200m gehen die Schnürsenkel meiner neuen Schuhe auf, erst der eine, dann zubinden, dann der der andere und wieder der eine. Nass halten die also gar nicht gut, muss ich feststellen. Ich habe heute mal etwas ausprobiert, und mich kaum abgetrocknet und die Füße barfuß in die Schuhe gesteckt – wechseln will beim Triathlon ja auch geübt sein. So laufe ich 800m mit offenen Schuhen um den See, ständig darauf bedacht nicht auf die Schnürsenkel zu treten und der Länge nach in den Park zu klatschen. Wirklich schnell laufen kann man so nicht. Egal, Spaß hats trotzdem gemacht, und ein guter Materialtest war es noch dazu.

Als Fazit bleibt festzuhalten, dass man den Veranstalter nur beglückwünschen kann, einen Fun-Triathlon für wirklich Alle ohne Teilnahmebeitrag anbieten zu können, ganz ganz toll. Wer hier seinen Spaß hatte, macht dann vielleicht auch mal einen richtigen Triathlon. Ich hoffe, dass die Sponsoren und die vielen vielen Helfer auch in Zukunft ihre Unterstützung geben, damit die Oranke Open bestehen können.

Montag, 10. September 2012

Mit Semper ins Urstromtal


Für das Wochenende 8./9. September hat der BRC Semper nach Marzahn geladen, 2 RTF Veranstaltungen, inkl. Radmarathon. Der war mir allerdings doch zu lang, sodass ich mich für die Tour zum Urstromtal am Sonntag entschieden habe, eine hervorragende Wahl. Das fing schon mit dem Wetter an, phantastisch, angenehm warm, sonnig, toll. Los gings kurz vor neun Uhr und ich war gleich in einer schnellen Gruppe die ordentlich Tempo machten, und sich in Buch prompt verfahren hatte. Nach einer kleinen Extraschleife hatten wir das Feld wieder vor uns. Auf winkeligem und schönen Kurs ging es Richtung Wandlitz, muss ich mir merken, schöne Strecke, die ich so noch nicht kannte.

Dann ging es allerdings auf den Radweg nach Uetzdorf, vorbei am Liebnitzsee. Mutige Entscheidung, die große Gruppe über den Radweg zu schicken, zumal wir gerade dabei waren, die anderen wieder zu überholen. Mitten durch den Wald musste man höllisch aufpassen, dass nix passiert. Nach Uetzdorf begann sich alles neu zu formieren, und ich landete in einer Gruppe Trimmfahrer, was nicht immer eine glückliche Fügung ist. Heute war es das aber, die Gruppe ergänzte sich prima, harmonierte gut, sammelte hin und wieder neue Fahrer ein oder velor ein paar, aber im Wesentlichen arbeitete sie gut zusammen, bis zum Ende. Das ist nicht selbstverständlich, zumal die Streckenführung nicht einfach war. Nach der Passage des Werbellinsees ging es nach Eberswalde und von dort über die Berge nach Hohenfinow.

Das Stück nach Dannenberg war eklig wie immer, aber in der Gruppe trotzdem erstaunlich gut zu fahren. Nach Kruge begannen die Organisatoren, immer mal wieder einige Nebenstrecken, Rad- und Feldwege einzubauen. Genau so mag ich das ja, es gibt ja mehr und mehr gute asphaltierte Wege, die man nur finden muss. Und da waren wirklich ein paar nette Abschnitte dabei, die sich mein GPS gemerkt hat, für zukünftige Unternehmungen in dieser Region. Nach 5:20 Stunden waren die 166 km schließlich absolviert. Schöne Strecke, tolles Wetter, gute Gruppe. Man musste allerdings sehr aufpassen, keinen der kleinen Wegweiser zu verpassen. Letztendlich war es ein toller Tag, dank Semper.

Montag, 20. August 2012

Jedermannrennen für Jedermann? – Lessons learned….

Eigentlich wollte ich heute ja den Triathlon in Kallinchen mitmachen. Nur habe ich den Teilnehmeransturm unterschätzt und dann war es zu spät. Auf eine Nachmeldung spekulierend hatte ich mich mit Familie am schönen Motzener See einquartiert, und dann war doch keine Nachmeldung mehr möglich. Schade, muss ich wohl zuschauen….aber Moment mal, da gibt’s ja noch ein Radrennen des Lausitz Cup in Lübben, ein sogennantes Jedermannrennen, wo eigentlich nur Radsportler ohne Rennlizenz mal Rennerfahrung und Rennatmosphäre schnuppern können. Eine tolle Erfindung, eigentlich…. 

Lübben ist von Kallinchen nur ne halbe Stunde entfernt, und Start ist erst am frühen Nachmittag. Das ist prima, ausgiebig frühstücken, gemütlich nach Lübben, nachmelden und auf den Start vorbereiten. Wo man auch hinschaut lauter blank rasierte Beine, und Vereinstrikots, geht ziemlich professionell zu. Naja, an dem ursprünglichen Plan ändert sich erstmal nix: so lange wie möglich am Feld dranbleiben und dann mal schaun was geht. Wenn ich es schaffe, 5 der 8 Runden über je 9,5 km im Feld zu bleiben kann ich nicht mehr überrundet werden. Los geht’s 13:30 bei sengender Hitze, 36°C. Bis Lubolz geht es flott aber sehr erträglich. Wenn das so weitergeht, kann ich meinen Plan umsetzen. Dann eine scharfe Rechtskurve und dann gings ab, Attacke an der Spitze und ab in den roten Bereich. Und als ich dachte, jetzt isses aber schnell, packen die vorne nochmal was drauf – das wars, statt 5 Runden halte ich nur 5 km durch und dann platze ich. Nur 2 sind noch hinter mir, na immerhin bin ich nicht alleine. 

Mit den beiden können wir uns ganz gut behaupten. Die fünfte Runde nehme ich dann aber alleine in Angriff, die anderen haben das Handtuch geworfen. Ich will mich aber nicht überrunden lassen, und muss es dann wenig später doch geschehen lassen. So muss ich am Ende der 5. Runde das Rennen beenden, nach 47 km und mit 32 km/h im Schnitt. Sehr krass, wenn ich mit einer kleinen Gruppe dieses Tempo konstant fahre, kann ich 150 km oder mehr zurücklegen. Wenn man aber früh in den roten Bereich geht, kann man sich nicht mehr so erholen, dass man hier noch was reißen kann, zumindest nicht bei der lausigen Vorbereitung in diesem Jahr. Später lerne ich dann noch, dass hier durchaus auch Lizenzfahrer dabei sind. Der professionelle Eindruck hat also nicht getäuscht: das ist hier offensichtlich eine sehr anspruchsvolle Rennserie, schnelle und spannende Rennen  mit richtig tollen Rennfahrern. Nur der Jedermanngedanke bleibt dabei auf der Strecke. Wenn sich hier noch mehr Hobbyradfahrer anmelden, erleben die noch viel früher ihr blaues Wunder als mir das passiert ist. Keine wirkliche Werbung für den Radsport. Dabei wären Jedermannrennen eine schöne Brücke zwischen den RTF-Veranstaltungen und den Lizenzrennen. 

Zurück nach Kallinchen: dort wird der Jedermanngedanke noch gelebt. Ich habe ein bisschen an der Radstrecke gestanden, und den Hobbytriathleten zugeschaut. Da waren Mountainbikes und Touringräder, professionelle Zeitfahrmaschinen und in die Tage gekommene Rennräder; Sportler in Tria-Einteilern und solche mit Laufshirts auf dem Rad; Sportler mit Clickpedalen und Radschuhen und solche mit Laufschuhen auf Bärentatzenpedalen – und das obwohl die Ausrüstungsregeln beim Triathlon sehr streng sind. Aber es ist sehr sympathisch zu sehen, dass hier jeder der eine funktionsfähige Ausrüstung besitzt einmal probieren kann, wie ein Triathlon sich anfühlt. Und dabei werden auch die Cracks nicht gestört, die hier auf der Jagd nach Topzeiten sind. Sehr sympathisch das Ganze. In der Laufszene funktioniert das auch, Straßenläufe über diverse Distanzen, durch Städte, z.T. mit Topläufern am Start, und jeder kann mitmachen der sich dazu in der Lage fühlt. 

Doch wie schafft man das beim Radfahren, wie sollen wir unsere Kinder davon überzeugen, mit dem Radsport anzufangen, wenn die Kluft zwischen Hobberad sportlern und einer hochtrainierten Elite zu groß ist. Klar, man kann sicher nicht immer Jedermann-Radrennen mit verschiedensten Startgruppen etablieren, so wie es beim Velothon oder den Cyclassics angeboten wird. Ein zusätzliches Rennen beim Lausitz Cup könnte hier aber schon für Abhilfe sorgen. Ein Rennen, das man in der Region bei den Hobbyathleten bewirbt, wo jeder einmal die Chance hat, unter Polizeischutz schnell Rad zu fahren – und schnell muss hier nicht heißen, mit 45 Sachen über die Straßen zu knallen. Für so Fahrer wie mich wäre es schön wenn es neben RTF und Radmarathons und solchen Jedermannserien wie dem Lausitz Cup noch was anderes gibt, was es Jedermännern wie es sie beim Laufen und Triathlon gibt eine Bühne bietet um sich mit anderen aus Spaß zu messen. Ich habe nie den Anspruch ein Rennen zu gewinnen, aber mal wieder so richtig alles aus sich rauszuholen klappt am Besten in einer Form von Wettstreit, der am Besten organisiert abläuft um genügend weitere Wettstreiter zur gleichen Zeit am gleichen Ort zu haben. Das macht einfach unglaublich viel Laune, auch ohne Pokals und Ruhm und Ehre. Hier sehe ich im Radsport einen Nachholebedarf, der es auch leichter möglich macht, den Nachwuchs an den Leistungssport heranzuführen. Vielleicht hat habe ich hier irgendwas was verpasst oder missverstanden – dann bitte ich um Aufkärung. 

P.S. Weil ich nicht aufgegeben habe, bin ich als 156. von 271 Sportlern in der Gesamtwertung des Lausitz Cup geführt – yippieh…