Montag, 25. Mai 2015

Extrem hoch zwei in der Rhön - Höhepunkte am laufenden Band

Ich glaube man findet in Deutschland keinen anspruchsvolleren Radmarathon als den Rhön Radmarathon, was die Höhenmeter und die Dichte derselben betrifft: in der Extrem hoch zwei Variante gilt es 4.800 zu klettern, auf 248 km. Da findet man selbst in den Alpen nicht so viel mehr (z.B. der Ötzi hat 5,500 Höhenmeter). In der Rhön verteilen sich die Höhenmeter auf 6 große Berge und etwa 11 'kleinere' Anstiege. Aber auch dazwischen gibts noch den einen oder anderen Hügel, eine wahre Achterbahn (siehe die Übersicht am Ende des Beitrags, und natürlich das Höhenprofil auf der Website des Veranstalters).

Start war am Pfingstsonntag (wie immer) um 6 Uhr in der Früh. Ein paar Minuten vorher finde ich Jörg im Festzelt, gerade noch rechtzeitig um pünktlich aufzubrechen. Hätte ein paar Grad wärmer sein können, aber ansonsten perfektes Radfahrwetter, kein Vergleich zum letzten Jahr, wo sich der Tag zu einem Tag mit Rekordhitze entwickelt hatte. 

Die erste Stunde gehts quasi wieder zurück nach Hause: drei Anstiege auf dem Weg nach Neuhof, nur ein paar Kilometer von meinen Eltern entfernt. Ungewohnt war das, mal wieder auf richtigen Straßen zu fahren, wo man in Holland genügend Radwege und einsame Straßen zur Auswahl hat, über die man die Radfahrer schicken kann. 

Immerhin 638 Höhenmeter sind bis zur ersten Kontrolle nach 42 km schon absolviert, und das mit nur 'kleineren' Anstiegen, z.B. 100 Höhenmeter auf 3 km. Leider ist die Kontrolle nicht mehr in den Rhön-Sprudel Hallen, das war immer ziemlich cool, aber vermutlich nicht genug Platz für die Meute, die sich auf dem Weg durch die Rhön befindet.

Zwischen Kontrolle 1 und 2 warten die ersten drei der großen Bergwertungen, insgesamt 1.171 Höhenmeter sind auf den 47 km bis Bischofsheim zu überwinden. Los gehts mit der Ebersburg: was den Ardennen ihre Redoute ist der Rhön die Ebersburg. Vielleicht nen Tick flacher, aber statt 50 km vor dem Ziel zieht sie einem schon 50 km nach dem Start den Zahn - wenn man darauf nicht vorbereitet ist. Mir ging es heute ziemlich gut dort hoch, Jörg weniger und so verliere ich ihn.

Die Wasserkuppe ist ein schöner Anstieg, lang, aber gleichmäßig und nur mäßig steil, macht Spaß. Genau wie die Abfahrt, auf breiten und guten Straßen kann man es richtig krachen lassen. Dann gehts zum ersten Mal auf die Hochrhön, leider nicht via Schwedenschanze, die mir persönlich sehr gut gefällt. Die Abfahrt nach Bischofsheim ist geblieben, vorbei an alten Erinnerungen aus der Studentenzeit. Kontrolle 2 wartet in Bischofsheim, und ich muss nur 3 Minuten warten bis Jörg wieder aufschließt. Im gehts nicht so gut, aber er will es weiter versuchen.

Bei phantastischer Kuchenauswahl kann man sich gut stärken, dazu das gesamte Angebot an Sportgetränken aus dem Hause Rhön Sprudel, toll. Auf den folgenden 20 km kann man richtig Gas geben. In einer guten Gruppe geht es zügig das Überführungsstück bis zum nächsten großen Berg. Wir sind wieder auf Kurs, d.h. Schnitt über 25 km/h, was uns in weniger als 10h Gesamtfahrzeit zurück nach Bimbach bringen sollte. 

Den zweiten Anstieg zur Hochrhön Richtung Rotes Moor bin ich noch nie gefahren, sehr schöner Berg, mäßig steil, ein paar Serpentinen. Dazu sieht man jetzt immer mehr bekannte Gesichter um sich herum. Beim philosophieren über die letztjährige Hitzeschlacht und weitere mögliche Anstiege, die die Organisatoren in den Kurs hätten einbauen könnten vergeht die Zeit wie im Flug. Auch Jörg kann jetzt gut mithalten am Berg, es geht ihm langsam besser, toll.

In Fladungen wartet dann die Warmverpflegung, Nudeln mit Tomatensoße und/oder Gulaschsoße. Prima Sache, kostet nur leider viel Zeit, aber dazu später mehr. Endlich ist es jetzt auch warm genug, dass Armlinge und Windweste im Trikot verschwinden können. Dann gehts auf zur dritten und letzten Hochrhönbesteigung, auf zum Schwarzen Moor. Schwarz ist aber nicht nur das Moor, sondern auch der Himmel, es wird doch wohl nicht...doch es wird, es fallen die ersten Tropfen während wir uns nach oben arbeiten. Oben wird die Weste wieder ausgepackt, um zumindest oben rum auf der Abfahrt einigermaßen trocken zu bleiben. Für die Füße gibts kein Pardon, Kneippkur inklusive. Im Tal angekommen wird die Straße aber plötzlich von einem Meter zum nächsten furztrocken, kein Regen mehr, na wer sagts denn.

Der letzte große Berg ist der Ellenbogen, durch Frankenheim insgesamt 9 km bergauf. Und ich erinner mich, der ist unangenehm, nur warum. Die Straße ist es, schlecht und rau, rollt nicht gut, was auch bergauf die Sache nicht leichter macht. Und plötzlich ist Jörg vorne und fährt mir weg, ist halt doch ein Langstreckler, nach 150 km hat er sich gefangen. In Kaltensundheim kommt dann die Sonne raus, es wird richtig warm, Thüringen...

Das Stück zwischen der Kontrolle in Kaltensundheim und der in Gotthards wird mir von Jörg als ziemlich hart versprochen, obwohl das Streckenprofil das nicht wirklich hergibt. Aber ich muss ihm Recht geben, 5 mal geht es hoch und runter, zum Teil ziemlich steile Dinger die hier eingestreut sind. Da schmeckt die Bockwurstsemmel in Gotthards gleich nochmal so gut. Nur Jörg drängt etwas, mit Blick auf die Uhr, warum eigentlich. Ok, vom 25er Schnitt sind wir mittlerweile ein ganzes Stück weg, aber so schlecht sind wir nun auch nicht unterwegs. Aber wir haben uns offensichtlich an den Kontrollen zu viel Zeit gelassen, und wir dürfen den Kontrollschluss an der Streckenteilung zur Milseburg nicht verpassen, wollen wir uns als Extrem-Hoch-Zwei-Bezwinger in die Geschichtsbücher schreiben lassen.

Ein giftiger Anstieg steht noch im Weg, dann gehts links weg und Richtung Milseburg. Was einem da ins Auge springt ist wenig ermutigend: die nächsten 1.000 m geht es steil und schnurgerade hoch in den Wald. Hat man sich an den Anblick gewöhnt, steht ein Schild der Organisatoren am Straßenrand: "Viel Spaß :-)" - hahaha. Etwa viertel nach vier sind wir dann oben, letzte Bergwertung, von hier gehts jetzt wirklich (fast) nur noch bergab. Die schnellsten waren etwa 3 Stunden vor uns hier oben, müssen das Ding mit nem Schnitt von >30km/h gefahren sein, irre.


Easy Riders am letzten Gipfel des Tages, die Milseburg im Hintergrund und ab zurück nach Bimbach.


Große Wegweiser in knalligen Farben - keine Chance sich zu verfahren. Selbst oben an der Milseburg sind zwei davon angebunden, obwohl man hier auch ohne Schild wenig verkehrt machen kann, zumal ja auch noch ein Kontrollposten der Organisatoren vor Ort ist.

In Margretenhaun gibts Krombacher alkoholfrei, super, schöne Abwechslung. Nicht dass die Isogetränke schlecht sind, aber die Vielfalt machts. Bei mir läuft es mittlerweile auch wieder richtig gut. Ich habe mal wieder einen Tag mit 'zweiter Luft' erwischt, ein Energieschub am Ende. Mit Druck kann ich die 'Bodenwellen' auf dem Weg nach Fulda nehmen. Im Finale nach Bimbach gebe ich nochmal Gas, versuche mich von der Gruppe abzusetzen. Gelingt nicht wirklich, aber zumindest kann ich die letzten Kilometer mit freiem Blick nach vorne genießen. Und auch den Schnitt haben wir jetzt wieder nach oben gepäppelt, verpassen die 10 Stunden nur um knapp 10 Minuten. Glücklich und zufrieden erreichen Jörg und ich das Ziel dann gemeinsam, wie schon in Oslo. 

Im Ziel gibt es dann reichlich Trophäen, die man alle zusammen eigentlich an die Organisatoren übergeben sollte. Dieser Radmarathon ist großartig, extrem hoch zwei was die Strecke betrifft, extrem hoch zwei aber auch in punkto Organisation: das fängt bei der perfekten Beschilderung an und hört bei der tollen und abwechslungsreichen Verpflegung noch lange nicht auf. Das alles für 45 Euro und dazu noch ein Funktionsshirt als Geschenk ist phantastisch, value for money at its best. Chapeau RSC Bimbach!!!

Trophäensammlung nach einem langen Tag in der Rhön: Startnummer (links), Kontrollkarte (Mitte), Urkunde (rechts), Medaille (das 'X' mit Band) und Funktionsshirt (grüner Hintergrund) - mehr geht nicht.
Zwischenwerte auf dem Weg durch die Rhön: je mehr Höhenmeter desto langsamer, je länger unterwegs desto langsamer, und dann ein schnelles Finale - so kann man das wohl ganz gut zusammenfassen. 

  • Bis Kontrolle 1 (Lütter) - 41,5 km / 1:26:12 / 28,8 km/h / 638 Höhenmeter
  • Bis Kontrolle 2 (Bischofsheim) - 47,4 km / 2:03:03 / 23,1 km/h / 1.171 Höhenmeter
  • Bis Kontrolle 3 (Fladungen) - 43,1 km / 1:39:41 / 25,9 km/h / 751 Höhenmeter
  • Bis Kontrolle 4 (Kaltensundheim) - 35,6 km / 1:40:50 / 21,1 km/h / 832 Höhenmeter
  • Bis Kontrolle 5 (Gotthards) - 28,6 km / 1:16:15 / 22,5 km/h / 605 Höhenmeter
  • Bis Kontrolle 6 (Margretenhaun) - 24,9 km / 1:08:46 / 21,7 km/h / 564 Höhenmeter
  • Bis Ziel (Bimbach) - 27,2 km / 0:54:59 / 29,6 km/h / 281 Höhenmeter

Sonntag, 15. März 2015

Saisonstart zu Hause - Omloop Tom Schouten Wielersport

Nach dem Saisonauftakt zu Fuß beim CPC Loop in Den Haag, fand auch der Saisonstart auf zwei Rädern vor der Haustür statt, in unserem Wohnzimmer, auf 'unserem' Omloop. Im letzten Jahr war der Omloop noch Neuland gewesen, dieses Jahr kannten wir fast jedes Schlagloch und jeden Drempel. Wir heisst Jörg und ich, live dabei bei der diesjährigen Ausgabe des Omloop. Dazu noch weitere Kollegen vom Patentamt, inkl Florian, der bei den 24h von Zandvoort schon zu den Easy Ridern gehört hat.

Um 9 Uhr war Start am Uithof, und pünktlich zum Start fing es an zu regnen. Die ganze Woche war hervorragendes Wetter und ausgerechnet am Tag des Omloop war es nicht so toll. Der Regen war aber nicht stark, sodass wir ungehindert in Richtung Kwintsheul aufbrechen konnten. Bis zur Vliet ging es in kleinen Gruppen, locker einrollen. Die Katwijker haben wir am Start schon gesehen, und erwarten sie irgendwann von hinten, und dann gehts rund. An Voorburg vorbei kommt Katwijk angerauscht und wir mit im Zug. Die Gruppe ist mittlerweile ordentlich angewachsen und schnell geht es Richtung Zoetermeer. Ich werde nach vorne gespült und realisiere, dass die nen belgischen Kreisel fahren, das muss dann doch nicht sein, lasse mich wieder zurückfallen. Ne Minute später knallt es heute zum ersten Mal, und zwar ordentlich, mit Überschlag.

Danach gehts ein bisschen ruhiger zu, bei Gegenwind trotzdem eine anstrengende Sache. Am Zoetermeerse Plas vorbei gehts Richtung Benthuizen, und ich muss so langsam knautschen, die fahren mir ein bisschen schnell. Dann durch den Park an den Ausläufern von Zoetermeer vorbei. Noch 2km bis zur Hauptstraße (N209), noch 2km bis wir endlich Rückenwind haben, aber ich kann den Anschluss trotzdem nicht mehr halten, weg ist die Gruppe, weg ist Katwijk, Jörg, Florian. Als ich mich beginne damit abzufinden, dass ich den Rest des Tages alleine unterwegs bin, krachts erneut. In der Unterführung zum Kruisweg rutscht einer weg, alles wird langsamer und so komme ich wieder ran, puh, Glück für mich.

An der Rotte spannt sich Florian vor uns und bringt uns mit 35-38 km/h ordentlich in Schwung. Das sollte dann auch unsere Reisegeschwindigkeit für die nächsten 35 km bleiben, zumindest auf freier Strecke. Langsam fahren geht irgendwie nicht, durch die Katwijker angefixt sind wir im Rennmodus und geben Gas. Zwischenstop beim RWC Ahoy inkl aufwärmen im Clubheim. Dann weiter Richtung Delft. Ab Schipluiden merken wir alle so langsam die Belastung, nur Florian scheint noch richtig frisch zu sein. Kurz vor Maassluis hängt er uns ab, und verpasst so auch das Zeitfahren: hinter Maassluis ist auf 3 km am Nieuwe Waterweg entlang eine Zeitfahrstrecke ausgeflaggt. Ich sehe Florian ein paar Hundert Meter vor mir - aber nicht in Zeitfahrposition, während ich nochmal alles in die Pedale werfe was da ist. Am Ende langsamer als letztes Jahr, aber keine Windschattenunterstützung, ich bin alleine auf der Strecke. Und keine Windunterstützung. So stehen am Ende 4:53 zu Buche, Platz 331 von 769 gewerteten Männern.

Danach lass ich es etwas lockerer rollen. Florian ist weg. Der hat das Zeitfahren verschoben, hat nicht die eigentlichen 3 km genutzt sondern danach angefangen. Den seh ich also nicht mehr wieder. Jörg kommt so langsam wieder ran, hat aber keine Kraft mehr. Die nächste Gruppe nutze ich um mit etwas Windschatten Richtung Den Haag zu kommen. In Ter Heijde fahren die dann aber geradeaus, sparen sich den Schlenker über den Nordseedeich, was soll das, also wenn schon denn schon. Alleine gehts jetzt weiter, gegen den Wind, und dann zum Uithof. In unter 3:30 mit 30,23 km/h (reine Fahrzeit) passiere ich die Ziellinie nach gut 105 km. Nicht schlecht, ne knappe halbe Stunde schneller als letztes Jahr. Was ich nicht verstehe: im offiziellen Tableau stehe ich mit 3:46 (d.h. ne gute Viertelstunde Pause) und 30,55 Schnitt - wie kann der höher sein als mein Realschnitt...

Im Ziel treffen wir uns dann alles wieder und begießen den Saisonauftakt mit 2 Bierchen. Deutlich besser als das kalorienfreie Red Bull im letzten Jahr. Dann auf nach Hause, heiße Dusche. Es ist und bleibt eine echt tolle Runde, die prima beschildert mit Florian und Jörg ein echter Spaß war. Da konnte auch das mäßige Wetter nichts dran ändern.

Sonntag, 8. März 2015

City Spring City - Blue sky, sun, crocuses and personal bests

It was like last year: first signs of real spring and the City Pier City Loop in The Hague at the same time. Unlike last year, the Haagse Omloop, the race cycling seasons kickoff was not on the Saturday before but will be the Sunday after. So I was a lot more relaxed to run the 5 km in The Hague. Although it is all called City Pier City, only the half marathon is seeing the pier and the sea. The 5 and 10 km stay in the city. But it is a nice track, wide roads, lots of space, passing the peace palace, Scheveningse Bosje. And we managed again to get six Europeana jerseys into the crowd, six out of 5,126 that participated in the 5 km.


Our new office is accessible on Sunday and very much in walking distance from the start of the CPC Loop - ideal to get dressed before and after the run. For some reason, the seagull was more interested in me than in the thousands of runners that made their way to the Malieveld, 9 floors further below.

Joris and myself were pushing as close as possible to the start line, lessons learned from past experiences. The noise is annoying, why does it have to be so loud, it is not a concert, it is a run. Fortunately no animators like before the start of the night run in September. At 11:00 we were all off. A few metres to the right, the 20 min man was running ('follow me and you finish in 20 min'), and I was able to stay very close and only lost 5 seconds on the first kilometre. That was great, but then the headwind made it more difficult and I lost him on my way around the peace palace. Anyway, I would have never expected to finish in 20 minutes.

It was getting hard with the wind, and the 2nd and 3rd kilometre took me about 9 minutes in total. The downhill in Bankastraat was a relief, a bit of recovery and ready for the final. I finished the next kilometre in 4 minutes again, great, if I can keep that I should be able to finish under 22 minutes. I was hoping for 22 something and now it looks even more promising. But the final kilometre was long and hard. The sun in the face, I closed my eyes a little bit, everything became a bit blurry while I tried to push further. People were calling my name, but I did not recognised anybody I know, cool, this is probably why the name is on the badge.

The home stretch is long, very long. You see the finish, you see the clock ticking, but it is not getting closer, come on...I finished in 21:48, my best 5 km ever, 179 out of 5,126, I'm happy. Behind the finish line I see Joris. He was hoping for a time around 19:30. He exceeded expectations as well, 18:49, 50 out of 5,126, incredible, amazing, congratulations, personal best for him as well. He is so fast, I probably could train harder and more, I would only be able to go further and longer but never reach his speed: fast and furious vs slow and steady.

Next in the sequence was Pavel, 23:02, 299 out of 5,126. I think this was a personal best for him too. He improved a lot compared to last year, really great. And then we had a special guest in the team, Niek, Harry's son, finished in 28:14 as 1,023rd, congratulations. Harry himself finished with the same time, as a pace maker for his son, great job. Last but not least: Nienke finished in just under 30 minutes (29:59), on position 1,489.


The Europeana Running Team 2015, just after the successful completion of the 5 km version of the CPC Loop, right at the Malieveld.

After the run we checked if spring really has started, which is the case when the crocuses are flowering at the Lange Voorhout. We can confirm this and celebrated with uitsmijters and crocettes at De Posthoorn.


A sea of flowers in front of Hotel des Indes at Lange Voorhout.

This was a great start in the season, lots of hard training on dark and grey and wet winter days was worth the effort, if you can run to your personal best that early in the year, in great atmosphere, great weather and in a great team. The Europeana Running Team came back in 2015 and should come back for the CPC Loop in 2016 as well, looking forward to it - allez culture.

Mittwoch, 24. September 2014

Dam tot Dam – Hollands biggest stage for the final curtain 2014

The Dam tot Dam weekend is the biggest sports event package in the Netherlands. The main event is the Dam tot Dam Loop, a 10 mile run from Amsterdam to Zaandam. But this is not everything. There is the Dam tot Dam Fietsclassic, for example, a toertocht with start and finish ‘op te Dam’ in Amsterdam. And a nightrun, for the first time this year, 4 miles in Zaandam, just North of Amsterdam. What a perfect opportunity to finish an amazing season: nightrun on Saturday and Fietsclassic on Sunday morning. And I was not alone: Joris joined for the nightrun, Monique joined for the fietsclassic – another Europeana sports happening in the late summer of this year.

6,000 runners went to Zaandam on 20 September for the 1st edition of the nightrun. I thought this to be a good opportunity to test if I can apply my usual training performance at night to a race. For some reason I experienced that I’m better in evening runs than to any point earlier in the day. Also my personal best over 10km was from a nightrun. So lets see what is possible. I met Joris at the purple startblock, where the 1,500 runners of our block were caged for about 20 minutes, women and men separate, as it was promoted as the battle of the sexes, women against men – what the heck…. At 19:50 we were allowed to approach the startline, just to be entertained by animators doing all kinds of gangnam style rubbish with the runners – can we not just start running…you can hate the strict rules you experience in triathlon events, but it is a proper race, no show, no gangnam. 

Before the start of the Damloop by night.

Finally, at 20:00 we were off. I had the feeling that it took for ages until Joris was flying by. But the first two kilometres went really well, it took me 9:00, well on track, but I only burnt a straw fire before I started to behave like a steam engine, awful, the 3rd kilometre in 5:30. I have to speed up. I passed the 5km mark with 24:30, still very slow, I run this time during my lunch runs with Joris in the Haagse Bos, and lunchtime is not my best time of the day for sports. So what, lets enjoy the atmosphere, and this was really great. All kinds of light effects all over the place. The passage of Het Eiland was announced to be the highlight, and it really was, lots of people, lightshows, cool. And then the passage of the city centre, crowded, noisy, people were cheering, great. Here, I passed lots of people from the previous start wave, feels good, finally. Up into the finish, final 400 m, done, after 31:30, 353rd overall, position is ok, but the time is disappointing. Joris on the other hand took the motto of the Damloop serious, better your best, with an average of <4:00 per kilometre and 25:45 in total he finished 23rd overall, amazing.

After the finish, I grabbed my bag, run for the train to be home as early as possible to get enough sleep. Only 12h after the Damloop by Night the Dam tot Dam FietsClassic started in Amsterdam, the tenth and very final start for me in 2014 in an official endurance event.


I met Monique at 8:15 at the Dam Square in Amsterdam, beautiful setting for a toertoecht. 6,000 cyclists were expected, and we were signed up for the 105km tour. We went out of Amsterdam and entered the runners course for those that do the 10 miles run later this morning. One highlight of the tour was the Ijtunnel, 1,140m long to Amsterdam North. Suddenly I had no traffic in front of me and went into the tunnel at full throttle, down the hill, that was fun, 50km/h. At the end of the tunnel I hit the first big bunch of cyclists, and then the painful part of the tour begun. We mainly followed the runners course to Zaandam, but the labelling was not perfect for cyclists, it was pretty chaotic, and then always left, right, left, right…after 10km of the runners course I had passed most of the big bunches and begun to cycle my own speed for the first time today. But it was still busy, I regularly drove into bunches, passed them before seeing the next bunch in front of me. The split of the 145km from the 105km tour brought the necessary improvement. Suddenly no big groups were on the road, great, which means a reduced likelihood for accidents, which means a much more constant speed, which means paying more attention to the scenary.

Start and finish at the Dam Square in Amsterdam.

After the 2nd stempelpost in Monnickendam the real fun part of the tour began. First the course went on top of the Ijmeer dike for quite a while, and then still along the Ijmeer but at the road next to the dike. For the first bid I a had a good tailwind, but then the road turned and the wind was blowing into my face. A scooter made this stretch a fun part, running with a constant speed of 33-34km/h I had the best slipstream you can think of. The final 10km I was on my own again and hit my target of 3:30 2km before the finish line, but then I lost the signs, where to go. Together with a few other cyclists I navigated my way through Amsterdam, through the crowd queued up for the Damloop and through the crowd in the city of Amsterdam. Ten minutes for 2km…anyway, that was a good close for the season 2014. Not for Monique, who suffered from four punctures (four!!!) and then had to give up about 40km before Amsterdam, very disappointing. But 2015 is waiting already, first plans are made, new year, new opportunities, allez culture.

Sonntag, 24. August 2014

Two hours under the radar – supersonic aggregators – boom

What a day, what a race: the aggregators exceeded all expectations, we finished fifth in yesterday’s trio triathlon competition in Veenendaal. Although we were flying for the entire race under the radar, our chip did not work and obviously they only recorded us crossing the finish line, not before. Thanks to the organisers to keep us in the ranking as this performance needs to be recognised. But lets tell the story from the beginning.

After my runners knee experience from last fall I focussed this year almost completely on cycling, which was a perfect decision, but I still miss the triathlon. Luckily, Europeana and The European Library have not only great experts to transform the world with culture. They also have great and talented endurance sport athletes. Being part of a joint venture of Europeana and The European Library I managed to get into a triathlon this year, as a trio or estafette. Together with Joris and Simon, I participated in the Twinfield Triathlon in Veendendaal yesterday (23 August 2014) and finished the ¼ as a trio. Simon was swimming 1,000 m, I was riding my bike for 40 km and Joris ran the final 10 km.

Aggregators welcome: please put your bike here and only take it down before you leave for cycling.

It was quite a long day, Simon and I left The Hague at 8 in the morning (we were back at around 4pm), while a big thunderstorm hit the city. Fortunately, the weather was getting better the closer we got to Veendendaal, which is a city between Utrecht and Arnhem right at the A12. We met Joris at a gas station just before Veenendaal to avoid looking for each other at registration. We went into the transition area, checked in the bike and helmet and made sure to understand the modalities getting in and out the area. The triathlon staff was really strict to make sure only authorised participants enter the area. Once we were in the transition area and found our slot with the bib number 667 (and 666 really existed as well, but nobody showed up to fill that slot...), we were all starting to prepare ourselves for the event. Simon went off to explore the lake, I started to prepare my bike and Joris checked the transition areas for the trio starters, between each discipline.

Everybody ready to start. Orange caps for all the trios. Water was just under 20°C, cold, but still warmer than air temperature. Clearly no conditions you would go swimming...

Excitement was increasing the closer we got to the starting time. Joris stayed with Simon to see him swimming, while I was getting myself ready for the ride. It is pretty hard to follow a swimmer in the water as they all look the same. But Simon did really well. I knew he is a very good swimmer, but he trained in pools and not in these kind of open waters. And it was his first triathlon appearance so you never know what happens. He was trying hard to keep in touch with the best swimmers and he managed this really excellent. I’m very much impressed: he left the water in third position, after 0:14:28, and handed me over the chip. The two others in front of him needed more time to get on their bikes, so I found myself being the first cyclist leaving the transition area. But at this point we already had the impression something was wrong…

I had to digest this ‘wow’ experience while running to the bike exit. I was really excited, never had this before, being first in a race. Thanks Simon! As I’m not a time trial expert (I prefer slow and steady over long distance, not fast and furious but short), I was sure it would not take long to see the first people passing by, which was true. But over the entire distance, I have not counted more than 4-5 people doing so, and Joris confirmed this when I handed over to him. But I come to this later. The bike track was a 3 km stretch of a big national road, and in between was the triathlon stadium, which normally is a big parking place. Six rounds were on our agenda, every round we had to pass the stadium. Weather was quite ok, only very few and short showers and a perfect wind that was blowing as a tailwind for the long 3 km stretch, while the 3 km headwind piece was divided into two pieces by the triathlon stadium passage. This passage was quite useful to properly count rounds and also do the regular fueling after each round. Before getting into the stadium the time was recorded every round, but I did not hear the same ‘beep’ I heard from others crossing the mat, same experience that Simon made, but I had it six times, something is going wrong here…

It was very busy the first two rounds. Imagine 300 cyclists on a 6 km track, i.e. every 20 m one cyclist (average). Drafting was not allowed, so keeping the 10 m distance to the next cyclist was quite a challenge. Half of the second round the sheriffs were riding next to me to pay attention we keep distance from each other. This means I had to slow down sometimes if others were cycling at about the same speed, quite annoying. Slowly the track was getting more empty (they started the 300 ¼ starters in three waves, with 20 min difference, the trios were in the last wave, so the starters from the first two waves disappeared over time). Now I was getting into a good rhythm. I knew how fast to go at the railroad underpass, how fast to pass the roundabouts, how to approach and pass the stadium. Although my bike computer stopped working before I even started cycling, with my watch and six little pieces of duck tape I managed to count the six rounds properly. After 1:08:08 since I left the transition area I handed over the number and the chip to Joris. Subtracting the 2 minutes all other people spend transitioning from bike to run (was quite a long walk in the transition area), my bike split for the 40 km was 1:06:40, which makes an average speed of exactly 36 km/h. This is by far my best time trial ever! Just to compare: the 40 km in a trio during the Berlin Triathlon in 2010 I finished in 1:05:11, but drafting was allowed back then and I was the full time together with a really great bunch of excellent cyclicts, which is a lot easier than doing it all alone.

I changed clothes while Joris were running four times around the lake, and he did that really fast. At the end I had to hurry up to get with Simon to the area where the trios were joined to finish together. We then followed Joris to the finish line and celebrated his personal best on 10 km: 0:40:40. So every one of us got to the limit, did his personal best in this team competition. But we still had the impression that something was wrong, as we never heard a ‘beep’ confirming we crossed the mat…

Finished, happy, but...do we have a time?

A few hours later the confirmation was online: we finished fifth in 2:04:49, FIFTH (!!!), but no intermediates were recorded. Clearly the chip didn’t work, but I really appreciate the organisers put us in the ranking. This great result needs to be recorded. My sports year was really amazing to date, with two cycling classics in spring, the ‘Styrkeproven’ between Trondheim and Oslo in June, cycling the Alps in July and now my best result ever in a competition. All thumbs up and thanks to Simon and Joris for this cool adventure and the great performance!

Freitag, 25. Juli 2014

Ein König auf nassen Füßen

Alle guten Dinge sind drei, am Mittwoch (23.7.2014) stand die dritte Bergetappe in neun Tagen auf dem Programm. Und jede Etappe führte über drei Cols oder Bergstraßen, also neun Cols an neun Tagen, und insgesamt mehr als 10.000 Höhenmeter, nicht schlecht. Und die dritte Bergetappe war nun die Königsetappe. Mit mehr als 4.000 Höhenmetern kondensierte sie die Gesamtanstiege der Styrkeproven auf weniger als ein Drittel der 540 km von Trondheim nach Oslo - nur mal so zum Vergleich.

Der erste Pass (Col de Larche) war ein Leichtgewicht: inklusive Anfahrt von Jausiers waren auf 24 km gerade mal 750 Höhenmeter zu überwinden, prima zum Einrollen. Das größte Problem: Zwischen dem Fuß der Passstraße und Meyronnes sind Radfahrer unerwünscht. Der Grund scheint mir ein gerade mal 300 m langes Stück Straße durch ein Bergsturzgebiet zu sein. Hier gibt es auch für Autos eine Ampelregelung, die die Durchfahrt im Zweifelsfall versperrt. Warum Motorradfahrer passieren können aber Radfahrer nicht, erschließt sich mir nicht. 

Blick vom Col de Larche Richtung Italien (CC BY-SA).

Obwohl der Larche ein Autopass ist, also ein Transitpass zwischen Frankreich und Italien, geht es an diesem Morgen ruhig zu, kaum Autos, noch weniger LKW, toll. Landschaftlich auch nicht so schlecht und ab Larche auch eine echte Bergstraße mit durchaus ansprechenden Steigungsprozenten. Nach 1:22 h bin ich auf der Passhöhe und begebe mich auf die 31 km lange Abfahrt nach Pratolungo. Fährt sich sehr angenehm. Nach insgesamt knapp 55 km biege ich rechts ab, Richtung Frankreich, Richtung Col de Lombarde. Hier gilt es doppelt so viele Höhenmeter wie am Larche zu überwinden bei gerade mal 21 km, ein klares Indiz für einen Giganten unter den Alpenpässen.

In mehreren Kehren schraubt sich die Straße auf 2 km die Felswand rauf, um in ein Hochtal zu gelangen. Dieses Tal geht es etwa 8 km hinauf, immer dem rauschenden Fluß folgend. Immer wieder sind auch ein paar Serpentinenstücke zur Abwechslung eingestreut. Nach dem nun folgenden 2 km langen Flachstück durch einen weiten Talkessel geht es wieder steil in einen Lärchenwald. Etwa 3 km nach Abzweig zum Santuario di Santa Anna lichtet sich der Wald und wenig später ist die Passhöhe schon zu sehen. In einem Wechsel aus Flachstücken und kurzen Steilstücken werden die letzten Höhenmeter überwunden, geschafft, exakt 2 Stunden. Ich bleibe dabei, ein absolut toller Pass, landschaftlich wie sportlich.

Blick vom Col de Lombarde zurück nach Italien (CC BY-SA).

Kurze Pause und dann gehts in die steile Abfahrt via Isola 2000. Ähnlich einfallslos wie der Name ist auch das Skigebiet selbst. Von all den Skigebieten die ich bisher gesehen habe (im Sommer) ist das glaube ich das hässlichste. Schnell weiter, aber die Straße bergab lässt das nicht wirklich zu. Ziemlich schlechte Straße, sehr steil, schwierig zu fahren. Aber berghoch möchte ich hier niemals nie fahren. Ist sicher eine Herausforderung, aber keine schöne. 

Ab Isola gibts nen Radweg nach St Etienne. Drei Kilometer vor dem Ort teilt sich die Straße, Radfahrer bleiben rechts am Fluß, Autofahrer geradeaus bergauf. Was nun, wohin gehts zum Col de la Bonette, dem dritten und letzten Pass des Tages. Ich folge der Autostraße, bergauf kann ja schonmal nicht schlecht sein. Nur geht es 2 km und 130 Höhenmeter später wieder runter, rein nach St. Etienne. Toll, hätt ich doch unten bleiben können. In St. Etienne tanke ich nach, wasch mich ein wenig und  dann beginnt der eigentlich Aufstieg zum Bonette. Nach 430 Höhenmetern auf 15 km zwischen Isola und St. Etienne folgen nun 1.700 Höhenmeter auf 24 km.

Seit Pratolungo haben sich Wolken über die Berge geschoben, genau zu dem Zeitpunkt als es in Jausiers anfing zu regnen, aber davon wusste ich nichts. Stattdessen hatte ich prima Wetter zum bergfahren, schön schattig. Das änderte sich am Bonette, leider. Die ersten Tropfen fielen als ich noch 20 km bis zur Passhöhe hatte, und ab 15 km vor dem Bonette öffneten sich die Schleusen des Himmels. Cats and dogs, ziemlich kräftig, was ist das, die Ausläufer eines Gewitters, ein Schauer, Dauerregen...noch habe ich 1,5 Stunden bis zum Pass, vielleicht hört es ja wieder auf. Stehenbleiben und warten bringt nicht viel, nass bin ich eh und solange ich fahre bleibe ich auch warm, also weiter. 

Fährt sich echt prima, der Bonette, gleichmäßige und angenehme Steigung. Durch die Höhe von 2802 m fährt man auch lange über der Baumgrenze und kann die Szenerie genießen, selbst bei dem Wetter. So langsam mache ich mir Gedanken über das weitere Programm, der Regen wird nicht weniger. Restaurants auf der Passhöhe gibt es nicht, nix zum Aufwärmen und Umziehen. Ich lege mir verschiedene Pläne zurecht, wie ich schnellstmöglich in trockene Klamotten und dann zurück nach Jausiers komme. Ich durchbreche die Wolken, für 2 km absolute Waschküche. Dann sehe ich wieder klarer, und helleren Himmel vom Ubayetal aufziehen, Hoffnung...



Camp des Fourches am Tag nach meinem Aufstieg (Überfahrt mit dem Auto) - bei deutlich besserem Wetter (CC BY-SA).
Blick zurück von oberhalb des Camp des Fourches auf ein paar Kilometer der Passstraße am Bonette (CC BY-SA).

Das Camp des Fourches ist nochmal ein echtes Highlight auf der Fahrt nach oben, wie ein Dorf, und die Straße geht mittendurch. Wäre ein Foto wert gewesen, aber nicht bei dem Wetter. Dann ist der Restefond erreicht, der eigentliche Passübergang ins Ubayetal. Nicht hoch genug für die höchste Straße Europas, weswegen man noch den Cime de la Bonette mit einer Straße umbaute, bis auf 2802 m Höhe. Meine größte Sorge war der Wind, kommt der auf wirds kritisch und ich muss sofort via Restefond runter. Es gab aber kaum Wind, und auch der Regen ließ nach und hörte schließlich auf. Also rum um den Cime de la Bonette. Nach 2,5 h seit St. Etienne und 200 m vor dem Gipfel stoppe ich und ziehe mich um. Man bin ich froh, dass ich einen halben Kleiderschrank spazierenfahre. Mit Taschentüchern reibe ich mich trocken und ziehe mich komplett um. Warm und trocken verpackt fahre ich die letzten 200 m auf den Gipfel zum Aufwärmen und stürze mich dann ins Tal. Tolle Abfahrt, selbst bei nasser Straße, und mit jedem Meter wirds wärmer. Ich bin ziemlich ziemlich erleichtert als ich schließlich am Fuß der Passstraße zu unserem Appartment einbiege. Nach einer warmen Dusche und leckerer Fischsuppe zum Abendessen geht es mir deutlich besser.


Gipfelstein am Cime de la Bonette, mit Blick zurück Richtung Mittelmeer, tief hängende Wolken in den Nebentälen, aber freie Sicht am Bonette. Viel höher gehts hier nicht mehr...(CC BY-SA).

Wahrlich königlich die Etappe. Knapp neun Stunden saß ich im Sattel. Die Berge fuhren sich aber prima, ging deutlich besser als noch vor einer guten Woche. Von den insgesamt neun Pässen waren immerhin fünf Newcomer dabei, Erstbesteigungen für mich. Und auch wenn das Wetter bescheiden war, der Bonette von Süden ist echt toll, macht Spaß. Hat sich gelohnt, das Rad mit in den Urlaub zu nehmen. Ein Dank an dieser Stelle an meine Familie, für die Unterstützung meiner Eskapaden. Das war jetzt aber die letzte lange Tour für dieses Jahr, genug der Langstreckenhighlights.

Montag, 21. Juli 2014

Le Tour de France et moi - Auge in Auge mit den Profis

Es war ein netter Zufall, und zum Zeitpunkt der Entscheidung für Urlaubsort und -zeit noch nicht bekannt: Zielort der 14. Etappe der Tour de France am 19.7.2014 war Risoul, gerade einmal einen Pass von unserem Urlaubsdomizil entfernt. Gute Gelegenheit, sich das weltweit größte jährliche Sportevent aus der Nähe anzuschauen. Logistisch war es dann aber doch etwas schwierig, zumal sich das Wetter verschlechtern sollte. Eigentlich wollte ich mit dem Rad auf den Col de Vars, runter nach Guillestre, weiter zum Col d'Izoard, und dann auf der Original Rennstrecke erst zurück nach Guillestre und dann hoch nach Risoul. Nach dem Ende des Rennes gegen 17:30 wollte ich dann wieder runter nach Guillestre und über den Col de Vars zurück nach Jausiers. Ziemlich heftiges Programm, 170 km, etwa 4,000 Höhenmeter und 4 Pässe, bis spät in den Abend hinein. Ich habe dann etwas eingespart und das Auto auf dem Vars geparkt, ein Pass weniger, 800 Höhenmeter weniger, und keine (mögliche) Regenabfahrt. 

Der Aufstieg zum Izoard von Guillestre beginnt gemächlich, etwa 15 km leicht bergan. V.a. der erste Teil ist landschaftlich spektakulär, enge Schlucht, überhängende Felsen. Der eigentliche Anstieg beginnt für mich etwa 2 km vor der Kreuzung mit der D947, ist von hier ziemlich genau 16 km lang. Fährt sich anfangs sehr schön, doch nach Arvieux wirds so langsam steiler. Ab kurz vor Brunissard sind das dann locker 8-9%. Die danach einsetzenden Serpentinen bringen ein bisschen Abwechslung, ohne dass es wirklich flacher wird. Drei Kilometer vor der Passhöhe sind dann fast kaum noch Höhenmeter da, toll - aber zu früh gefreut. Es geht rechts um die Kurve und bergab - in ein atemberaubendes Fels- und Gerölltheater, bis rüber zum Coppi-Bobet Gedenkstein. Bei derartiger Landschaft kann man sich ja kaum über die Zwischenabfahrt ärgern, muss dann aber die verlorenen Höhenmeter wieder nachholen. 


Felstheater kurz vor dem Gipfel des Izoard (CC BY-SA).
Die Bergwertung am Izoard steht schon, viele Wohnwägen auch, und mehr und mehr Radler treffen ein (CC BY-SA). 

Nach exakt 90 min sind die 16 km geschafft und ich bin oben. Auf der Passhöhe ist ordentlich was los, die Bergwertung ist schon eingerichtet, die Linie wird gerade gezogen, überall Wohnmobile, Polizei und natürlich Radfahrer en masse. Ein Snickers und ne Cola einwerfen, ein paar Fotos gemacht und zurück geht es nach Guillestre. Es lief gut bis hierher, und ich kann mir jetzt Zeit lassen, die Profis sind noch nichtmal gestartet, ich habe immer noch ordentlich Vorsprung. Zeit lassen auf der Abfahrt ist aber schwierig, v.a. auf den steilen Geraden zwischen Brunissard und Arvieux kann man es richtig krachen lassen. Mittlerweile ist das ne halbe Völkerwanderung, was da an Wanderern und Radlern den Berg hochkriecht.


Am Fuß des Anstiegs nach Risoul, die letzten gut 12 km bergauf für die Profis an dem Tag, für mich auf dem Rückweg auch der Fuß des Col de Vars, in meinem Rücken...(CC BY-SA).

Zurück in Guillestre ist erstmal Zwangspause angesagt. Eigentlich wollte ich zügig weiter, doch irgendwo auf der Straße nach Risoul ist ein Lieferwagen liegengeblieben, muss abtransportiert werden, keiner darf hoch. Netter Radlerstau am Fuß der Bergstraße. Zwanzig Minuten später wird die Straße wieder freigegeben, und von Radlern überflutet. Ich komme gut voran, das tolle an diesen Skistationszufahrten ist ein gleichmäßig steiles Profil, Alpe d'Huez machts vor. Einmal den Rhythmus gefunden, kann man gut durchfahren. Das Ziel rückt immer näher, ziemlich cool die TdF Kilometermarkierungen selbst zu durchfahren, um dann unter dem Teufelslappen kurz zu stoppen. Noch einen Kilometer zum genießen, denkste Puppe, 250 m vor dem Ziel stoppt ein Mann in grün alle Radfahrer. Es dauert einen Moment bis ich verstehe was los ist. Der Typ hat offensichtlich Order die Straße zu räumen, egal um welchen Preis, angeblich kommen die Teamfahrzeuge (Busse und LKW) gleich durch. Keiner darf auf der Straße zurückfahren ins Tal, wir müssen hinter der Absperrung talwärts, auch wenn man da gar nicht laufen kann, ist dem Typen völlig egal. Wer sich wehrt wird mit Gewalt hinter die Absperrung befördert, auf Räder wird kaum Rücksicht genommen. Ja haben die denn ne Meise, so ein Arschloch, sich so aufzuführen, was haben die dem denn gegeben, dass er so aggressiv zu Werke geht. Und dabei sind weit und breit keine Teambusse zu sehen, das große Heer der Busse kommt etwa 90 min später den Berg hinaufgeschnauft. Komplett bescheuert, Entschuldigung, meine Meinung. Mir fallen spontan mindestens zwei Alternativen ein, wie man dem Ansturm der Radler vernünftig hätte Herr werden können. Ist ja wohl keine Überraschung, dass hier Hobbyradler unterwegs sind, da kann man sich doch drauf vorbereiten. Das ist für die größte Radsportveranstaltung der Welt schlicht und ergreifend unwürdig, ganz mies organisiert! So komme ich also nicht in den Genuss des Zielbogens, stehle mich dann 200 m weiter talwärts wieder über die Absperrung, als mich der Gorilla nicht mehr sieht, und fahre ganz entspannt und ohne irgendwelche Störungen durch Teamfahrzeuge bergab.


Teufelslappen in Risoul, 1 km to go, doch das erlaubt man mir nicht...(CC BY-SA).

An einer Bushaltestelle etwa 4 km oberhalb Guillestre beziehe ich Quartier für die nächsten Stunden, weil ich erstens hier ein Dach über dem Kopf habe falls es wie erwartet regnen sollte, und weil zweitens nebendran eine gastronomische Einrichtung mit fester und flüssiger Nahrung wirbt, beides sehr willkommen. Von nun an heisst es warten. Die Werbekarawane vertreibt die Zeit, die Leute jagen die kleinen Geschenke und feiern die besten Marken, tolles Spektakel. Dann wartet alles mit Spannung auf die Profis. Nebendran läuft ein Computer mit Livestream, prima Service, so kann man gut abschätzen wann sie kommen, und in welcher Konstellation. Die Flugzeuge und Helikopter sind die ersten Vorboten. Dann kommt Rafal Majka von Tinkoff Bank - Saxo Bank mit 40 Sekunden Vorsprung durch, noch nie gehört von dem Kerl. Dahinter die jagende Meute mit Nibali. Danach immer wieder versprengte Fahrer und Kleingruppen, bevor das Gruppetto kommt, mit Kittel und Greipel. Gerade noch rechtzeitig, um im Livestream den Zieleinlauf zu sehen. Majka hat es tatsächlich geschafft, wohl sein erster Profisieg. Hätte ich nicht gedacht. Kleines Kuriosum am Rande: das letzte Profirennen, dass ich live an der Strecke verfolgt habe war das Amstel Gold Race 2013. Und mit Kreuziger hat damals wie heute ein Tinkoff Bank - Saxo Bank Profi gewonnen. Offensichtlich bringe ich den Jungs Glück.




Unter Ausschluss der Fernsehöffentlichkeit fährt das Gruppetto dem Ziel entgegen, angeführt von Kittel und Greipel, gefilmt mit meinem Handy von meinem Beobachtungsposten am Anstieg nach Risoul (CC BY-SA).

Die schönste Geschichte des Tages schrieben aber ein tasmanisches Ehepaar (beide >70 Jahre alt) und Richie Porte, seines Zeichens Radprofi beim Team Sky und nach dem Ausscheiden von Froome die letzte Hoffnung des Teams auf eine gute Gesamtplatzierung. Tags zuvor hat sich die Hoffnung zerschlagen und auch in Risoul kam er abgeschlagen ins Ziel. Die Tasmanier und Porte kannten sich und die beiden Radsportfans aus dem fernen Tasmanien feuerten Porte dementsprechend an, mit Fahne, mit persönlicher Ansprache an der Strecke. Porte quittierte dies mit einem Lächeln, was wiederum die Tasmanier, mit denen ich mir den Beobachtungsposten an der Bushaltestelle teilte, richtig glücklich gemacht hat. Irgendwie rührend, auf jeden Fall mein Bild des Tages, der lächelnde Porte und der strahlende Tasmanier...

Jetzt aber wieder aufs Rad und heimwärts. Der Regen hat sich verzogen, und trockenen Fußes erreiche ich die Talsohle. Hier beginnt gleich der Aufstieg zum Col de Vars, knapp 20 km und 1.200 Höhenmeter gilt es zu überwinden. Von der Abfahrt am Morgen kenne ich die Tücken und bin gut vorbereitet. Bis zur Hälfte ist alles sehr prima, steil, aber gleichmäßig, mit einigen Serpentinen. Ich komme gut in meinen Rhythmus, obwohl es noch sehr schwülwarm ist und die Fliegen mich umschwärmen. Die zweite Hälfte durch die vielen Ortsteile von Vars inklusive Skistation sind sehr unrhythmisch, immer wieder unterbrechen Flachstücke oder kurze Abfahrten die Bergfahrt, bäh. Es geht trotzdem erstaunlich gut voran, keine Rückenschmerzen, und langsam wirds auch angenehm kühl und der Gegenwind vertreibt die Fliegen. Nach 1:43 h ist es geschafft, ich bin oben und kann mein Rad nebst Fahrer in das bereitstehende Auto verladen. Mittlerweile ist es kurz vor acht, knapp 12 h sind seit der Abfahrt vergangen, Tribut an die Tour de France. Tolles Spektakel, tolle Unterhaltung, wenn nur die unprofessionelle Organisation für Hobbyradler im Zielbereich nicht wäre...