Sonntag, 14. Juli 2013

Rucke di guh, rucke di guh, Sand ist im Schuh

Nach einem Radfokus im April habe ich mich seit Anfang Mai verstärkt dem Laufen gewidmet. Ziel: 10km in Leiden, im Rahmen des Leiden Marathon. Am 26. Mai, dem Tag des Rennens wache ich morgens mit Halsschmerzen auf. Schweren Herzens verzichte ich auf einen Start und muss dann sogar ein paar Tage das Bett hüten, das geht ja gar nicht. Weitere sportliche Herausforderungen verhindert Fabian. Unser Sohn entscheidet sich 4 Wochen vor dem eigentlichen Termin sein wohlbehütetes Dasein in Mamas Bauch zu beenden. Kaum von meinem Infekt genesen, rückt dann also erstmal Fabian ins Zentrum des Interesses. Trotzdem melde ich mich aus halber Verzweiflung für die Beach-Challenge in Kijkduin an, am 12. Juli, das wird ja wohl gehen. Immerhin mal ein Rennen in meinem Trainingsrevier, da muss ich doch mitmachen. Pünktlich 2 Wochen vor dem Termin bringt Julia freundlicherweise eine Erkältung aus dem Kindergarten mit nach Hause. Der Virus entpuppt sich als äußerst effektiv und verbreitet sich in Windeseile in der Familie. Leider kommt so auch Fabian zu seiner ersten Erkältung, toll... 

Zwei Tage vor dem Beachrun bin ich einigermaßen beschwerdefrei und entscheide mich zu starten. Nach 2 wöchiger Trainingspause nicht ideal, zumal ich mehr als nur eine Ahnung habe, dass dieser 10km Lauf kein Zuckerschlecken wird. Es geht kreuz und quer durch die Dünen, hoch und runter im ständigen Wechsel. Die meisten Anstiege sind zudem Sand pur. Das geht so dermaßen in die Beine, unglaublich. Netterweise haben die Organisatoren den Start auch noch mitten auf den Strand gelegt, mitten hinein in den tiefen und lockeren Sand. Was beim Start schon lästig ist und eine erste Selektion herbeiführt ist in der Folge richtig fies. Immerhin muss man noch 2 mal hier durch, um zum Ziel zu kommen – 2 mal 5km hat man in den Dünen ausgeflaggt. Hat man die 1.000m am Strand erfolgreich absolviert steht man also im Startbereich fett im Sand – im wahrsten Sinn des Wortes, laufen kann man das nicht mehr wirklich nennen. Und dann auf Kopfsteinpflaster zur Strandpromenade hoch, um dann gleich nach dem Ziel in die nächste Sandgrube zu hüpfen. 

Und das ist erst der Anfang der Runde (ein privates Video zeigt das Feld kurz nach dem Start, meine Wenigkeit läuft ab 0:52 ins Bild). Kurzes Stück Asphalt und dann geht’s etwa 1.000m in die Wüste: mehrere Anstiege durch tiefen Sand gehen an die Substanz. Da ist der Anstieg zum höchsten Punkt der Strecke (20m hoch auf ~350m Strecke) fast schon erholsam, weil asphaltiert. Aber nach dem Downhill Richtung Meer muss dann die nächste Sandpiste erklommen werden. Gnadenlos werden hier Formschwächen offenbart, keine Chance sich irgendwie durchzumogeln. Nicht überraschend, dass Einzelne zu Walkern mutieren. Das ist ne richtig harte Geschichte. Zum Glück hält sich der Wind zurück und pustet uns zudem am Strand in den Rücken, prima. Zu heiß ist es sicher auch nicht, prima Laufwetter. Auf der zweiten Runde wird dann auch der Sand in den Schuhen langsam lästig. Da wird jetzt ordentlich Sand auf der Promenade in Kijkduin liegen, von freundlichen Läufern überall verteilt.

Fazit: Wahrlich eine Challenge, aber sehr cool, tolle Erfahrung, das kann man sich auch nochmal antun, im nächsten Jahr. Am Ende stehen 58:21 im Ziel auf der Uhr, für 10km keine dolle Zeit, aber Untergrund und Profil haben für die nötigen Verzögerungen gesorgt. Mit dieser Zeit bin ich auf Platz 80 von 169 im Ziel registrierten Männern gelandet, schön im Mittelfeld.

P.S. Das Wochenende endet mit einer ersten Radrunde die komplett ohne Verfahrensfragen und Navigationsprobleme, weitgehend ampelfrei auf schnellem Kurs zu absolvieren war – cool, so langsam hab´ ich den Dreh raus. Direkt im Anschluss noch eine Laufrunde drangehängt, was sich als deutlich schwerer entpuppt als der Beachrun am Freitag. Bis zum ersten Triathlon in diesem Jahr brauch ich wohl noch etwas Übung…

Sonntag, 5. Mai 2013

Hungergames in Holland – Warum man bei Toertochten immer genügend zu essen dabeihaben sollte

Classico Boretti ist die vierte Toertocht in vier Wochen, und gleichzeitig sowas wie der Abschluss des Radfrühjahrs: nächste Woche Urlaub ohne Rad, dann Feinschliff für Leiden (Laufen), dann erwarten wir ein Baby was mit Radlangstrecken schwierig in Einklang zu bringen sein wird…Und endlich mal wird das Frühjahr seinem Namen wirklich gerecht. Das Wetter in den letzten Wochen war zwar toll, mit viel Sonne, aber immer noch mit empfindlich kühlem Wind von der eiskalten Nordsee. Am Start in Hoofddorp entledige ich mich der Beinlinge und los geht die Reise. 

Mit weit über 5.000 Radlern geht’s zunächst Richtung Schiphol. Ich arbeite mich sukzessive nach vorne, überhole Gruppe um Gruppe bevor ich zum ersten Mal überholt werde. Einige Zeit später kommt eine weitere Gruppe von hinten und jetzt sind wir zum ersten Mal am Wasser. Ohne kompliziertes Radwegschnickschnack geht es für viele Kilometer immer am Wasser lang, auf richtigen Straßen und kaum Autos. Rote Ampen werden von freundlichen Helfern "beschützt", sodass wir Radler eine immer grüne Welle haben, toll. 

Die Jungs haben richtig Zug drauf: nach 1,5 Stunden hab ich nen 34er Schnitt auf der Uhr, wenn das so weitergeht…und wir stehen in einer Baustelle, verfahren, wie das. Zurück, und auf einmal wollen die Jungs wohl die verlorene Zeit aufholen, drücken mächtig aufs Gas, zu mächtig. Mit Ach und Krach bleibe ich dran bis wir eine größere Gruppe erreichen, nur um dann festzustellen, dass hier weitergeprügelt wird, ohne mich. 

Dann das nächste Mal verfahren, schnell sammeln sich 30-40 Fahrer und grübeln über den weiteren Streckenverlauf. Es ist aber auch schwer, soviele Radwege und Nebenstraßen, die manchmal von Kreuzungen abzweigen, da ist selbst ein Pfeil nicht eindeutig genug. Nach 2 Stunden die letzte Streckenteilung, nun sind die 165er unter sich. Bisher gab es immer noch keinen Verpflegungspunkt, mmh, bei dieser großen und auch nicht ganz billigen Tour habe ich schon damit gerechnet. Meine Vorräte sind minimal, zu wenig für 165 km. Ich beginne sie trotzdem zu vernichten, bringt ja nix. 

Nach 3,5 Stunden sind 115 km gefahren, und meine Vorräte am Ende. Außerdem frischt der Wind auf, der mir manchmal auch ordentlich ins Gesicht pustet. Das werden harte 50 km. Ne halbe Stunde später fängt mein Magen an zu knurren, der Puls ist schon länger angestiegen, ich fahre auf Reserve. Und während ich mich schon damit abgefunden habe, dass es ein Hungerexperiment wird, kommt sie doch noch, bevoorading heisst das hier, oder so ähnlich. Ist zwar sehr sparsam ausgestattet, aber Hunger treibt selbst ein Rosinenbrötchen rein. Dazu ne Banane, und pipigelbes Isozeugs, und weiter geht’s. 

Und es war als wie wenn man einen Schalter umlegt, oder Reisig in die Glut wirft, es geht wieder was. Puls geht runter, Energieschub, nicht mehr so rund wie in den ersten zwei Stunden, aber immerhin. Die letzten 15 km sind dann eher zäh. Nach Zusammenführung mit der kurzen Strecke wird es eng auf dem Radweg, und die Geschwindkeitsdifferenzen groß. Da ist wieder volle Konzentration gefragt, bei immer noch wechselnden Winden. Dann bin ich drin. Die Zielverpflegung ist prima: jeder bekommt einen Energydrink nach Zieldurchfahrt, und einen Pott Nudeln gibt’s obendrauf. Dann geht’s auf nach Hause. 165 Classico Boretti, plus insgesamt 22 km An- und Abfahrt, der Tag hat sich gelohnt.

Achja, 2 Beobachtungen noch zum Schluss. Erstens, kaum Radler nehmen die Dienste der Bahn in Anspruch. Während man in Berlin selbst bei 200 Teilnehmern die Herrschaften schon in der S-Bahn traf, gibt es nichts entsprechendes bei der 30 fachen Besetzung. Stattdessen stapeln sich auf dem kostenlosen Parkplatz die Autos, dass es nur so kracht. Und große Gruppen von Radfahrern sind auch selten bis nicht existent. Während man in Berlin schonmal ein 200er Feld en bloc durch die Lande ziehen sieht, bestimmen hier die vielen Vereine und Firmengruppen das Bild und die Gruppen. Finde ich persönlich sehr viel angenehmer.

Letzendlich waren das vier spannende Touren, vom Amstel Gold Race bis zum Classico Boretti, habe viel gelernt, viele schöne Strecken kennengelernt, hat sich auf jeden Fall gelohnt.

Sonntag, 28. April 2013

Sonne und Meer – mit dem FTC Westland ans Braassemermeer

Na bitte, es geht doch. Am 28.4. um 8:30 herrscht bei strahlendem Sonnenschein (aber kühlen 5°C) Hochbetrieb im Velo Sportcomplex in Wateringen (gehört zu den Haag, südlich des Stadtzentrums gelegen, 8km von unserer Wohnung weg). Kein Vergleich zur Situation beim TV Zoetermeer eine Woche vorher. Zwei Euro in die Kasse, kein Formular ausfüllen, erneut keine Startnummer, aber dann geht’s los. Angeblich gibt es Pfeile, ein Quadrat kennzeichnet den jeweiligen Richtungspfeil. 

Ich schließe mich einer 10er Gruppe an, die zügig Fahrt auf nimmt. Radwege, links, rechts, Bremsen, Kreuzung, Brücke, Unterführung, kurz raus auf die Straße, dann wieder auf den nächsten Radweg….und das ganze bei 30-35 km/h. Von der Umgebung bekomme ich nix mit, volle Konzentration, aber macht Spaß. Rote Ampeln sind übrigens nichts weiter als farbige Lampen am Straßenrand, nicht dazu da die rennradelnde Gruppe zum Halten zu zwingen, sehr ungewohnt, beängstigend.  An der Vliet wird es ruhiger, was die Streckenführung betrifft, für einige Kilometer keine Richtungswechsel. Dafür geht der Speed hoch, konstant 37-40km/h. Mal schaun wie lange ich das mitmache. Nach ner Stunde haben wir nen 33er Schnitt im Kasten, und ich lasse reißen, zu schnell. 

Ich entdecke die ersten Richtungspfeile, es gibt sie, mit Kreide auf die Straße gemalt. Ein Glück regnet es nicht. Eine Kreuzung ist dann aber doch unbeschildert. Während ich mich mit dem kartenlosen Tourenplan versuche zu orientieren, kommt eine weitere Gruppe. Keine Ahnung ob die auf der gleichen Runde sind (Rennradgruppen gibt es alle Nase und keiner hat eine Startnummer), egal, ich fahre hinterher. Aber sie sind auf der für mich richtigen Runde und fahren ein gutes Tempo, 31er Schnitt, nur führen kann ich nicht, weil ich mich sonst verfahren würde. Die Vorwarnzeit bei Kreidepfeilen auf der Straße ist einfach zu kurz.

Die Strecke um das Braassemermeer ist toll, ein großer See, und wir mit dem Rad immer drumherum, schön. Dann gibt’s sogar eine Pause, allerdings nicht mit der gewohnten Verpflegung wie bei deutschen RTF. Man setzt sich in ein Fietscafe, trinkt Kaffee, isst vielleicht nen Kuchen – für ein gemütliches Kaffeekränzchen ists mir doch zu kühl, fahr ich lieber weiter. Und es dauert dann tatsächlich eine knappe Stunde, bis mich meine ersten Weggenossen nach Kaffee und Kuchen wieder eingeholt haben. Ich versuche mitzuspringen, und gebe nach 2km auf, zu schnell. Die nächste Gruppe gefällt mir besser, und zügig geht’s zurück Richtung Den Haag. Auf den letzten Kilometern zerbröselt dann das Feld, anscheind fährt jeder jetzt auf eigene Kappe nach Hause. Das mache ich dann auch, fahre nicht bis zum Ziel sondern durch die großen an Den Haag angrenzenden Parks zurück zur Nordsee und dann nach Hause.

Fazit: Das heute hat doch Mut gemacht, und Lust auf mehr (und Meer, denn von diesen großen Binnenseen gibt es hier ne ganze Menge). Organisiertes Radfahren in größeren Gruppen gibt es tatsächlich auch im regelmäßigen Betrieb. Das ganze zwar ziemlich einfach organisiert und ziemlich formlos, aber wozu braucht es immer den ganzen Papierkram etc. Und die Strecke hat mir auch gefallen. Ich komme wieder, keine Frage…

Samstag, 20. April 2013

Henning allein unterwegs – die erste Toertocht des Jahres

Nach dem Amstel Gold Race musste ja mal irgendwann die erste richtige Toertocht aus dem NTFU Kalender ausprobiert werden. NTFU steht für Nederlandse Toer FietsUnie und eine Toertocht sollte sowas wie die RTF in Deutschland sein, Radtourenfahrten für Rennradler, sportlich schnell absolviert. 

Die Geestgrondentocht des TV Zoetermeer `77 sollte also die Premiere sein. Fünf Strecken stehen zur Wahl, von 40 bis 165 km. Klingt ganz vernünftig. Start ab 8 Uhr am 20. April, ab Clubhaus des TV Zoetermeer. Halbe Stunde Tram bis Zoetermeer, und dann bin ich da, frische 3°C oder so, strahlender Sonnenschein, das wird ein toller Tag. Im Clubhaus kurz vor 8 versammeln sich keine 10 Hanseln, was ist denn das. Nach der Registrierung gibt ne Tasse Tee gratis, man bemüht sich mit mir in Englisch zu kommunizieren. 

Ich fahre dann 20 nach 8 alleine los, angeblich gibt’s Richtungspfeile, um die Strecke zu kennzeichnen. Zum Glück habe ich 2 Tage vorher noch per Zufall die gpx Tracks der Routen gefunden und sie mir am Morgen noch aufs Dakota geladen. Schon nach 500 m schalte ich das Ding ein und sehe den ganzen Tag keine Richtungspfeile. Ich sehe außerdem keine weiteren radelnden kollegen, die die gleiche Strecke fahren. Könnte sie auch gar nicht erkennen, weil Startnummern gabs keine, wir fahren alle inkognito. Ich folge also brav meinem GPS, bis Den Haag und weiter nach Katwijk kenne ich die Strecke. 

In Scheveningen biege ich auf den Dünenradweg ein, und muss leider feststellen, dass der Wind über Nacht wieder gedreht hat, und mir fröhlich ins Gesicht pustet, herrlich, aber egal. In Katwijk, wo die erste Streckenteilung erfolgt, steht auch kein Schild, ja wie soll man sich denn hier zurechtfinden, ohne GPS? Ok, die Organisatoren haben einen sehr detaillierten Streckenplan auf Papier mitgeliefert, aber den beim Fahren zu lesen und umzusetzen, wie soll das gehen? So langsam schwindet auch die Hoffnung, dass es irgendwo eine Verpflegungsstelle gibt, ja wofür habe ich eigentlich die 3 EUR bezahlt? Das heisst dann aber auch, ich muss mir überlegen, wie ich hier über die Runden komme. Gut ich habe 2 volle Flaschen und ein paar Riegel mit, das sollte ne Weile reichen. 

In Nordwijk treffe ich den angekündigten Blumenkorso, da muss man erstmal drumherum und dann mittendurch. Kurz hinter Zandvoort verfahre ich mich kurz, und entscheide mich dann dieses Verfahren konsequent fortzuführen und die Runde abzukürzen. Ich bin ja eh alleine, es gibt keine Beschilderung, keine Verpflegung, das hätte ich auch privat haben können. Und außerdem muss ich ja auch noch wieder zurückkommen. Bis hierher war es verdammt langsam, 24er Schnitt. Soll mal einer kommen und sagen, dass es in Holland doch platt ist und man ordentlich Gas geben kann….Radwege sind toll, aber auch sehr winklig. Außerdem geht es in den Dünen ständig hoch und runter. Wenn man das Ganze noch bei Gegenwind macht, dann fühlt sich das an wie Dauerbergfahren. Dafür geht es zurück zum Teil deutlich schneller, auf freier Strecke bei Rückenwind kann man richtig auf die Tube drücken, 35-40km/h, kein Thema, streckenweise auch mal 50km/h. 

Vorbei an Blumenfeldern geht es zum Keukenhof, Touri-Ansturm hoch drei. Dann das zweite Mal Blumenkorso, das kostet Zeit, warten, Umweg. In Katwijk verlasse ich dann die Toertocht-Route und wende mich gen Heimat. Dann habe ich wenigstens noch was vom Tag. Am Ende stehen 122 km auf der Uhr, und das hat sich sehr gut angefühlt, Form wird besser. Auch die Runde war sehr schön, tolle Strecke, wie immer sehr verkehrsarm, werde ich mir merken. Jetzt muss ich nur noch verstehen, welche Toertocht tatsächlich auch als organisierte Veranstaltung zu verstehen ist und nicht nur eine Art Alibi mit ein paar Hanseln ohne Startnummer. Nächste Woche ist das nächste Mal Gelegenheit dazu.

Sonntag, 14. April 2013

Amstel Gold Race 2013 – Von Saubären und Sauberen

Das war sie nun, meine erste Toertocht in Holland, und dann gleich das Amstel Gold Race, was für ein Start. Als ich mich allerdings für eine Startnummer beworben habe (ja, das muss man, und wenn man Glück hat wird man ausgelost), habe ich gedacht mich für ein Jedermannrennen zu bewerben. Deswegen habe ich mich auch für die 100 km entschieden, ein Rennen im April über die volle Distanz von 250 km ist dann doch etwas viel. Als ich dann die Startunterlagen bekomme, wird mir erklärt dass es kein Rennen ist, man sich an die Straßenregeln halten muss, man bis 19 Uhr Zeit hat ins Ziel zu kommen. Jetzt bin ich verwirrt, was ist denn das jetzt, was habe ich da eigentlich eingekauft für nen knappen Fuffi? Wenn es eher ein Radmarathon ist, hätte ich auch ne längere Strecke buchen können.

Die Anmeldung am Vorabend des „Race“ bringt wenig Klarheit, nur soviel, die Zeit wird wohl gemessen, weil meine Startnummer fürs Rad nen Chip hat. Startzeit ist von 7-11 Uhr. Ich entscheide mich für einen frühen Start, damit ich mit meiner Familie noch Valkenburg unsicher machen kann. 7 Uhr und 100 km – da bleibt der volle Samstag noch für die Familie. Nur die Wettervorhersage spielt nicht wirklich mit: 13.4.2013, 5 Uhr, es regnet, und soll auch den Rest des Tages schauerlich weitergehen, angeblich. Gut das ich mir das nur 100 km antun muss und wir am Nachmittag die Höhlen von Valkenburg erkunden wollen, da kann es regnen wie es will (tut es dann aber nicht…sondern es entwickelt sich der erste Frühlings-Nachmittag des Jahres).

Um 7 Uhr beginne ich so langsam zu verstehen, wie die hier an diesem Tag 12.000 Hobbyradler durchschleusen wollen. Das Startverhalten was ich von deutschen Radtourenfahrten / Radmarathons und auch den Radmarathons in den Alpen kenne findet hier nicht statt. Kleingruppen tröpfeln es dem grauen Himmel gleichtuend auf die nasse Strecke, kein Massenstart eines Riesenfeldes. Eigentlich sehr vernünftig, weil man so zumindest einen einigermaßen geregelten Autoverkehr ermöglichen kann. Am Geulhemmerberg nach knapp 3 km schließe ich mich einer ersten Gruppe an, mit einem Berliner Trio fühlt man sich wie zu Hause. Über schlammige Wirtschaftswege geht es im Zickzackkurs nach Maastricht und wieder hinaus. Schnell fahren kann man so nicht, das ist kein Rennen, das ist eine stinknormale Radtourenfahrt (Tourtocht in Holland), mit Zeitnahme, warum auch immer, Geldschneiderei vielleicht…..egal.

Nach ner halben Stunde kommt ne schnelle Gruppe von hinten, ich eingekeilt am Straßenrand, super. Zum Glück reißen die 3 Berliner eine Lücke und ich kann mitspringen, endlich fühlt sich das an wie Radfahren, cool. Am Maasberg muss ich beißen, Kopfsteinpflaster, bäh, kurz reißen lassen. Am Adsteeg bin ich wieder voll dabei, läuft gut. Mittlerweile seh ich aus wie Sau, mein Rad auch, eher wie ein Crossfahrer. Nach knapp 2 Stunden die erste und einzige Verpflegungskontrolle, leider. Erstens hätte ich keine gebraucht, zweitens war es sehr eng, und drittens war ich danach alleine, was zu befürchten war, keine Gruppen mehr. Dafür merke ich jetzt den Wind, der auf den restlichen knapp 50 km überwiegend von vorne weht. Und ich beginne zu merken, dass ich dank Umzug nach Den Haag kein Wintertraining hatte, und dank neuerlichem Wintereinbruch im März auch ein ziemlich lausiges Frühlingstraining hatte: kommt mal ne Gruppe, kann ich sie nicht halten, meine Form lässt zu wünschen übrig. So sinkt mein Stundenmittel, aber immerhin kann ich jetzt die Landschaft genießen. Der Fromberg ist cool, schöne Steigung, schöne Aussicht, ganz nach meinem Geschmack.

Kurz vor Valkenburg dann die Überraschung: blaue Tour (100 km) links abbiegen, alle anderen geradeaus. Ich mache das, und bin jetzt ganz allein. Während ich zuvor zumindest noch Radler gesehen habe, sind die wohl alle weitergefahren. Aber ich bin richtig, wenig später die Zeitmessung Sibbergrubbe. Versteh ich nicht, egal, so kann ich wenigstens in vollen Zügen die Anfahrt zum Cauberg genießen, und dann auch die Auffahrt. Hier ist keiner, ja was macht denn der Rest? Darüber nachdenken kann ich erstmal nicht, der Cauberg muss bezwungen werden, fieses Ding, steil, und lang, und die Profis müssen hier 4x hoch, uff. Oben dann noch 1,8 km bis in Ziel. Und da steh ich dann, wo muss ich hin? Die Leitgitter werden gerade aufgebaut, auch die Medaillenkisten werden gerade erst hingestellt, wo ich mein Deposit bekomme, kann mir keiner sagen. Ich wäre erst der Zweite der hier oben aufschlägt, so früh hat man nicht mit Finishern gerechnet. Ja was ist denn das für ne Planung: wenn man ab 7 starten darf, darf man ja wohl auch ab 10 wieder im Ziel sein. Verwundert schau ich mir das Treiben ein wenig an, wechsel noch kurz ein paar Worte mit meinem Leidensgenossen, der als Erster hier reingerollt ist, dann wird es kalt und ich fahre runter nach Valkenburg.

Noch ist es lange nicht 11 Uhr, und ich beginne zu verstehen, was hier passiert: die anderen Herrschaften haben alle ausgeschlafen, gemütlich gefrühstückt und sind dann aufs Rad gestiegen, und kommen mir jetzt entgegen, aus dem Startkorridor. Und als ich um 13:00 Uhr mit Familie das nächste Mal am Cauberg bin, um die Grotten zu besichtigen, ist der Cauberg von Radfahrern komplett bedeckt, irre. Und am Abend kann man schön erkennen, wer früh gestartet ist und wer nicht: die Saubären mit den dreckigen Rädern waren schon am frühen Morgen unterwegs, während die Sauberen erst aufs Rad gestiegen sind, als der Regen aufgehört und die Sonne die Straßen getrocknet hat. Letztenlich war es eine tolle Sache, auf dem Profikurs den Hobbyradlern eine offizielle Bühne zu geben, hat großen Spaß gemacht. Nächstes Jahr bewerbe ich mich für ne Langstrecke und fahr dann auch die anderen Hügel, die die Profis unter die Räder genommen haben.

Schlussakkord des Cauberg aus der Froschperspektive, schon steil....


  Am frühen Nachmittag des 13.4. war hier Hochbetrieb, um 10:30 war ich hier noch allein....
 






Und während draußen die Massen den Cauberg hochstampfen, schau ich mir in Stein gemeißelte Urzeitviecher in den Gemeindehöhlen an.

Samstag, 2. März 2013

Holland für Radfahrer – erste Eindrücke

Die Niederlande sind ein Fahrradland, das dürfte nicht überraschen. Was das allerdings im Alltag heisst und bei der sportlichen Betätigung auf dem Rad, war und ist für mich sehr spannend. Seit Mitte Januar durchkreuze ich Den Haag auf dem Weg von Bloemenburt (Wohnung) zur Nationalbibliothek (Arbeit). Der Fahrradverkehr in der Stadt ist beeindruckend, und das in mehrerlei Hinsicht. Erstens, sind verdammt viele Radfahrer unterwegs. Und obwohl sich viele von ihnen ziemlich viele Rechte nehmen und die Verkehrsregeln (z.B. rote Ampeln) ziemlich locker interpretieren, tolerieren zweitens die Autofahrer das große Gewusel. Es gab schon oft Situationen, die in Deutschland ein gnadenloses Hupkonzert und wüstes Geschimpfe auf beiden Seiten provoziert hätten. Und hier, nichts dergleichen, faszinierend. Drittens, sieht man kaum behelmte Radfahrer, was auch für Kinder gilt. Da haben die Firmen Bell, Giro und Co einen echt schlechten Stand, warum auch immer. Viertens, haben Radfahrer praktisch freie Straßenwahl. Radwege gibt es fast überall. Große Straßen haben sogar auf beiden Seiten Radwege die in beide Richtungen benutzt werden dürfen. Und im Innenstadtbereich dürfen Radfahrer die allermeisten Einbahnstraßen auch gegen die Fahrtrichtung nutzen. Was für Autofahrer ein echter Alptraum ist, weil man in dem Straßengewirr kaum einmal der Direttissima folgen kann, klappt für Radfahrer ohne Probleme, echt cool.

Auch der Überlandverkehr mit dem Rad ist faszinierend. Radwege und Fahhradstraßen gibt es fast überall. Das ist zwar zunächst gewöhnungsbedürftig, weil ich in Deutschland um Radwege einen großen Bogen gemacht habe und die Straßen bevorzugt habe. Hier in Holland muss das aber nicht sein. Manchmal ist es zwar sehr winkelig und offensichtlich eher für den Tourenradler als für den sportlich ambitionierten Radler konzipiert, aber die Autofreiheit macht es allemal wett. Es gibt Straßen da trifft man für Kilometer kein Auto. Ganz zu schweigen von den Radautobahnen durch die Dünen: z.T. perfekter Asphalt durch fantastische Landschaft und immer hoch und runter, ziemlich geil – anders kann man das fast nicht beschreiben. Ein kleines Problem auf dem Papier scheint die Orientierung zu sein, weil man sich in dem Gewirr an gut ausgebauten Wegen nicht so ohne Weiteres zurechtfindet. Da bin ich dankbar mein Dakota zu haben, das mir speziell jetzt am Saisonanfang einiges an Umwegen spart, und es mir so erlaubt meine Kräfte sinnvoll einzuteilen. Aber auch wenn man kein GPS hat, kann man sich auch auf die hervorragende Beschilderung verlassen. Außerdem gibt es ein dichtes Netz an nummerierten Radrouten, die auch häufig von fest installierten Karten am Straßenrand begleitet werden. Verfahren wird nicht wirklich leicht gemacht.

Zum Thema Orientierung noch eine Ergänzung: für die Tourenplanung gibt es hier nicht nur Radkarten auf Papier. Auch das Internet bietet erstaunliche Möglichkeiten, die mir aus Deutschland (Berlin) nicht bekannt sind. Unter http://www.fietsersbond.nl/fietsrouteplanner/ kann man sich seine eigenen Routen zusammenbasteln und anschließend aufs GPS Gerät übertragen – kostenlos.

Zusammenfassend muss ich bisher sagen, dass mich Holland überrascht, und ich sicher noch eine Weile brauche, um mich komplett daran zu gewöhnen. Die Rückgewöhnung an deutsche Verhältnisse könnte dagegen weit schwerer werden, wenn das jemals wieder zur Debatte steht. Holland ist tatsächlich ein echtes Fahrradland, wo den nichtmotorisierten Zweirädern nach meinen bisherigen Eindrücken der Respekt entgegengebracht wird, den sie verdienen. Hier können sich v.a. deutsche Autofahrer nicht nur eine Scheibe abschneiden.