Montag, 5. August 2013

Do it yourself Radmarathon

Nicht dass es an diesem Tag keine offiziellen 200 km Events gegeben hätte, aber irgendwie hatte ich mehr Lust mein eigenes Ding zu machen. Ich hatte mir schon eine Liste an Wunschzielen erstellt, und heute habe ich zwei davon erfüllt: Nordseeküste und Ijsselmeerdamm. Und es war ein richtig geiler Tag, eine richtig geile Tour, what a magnificent ride. 

Los gings um halb neun am Tag nach meinem Geburtstag, immer der Küste nach,  Richtung NO, 120 km auf dem holländischen Abschnitt des Nordseeküstenradweg, meist in den Dünen, hoch und runter, links und rechts. Zum Glück hatte ich freundliche Unterstützung von Gevatter Wind. So kam ich gut voran. Auf den letzten Kilometern vor der Fähre in Ijmuiden habe ich dann den Küstenradweg LF1b verloren und musste mich dann von Radwegknotenpunkt zu Knotenpunkt hangeln, hat geklappt. Leider hat mich die Navigation eine Fähre gekostet, und ich musste warten. 

Nach Bergen wurde die Wegführung etwas abenteuerlich, sehr schmal, sehr kurvig, und auf einmal war das vertraute Pflaster weg, Naturstraße nennt man das wohl. Mit dem Rennrad gerade noch so machbar. Und auf einmal waren die Dünen weg, von jetzt auf gleich musste der natürliche Überschwemmungsschutz durch einen künstlichen ersetzt werden, was ein Kontrast, was ein fetter Deich, 5km schnurgeradeaus. Auch wenn LF1b landeinwärts des Deichs verlief, konnte ich nicht widerstehen: ein 50 m breites Asphaltband zwischen Deich und Meer, warum auch immer, aber pefekt zum radeln. 

Kurz vor Callantsoog treffe ich dann auf die Waddenzeeroute, die den zweiten Teil des Nordseeküstenradwegs in Holland markiert. Also beginne ich hier, die See zu verlassen um zum Ijssellmeer zu kommen. Und mit einem Mal, kaum überraschend, sind fast keine Radler mehr unterwegs. Während ich an der Küste mich manchmal in Schlangenlinien durch die Strandradler wühlen muss, ist hier kaum mehr was los. Stattdessen kann man hier auf plattem Land und schnurgeraden Pisten ordentlich Tempo bolzen. 

Langsam gehen aber meine Vorräte zur Neige, Flaschen leer, Trikottaschen leer. In Medemblik muss ich deswegen einen kleinen Umweg fahren, um eine Tankstelle zu finden. Während ich mein Eis schlecke werde ich Zeuge eines kuriosen Unfalls. Drei junge Kerle holen im Rückwärtsgang mit ihrem Kleinwagen einen älteren Herren vom Rad und überfahren sein Rad auch gleich noch. Danach entwickelt sich beinahe ein Handgemenge, es wird sehr laut und ich kann nur erahnen worum es geht. 

Kurz vor Enkhuizen haben die Tourenplaner noch ein Schmankerl eingebaut, führen mich durch eine große parkähnliche Anlage mit Holzbrücken, Kanälen – idyllisch. Und dann wartet der große Showdown, knapp 30 km über den Damm zwischen Ijsselmeer und Markermeer nach Lelystad, wo ich in den Zug steigen möchte, der mich zurück nach Hause bringt. Apropos Zug, der fährt in genau 60 min, wenn ich nicht nochmal ne halbe Stunde warten will. Also, all in, nach 170 km warmfahren wartet nun ein 25 km Zeitfahren über den Damm mit anschließend 5 km gegurke durch Lelystad bis zum Bahnhof. Das Zeitfahren ist anstrengend, aber hat schon was, links Wasser, rechts Wasser… das Gegurke durch Lelystad ist nervig. 17:08 rolle ich in die Banhofshalle, schnell noch Cola und Wasser gekauft, und dann fährt auch schon der Zug ein. Rein, Türen zu – und durchpusten.

Fazit: Sehr abwechlsungsreiche Strecke, die mir der Fietserbond Routenplaner da ausgespuckt hat, geniales Tool übrigens. Landschaftlich tolle Strecken zum Genussradeln, schön ausgebaute Strecken zum Temporadeln, dazu der Deich übers Ijsselmeer, coole Sache, hat riesig Spaß gemacht. Dazu ein phantastisches Sommerwetter, mit leichtem Wind von hinten, was will man mehr. Am Ende 201 km absolviert bei 27,7 km/h.


So stellt man sich doch einen Strand vor, hinter den Dünen...
 
...doch dreht man sich an gleicher Stelle um 180° sieht man eine völlig andere Welt, plattes Land rechts, das Meer links, dazwischen ein fetter Deich.


Und tschüss LF1b, nach 120 km gehts gen Osten ins Landesinnere.

Zwischen den Meeren - Markermeer links, Ijsselmeer rechts, dazwischen Platz für Autos und einen Radweg.

Sonntag, 14. Juli 2013

Rucke di guh, rucke di guh, Sand ist im Schuh

Nach einem Radfokus im April habe ich mich seit Anfang Mai verstärkt dem Laufen gewidmet. Ziel: 10km in Leiden, im Rahmen des Leiden Marathon. Am 26. Mai, dem Tag des Rennens wache ich morgens mit Halsschmerzen auf. Schweren Herzens verzichte ich auf einen Start und muss dann sogar ein paar Tage das Bett hüten, das geht ja gar nicht. Weitere sportliche Herausforderungen verhindert Fabian. Unser Sohn entscheidet sich 4 Wochen vor dem eigentlichen Termin sein wohlbehütetes Dasein in Mamas Bauch zu beenden. Kaum von meinem Infekt genesen, rückt dann also erstmal Fabian ins Zentrum des Interesses. Trotzdem melde ich mich aus halber Verzweiflung für die Beach-Challenge in Kijkduin an, am 12. Juli, das wird ja wohl gehen. Immerhin mal ein Rennen in meinem Trainingsrevier, da muss ich doch mitmachen. Pünktlich 2 Wochen vor dem Termin bringt Julia freundlicherweise eine Erkältung aus dem Kindergarten mit nach Hause. Der Virus entpuppt sich als äußerst effektiv und verbreitet sich in Windeseile in der Familie. Leider kommt so auch Fabian zu seiner ersten Erkältung, toll... 

Zwei Tage vor dem Beachrun bin ich einigermaßen beschwerdefrei und entscheide mich zu starten. Nach 2 wöchiger Trainingspause nicht ideal, zumal ich mehr als nur eine Ahnung habe, dass dieser 10km Lauf kein Zuckerschlecken wird. Es geht kreuz und quer durch die Dünen, hoch und runter im ständigen Wechsel. Die meisten Anstiege sind zudem Sand pur. Das geht so dermaßen in die Beine, unglaublich. Netterweise haben die Organisatoren den Start auch noch mitten auf den Strand gelegt, mitten hinein in den tiefen und lockeren Sand. Was beim Start schon lästig ist und eine erste Selektion herbeiführt ist in der Folge richtig fies. Immerhin muss man noch 2 mal hier durch, um zum Ziel zu kommen – 2 mal 5km hat man in den Dünen ausgeflaggt. Hat man die 1.000m am Strand erfolgreich absolviert steht man also im Startbereich fett im Sand – im wahrsten Sinn des Wortes, laufen kann man das nicht mehr wirklich nennen. Und dann auf Kopfsteinpflaster zur Strandpromenade hoch, um dann gleich nach dem Ziel in die nächste Sandgrube zu hüpfen. 

Und das ist erst der Anfang der Runde (ein privates Video zeigt das Feld kurz nach dem Start, meine Wenigkeit läuft ab 0:52 ins Bild). Kurzes Stück Asphalt und dann geht’s etwa 1.000m in die Wüste: mehrere Anstiege durch tiefen Sand gehen an die Substanz. Da ist der Anstieg zum höchsten Punkt der Strecke (20m hoch auf ~350m Strecke) fast schon erholsam, weil asphaltiert. Aber nach dem Downhill Richtung Meer muss dann die nächste Sandpiste erklommen werden. Gnadenlos werden hier Formschwächen offenbart, keine Chance sich irgendwie durchzumogeln. Nicht überraschend, dass Einzelne zu Walkern mutieren. Das ist ne richtig harte Geschichte. Zum Glück hält sich der Wind zurück und pustet uns zudem am Strand in den Rücken, prima. Zu heiß ist es sicher auch nicht, prima Laufwetter. Auf der zweiten Runde wird dann auch der Sand in den Schuhen langsam lästig. Da wird jetzt ordentlich Sand auf der Promenade in Kijkduin liegen, von freundlichen Läufern überall verteilt.

Fazit: Wahrlich eine Challenge, aber sehr cool, tolle Erfahrung, das kann man sich auch nochmal antun, im nächsten Jahr. Am Ende stehen 58:21 im Ziel auf der Uhr, für 10km keine dolle Zeit, aber Untergrund und Profil haben für die nötigen Verzögerungen gesorgt. Mit dieser Zeit bin ich auf Platz 80 von 169 im Ziel registrierten Männern gelandet, schön im Mittelfeld.

P.S. Das Wochenende endet mit einer ersten Radrunde die komplett ohne Verfahrensfragen und Navigationsprobleme, weitgehend ampelfrei auf schnellem Kurs zu absolvieren war – cool, so langsam hab´ ich den Dreh raus. Direkt im Anschluss noch eine Laufrunde drangehängt, was sich als deutlich schwerer entpuppt als der Beachrun am Freitag. Bis zum ersten Triathlon in diesem Jahr brauch ich wohl noch etwas Übung…

Sonntag, 5. Mai 2013

Hungergames in Holland – Warum man bei Toertochten immer genügend zu essen dabeihaben sollte

Classico Boretti ist die vierte Toertocht in vier Wochen, und gleichzeitig sowas wie der Abschluss des Radfrühjahrs: nächste Woche Urlaub ohne Rad, dann Feinschliff für Leiden (Laufen), dann erwarten wir ein Baby was mit Radlangstrecken schwierig in Einklang zu bringen sein wird…Und endlich mal wird das Frühjahr seinem Namen wirklich gerecht. Das Wetter in den letzten Wochen war zwar toll, mit viel Sonne, aber immer noch mit empfindlich kühlem Wind von der eiskalten Nordsee. Am Start in Hoofddorp entledige ich mich der Beinlinge und los geht die Reise. 

Mit weit über 5.000 Radlern geht’s zunächst Richtung Schiphol. Ich arbeite mich sukzessive nach vorne, überhole Gruppe um Gruppe bevor ich zum ersten Mal überholt werde. Einige Zeit später kommt eine weitere Gruppe von hinten und jetzt sind wir zum ersten Mal am Wasser. Ohne kompliziertes Radwegschnickschnack geht es für viele Kilometer immer am Wasser lang, auf richtigen Straßen und kaum Autos. Rote Ampen werden von freundlichen Helfern "beschützt", sodass wir Radler eine immer grüne Welle haben, toll. 

Die Jungs haben richtig Zug drauf: nach 1,5 Stunden hab ich nen 34er Schnitt auf der Uhr, wenn das so weitergeht…und wir stehen in einer Baustelle, verfahren, wie das. Zurück, und auf einmal wollen die Jungs wohl die verlorene Zeit aufholen, drücken mächtig aufs Gas, zu mächtig. Mit Ach und Krach bleibe ich dran bis wir eine größere Gruppe erreichen, nur um dann festzustellen, dass hier weitergeprügelt wird, ohne mich. 

Dann das nächste Mal verfahren, schnell sammeln sich 30-40 Fahrer und grübeln über den weiteren Streckenverlauf. Es ist aber auch schwer, soviele Radwege und Nebenstraßen, die manchmal von Kreuzungen abzweigen, da ist selbst ein Pfeil nicht eindeutig genug. Nach 2 Stunden die letzte Streckenteilung, nun sind die 165er unter sich. Bisher gab es immer noch keinen Verpflegungspunkt, mmh, bei dieser großen und auch nicht ganz billigen Tour habe ich schon damit gerechnet. Meine Vorräte sind minimal, zu wenig für 165 km. Ich beginne sie trotzdem zu vernichten, bringt ja nix. 

Nach 3,5 Stunden sind 115 km gefahren, und meine Vorräte am Ende. Außerdem frischt der Wind auf, der mir manchmal auch ordentlich ins Gesicht pustet. Das werden harte 50 km. Ne halbe Stunde später fängt mein Magen an zu knurren, der Puls ist schon länger angestiegen, ich fahre auf Reserve. Und während ich mich schon damit abgefunden habe, dass es ein Hungerexperiment wird, kommt sie doch noch, bevoorading heisst das hier, oder so ähnlich. Ist zwar sehr sparsam ausgestattet, aber Hunger treibt selbst ein Rosinenbrötchen rein. Dazu ne Banane, und pipigelbes Isozeugs, und weiter geht’s. 

Und es war als wie wenn man einen Schalter umlegt, oder Reisig in die Glut wirft, es geht wieder was. Puls geht runter, Energieschub, nicht mehr so rund wie in den ersten zwei Stunden, aber immerhin. Die letzten 15 km sind dann eher zäh. Nach Zusammenführung mit der kurzen Strecke wird es eng auf dem Radweg, und die Geschwindkeitsdifferenzen groß. Da ist wieder volle Konzentration gefragt, bei immer noch wechselnden Winden. Dann bin ich drin. Die Zielverpflegung ist prima: jeder bekommt einen Energydrink nach Zieldurchfahrt, und einen Pott Nudeln gibt’s obendrauf. Dann geht’s auf nach Hause. 165 Classico Boretti, plus insgesamt 22 km An- und Abfahrt, der Tag hat sich gelohnt.

Achja, 2 Beobachtungen noch zum Schluss. Erstens, kaum Radler nehmen die Dienste der Bahn in Anspruch. Während man in Berlin selbst bei 200 Teilnehmern die Herrschaften schon in der S-Bahn traf, gibt es nichts entsprechendes bei der 30 fachen Besetzung. Stattdessen stapeln sich auf dem kostenlosen Parkplatz die Autos, dass es nur so kracht. Und große Gruppen von Radfahrern sind auch selten bis nicht existent. Während man in Berlin schonmal ein 200er Feld en bloc durch die Lande ziehen sieht, bestimmen hier die vielen Vereine und Firmengruppen das Bild und die Gruppen. Finde ich persönlich sehr viel angenehmer.

Letzendlich waren das vier spannende Touren, vom Amstel Gold Race bis zum Classico Boretti, habe viel gelernt, viele schöne Strecken kennengelernt, hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Sonntag, 28. April 2013

Sonne und Meer – mit dem FTC Westland ans Braassemermeer

Na bitte, es geht doch. Am 28.4. um 8:30 herrscht bei strahlendem Sonnenschein (aber kühlen 5°C) Hochbetrieb im Velo Sportcomplex in Wateringen (gehört zu den Haag, südlich des Stadtzentrums gelegen, 8km von unserer Wohnung weg). Kein Vergleich zur Situation beim TV Zoetermeer eine Woche vorher. Zwei Euro in die Kasse, kein Formular ausfüllen, erneut keine Startnummer, aber dann geht’s los. Angeblich gibt es Pfeile, ein Quadrat kennzeichnet den jeweiligen Richtungspfeil. 

Ich schließe mich einer 10er Gruppe an, die zügig Fahrt auf nimmt. Radwege, links, rechts, Bremsen, Kreuzung, Brücke, Unterführung, kurz raus auf die Straße, dann wieder auf den nächsten Radweg….und das ganze bei 30-35 km/h. Von der Umgebung bekomme ich nix mit, volle Konzentration, aber macht Spaß. Rote Ampeln sind übrigens nichts weiter als farbige Lampen am Straßenrand, nicht dazu da die rennradelnde Gruppe zum Halten zu zwingen, sehr ungewohnt, beängstigend.  An der Vliet wird es ruhiger, was die Streckenführung betrifft, für einige Kilometer keine Richtungswechsel. Dafür geht der Speed hoch, konstant 37-40km/h. Mal schaun wie lange ich das mitmache. Nach ner Stunde haben wir nen 33er Schnitt im Kasten, und ich lasse reißen, zu schnell. 

Ich entdecke die ersten Richtungspfeile, es gibt sie, mit Kreide auf die Straße gemalt. Ein Glück regnet es nicht. Eine Kreuzung ist dann aber doch unbeschildert. Während ich mich mit dem kartenlosen Tourenplan versuche zu orientieren, kommt eine weitere Gruppe. Keine Ahnung ob die auf der gleichen Runde sind (Rennradgruppen gibt es alle Nase und keiner hat eine Startnummer), egal, ich fahre hinterher. Aber sie sind auf der für mich richtigen Runde und fahren ein gutes Tempo, 31er Schnitt, nur führen kann ich nicht, weil ich mich sonst verfahren würde. Die Vorwarnzeit bei Kreidepfeilen auf der Straße ist einfach zu kurz.

Die Strecke um das Braassemermeer ist toll, ein großer See, und wir mit dem Rad immer drumherum, schön. Dann gibt’s sogar eine Pause, allerdings nicht mit der gewohnten Verpflegung wie bei deutschen RTF. Man setzt sich in ein Fietscafe, trinkt Kaffee, isst vielleicht nen Kuchen – für ein gemütliches Kaffeekränzchen ists mir doch zu kühl, fahr ich lieber weiter. Und es dauert dann tatsächlich eine knappe Stunde, bis mich meine ersten Weggenossen nach Kaffee und Kuchen wieder eingeholt haben. Ich versuche mitzuspringen, und gebe nach 2km auf, zu schnell. Die nächste Gruppe gefällt mir besser, und zügig geht’s zurück Richtung Den Haag. Auf den letzten Kilometern zerbröselt dann das Feld, anscheind fährt jeder jetzt auf eigene Kappe nach Hause. Das mache ich dann auch, fahre nicht bis zum Ziel sondern durch die großen an Den Haag angrenzenden Parks zurück zur Nordsee und dann nach Hause.

Fazit: Das heute hat doch Mut gemacht, und Lust auf mehr (und Meer, denn von diesen großen Binnenseen gibt es hier ne ganze Menge). Organisiertes Radfahren in größeren Gruppen gibt es tatsächlich auch im regelmäßigen Betrieb. Das ganze zwar ziemlich einfach organisiert und ziemlich formlos, aber wozu braucht es immer den ganzen Papierkram etc. Und die Strecke hat mir auch gefallen. Ich komme wieder, keine Frage…

Samstag, 20. April 2013

Henning allein unterwegs – die erste Toertocht des Jahres

Nach dem Amstel Gold Race musste ja mal irgendwann die erste richtige Toertocht aus dem NTFU Kalender ausprobiert werden. NTFU steht für Nederlandse Toer FietsUnie und eine Toertocht sollte sowas wie die RTF in Deutschland sein, Radtourenfahrten für Rennradler, sportlich schnell absolviert. 

Die Geestgrondentocht des TV Zoetermeer `77 sollte also die Premiere sein. Fünf Strecken stehen zur Wahl, von 40 bis 165 km. Klingt ganz vernünftig. Start ab 8 Uhr am 20. April, ab Clubhaus des TV Zoetermeer. Halbe Stunde Tram bis Zoetermeer, und dann bin ich da, frische 3°C oder so, strahlender Sonnenschein, das wird ein toller Tag. Im Clubhaus kurz vor 8 versammeln sich keine 10 Hanseln, was ist denn das. Nach der Registrierung gibt ne Tasse Tee gratis, man bemüht sich mit mir in Englisch zu kommunizieren. 

Ich fahre dann 20 nach 8 alleine los, angeblich gibt’s Richtungspfeile, um die Strecke zu kennzeichnen. Zum Glück habe ich 2 Tage vorher noch per Zufall die gpx Tracks der Routen gefunden und sie mir am Morgen noch aufs Dakota geladen. Schon nach 500 m schalte ich das Ding ein und sehe den ganzen Tag keine Richtungspfeile. Ich sehe außerdem keine weiteren radelnden kollegen, die die gleiche Strecke fahren. Könnte sie auch gar nicht erkennen, weil Startnummern gabs keine, wir fahren alle inkognito. Ich folge also brav meinem GPS, bis Den Haag und weiter nach Katwijk kenne ich die Strecke. 

In Scheveningen biege ich auf den Dünenradweg ein, und muss leider feststellen, dass der Wind über Nacht wieder gedreht hat, und mir fröhlich ins Gesicht pustet, herrlich, aber egal. In Katwijk, wo die erste Streckenteilung erfolgt, steht auch kein Schild, ja wie soll man sich denn hier zurechtfinden, ohne GPS? Ok, die Organisatoren haben einen sehr detaillierten Streckenplan auf Papier mitgeliefert, aber den beim Fahren zu lesen und umzusetzen, wie soll das gehen? So langsam schwindet auch die Hoffnung, dass es irgendwo eine Verpflegungsstelle gibt, ja wofür habe ich eigentlich die 3 EUR bezahlt? Das heisst dann aber auch, ich muss mir überlegen, wie ich hier über die Runden komme. Gut ich habe 2 volle Flaschen und ein paar Riegel mit, das sollte ne Weile reichen. 

In Nordwijk treffe ich den angekündigten Blumenkorso, da muss man erstmal drumherum und dann mittendurch. Kurz hinter Zandvoort verfahre ich mich kurz, und entscheide mich dann dieses Verfahren konsequent fortzuführen und die Runde abzukürzen. Ich bin ja eh alleine, es gibt keine Beschilderung, keine Verpflegung, das hätte ich auch privat haben können. Und außerdem muss ich ja auch noch wieder zurückkommen. Bis hierher war es verdammt langsam, 24er Schnitt. Soll mal einer kommen und sagen, dass es in Holland doch platt ist und man ordentlich Gas geben kann….Radwege sind toll, aber auch sehr winklig. Außerdem geht es in den Dünen ständig hoch und runter. Wenn man das Ganze noch bei Gegenwind macht, dann fühlt sich das an wie Dauerbergfahren. Dafür geht es zurück zum Teil deutlich schneller, auf freier Strecke bei Rückenwind kann man richtig auf die Tube drücken, 35-40km/h, kein Thema, streckenweise auch mal 50km/h. 

Vorbei an Blumenfeldern geht es zum Keukenhof, Touri-Ansturm hoch drei. Dann das zweite Mal Blumenkorso, das kostet Zeit, warten, Umweg. In Katwijk verlasse ich dann die Toertocht-Route und wende mich gen Heimat. Dann habe ich wenigstens noch was vom Tag. Am Ende stehen 122 km auf der Uhr, und das hat sich sehr gut angefühlt, Form wird besser. Auch die Runde war sehr schön, tolle Strecke, wie immer sehr verkehrsarm, werde ich mir merken. Jetzt muss ich nur noch verstehen, welche Toertocht tatsächlich auch als organisierte Veranstaltung zu verstehen ist und nicht nur eine Art Alibi mit ein paar Hanseln ohne Startnummer. Nächste Woche ist das nächste Mal Gelegenheit dazu.